70 Ehejahre

Beim Jawort war sie gerade mal 18, er 20 Jahre alt

Edeltraud und Theodor Stoppik zeigen gerne ihr großes Hochzeitsfoto in Schwarz-Weiß.Foto: Christian Beier
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Edeltraud und Theodor Stoppik zeigen gerne ihr großes Hochzeitsfoto in Schwarz-Weiß.

Edeltraud und Theodor Stoppik feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Auf dem großformatigen Hochzeitsbild in ihrem Wohnzimmer sind Edeltraud und Theodor Stoppik süße 20 beziehungsweise 18 Jahre alt. „Das war noch in Oberschlesien“, erzählen beide lebhaft und können es kaum glauben, dass dieser Tag schon 70 Jahre her ist. Die beiden feiern heute das seltene Fest der Gnadenhochzeit und freuen sich auf eine Feier mit rund 50 Personen aus dem Familien- und engen Freundeskreis. Auch eine kirchliche Zeremonie im evangelischen Gemeindehaus Arche mit Pfarrerin Raphaela Demski-Galla wird es geben.

Vier Töchter im Alter von 54 bis 69 hat das Jubiläums-paar, die ihnen neun Enkel, dreizehn Urenkel und sogar bereits eine, jetzt zweijährige, Urenkelin beschert haben. „Und die Söhne, die wir nicht bekommen haben, gab’s gratis dazu“, scherzt Theodor Stoppik. Vor zweieinhalb Jahren sind er und seine Frau in eine Wohnung mit Aufzug umgezogen. Besonders Edeltraud Stoppik fällt das Gehen nicht mehr ganz so leicht wie früher. Auch die Garten-Leidenschaft nimmt nicht mehr ganz so viel Raum ein. „Allmählich zeigt sich da doch ein bisschen das Alter“, sagt Theodor Stoppik, der gerade 90 Jahre alt geworden ist – und locker für mindestens zehn Jahre weniger durchgehen würde. Auch seiner Frau merkt man ihre 88 Lebensjahre nicht an.

„Einer aus der Familie schaut jeden Tag mal nach dem Rechten“, erzählt Tochter Jolanthe, aber von dem Begriff Pflege sei man weit entfernt: „Mein Vater fährt immer noch selbst Auto, wenn auch inzwischen nur noch bekannte Stecken innerhalb der Stadt. Aber zum Einkaufen reicht es noch.“

Gutgelaunt berichtet das Paar aus seinem Leben: Edeltraud Stoppik stammt aus einer Landwirtschaftsfamilie und hat in jungen Jahren viel auf dem Hof ihrer Eltern mitgearbeitet und auch später „immer ein bisschen mitverdient, in einer Tischlerei und einem Sägewerk“. Ihr Mann war Bergmann und hat in Solingen zuerst bei einer Kunststoff-Firma gearbeitet, bevor er in den Wach-und Schließdienst wechselte. „Das hab ich ganz lange gemacht“, sagt er.

Bei Stoppiks wird viel geredet und gelacht

Seit 1982 sind die Stoppiks in Solingen. „Die Polen wollten uns nicht mehr haben“, ist Edeltraud Stoppiks schlichte Erklärung für die Spätaussiedlung aus dem Heimatort Guttentag, heute Dobrodzien. Die Entscheidung für die Klingenstadt fiel, weil hier bereits seit Jahren Verwandte lebten. Die Vergangenheit ist für das Ehepaar Stoppik, bei aller Wertschätzung für das, was war, offenbar der weitaus kleinere Teil ihres Lebens. Besonders Theodor Stoppik liebt es etwa noch, auf Reisen zu gehen.

Nach einer erst kürzlich absolvierten Tour an die Mosel hätte er am liebsten direkt wieder die Koffer für ein neues Ziel gepackt. „Du bist ja inzwischen ein bisschen fauler“, frotzelt er in Richtung seiner Frau, die den liebevollen Stich gelassen wegsteckt: „Mit dem Motorrad ginge das ja sowieso nicht mehr“, sagt sie schmunzelnd in Anspielung auf diese Art der Fortbewegung, die für beide eine Leidenschaft war: „Mit gepackten Satteltaschen waren wir viel unterwegs in der Weltgeschichte.“ Es wird viel geredet und offenbar auch viel gelacht im Haus Stoppik.

Mit Humor reagiert Edeltraud Stoppik auch auf die Aufregung vor dem großen Fest heute. „Wir haben ja eigentlich Routine mit sowas“, sagt sie mit Blick auf die „überstandene“ Goldene beziehungsweise Diamantene Hochzeit.

Ehe-Jubiläen

Die Gnadenhochzeit nach 70 Ehejahren wird auch Platinhochzeit genannt. Das 75-jährige Ehe-Jubiläum heißt Kronjuwelen-Hochzeit. Nach 25 Jahren Ehe wird die Silberne Hochzeit gefeiert, nach 40 Jahren Rubinhochzeit, nach 50 Jahren Goldene, nach 60 Jahren Diamantene und nach 65 Jahren Eiserne.

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