Volkszählung

Befragung: So läuft der Zensus 2022 ab

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Einwohnerzahlen für Solingen.

Rund 9500 Menschen in der Klingenstadt müssen Auskunft geben. Wir geben Antworten zu wichtigen Fragen.

Von Björn Boch und Manuel Böhnke

Solingen. Ab Mitte Mai startet der Zensus 2022 – rund 9500 Solingerinnen und Solinger, zufällig ausgewählt, werden bei der Volkszählung befragt. Ziel ist es unter anderem, eine realistische Einwohnerzahl zu erhalten. Derzeit hat die Stadt knapp 3750 Einwohnerinnen und Einwohner mehr erfasst als das Statistische Landesamt (siehe Grafik). Daraus ergeben sich geringere Schlüsselzuweisungen durch das Land – und damit weniger Geld im Haushalt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Zensus 2022.

Was genau ist ein Zensus?

Ein Zensus muss eigentlich alle zehn Jahre stattfinden, letztmals 2011 – voriges Jahr wurde er pandemiebedingt verschoben. Der Zensus 2022 ist eine statistische Erhebung der Bevölkerung – und zusätzlich eine Bestandsaufnahme der Gebäude und Wohnungen.

Warum muss das erhoben werden? Gibt es diese Zahlen nicht schon?

Nein, erklärt die Stadt. Die Informationen, die erfragt werden, stünden nicht flächendeckend zur Verfügung. Außerdem sei das Einwohnermelderegister nicht immer aktuell. Es gebe veraltete Einträge und Fehlbestände, die der Zensus ermittele. So sollen Einwohnerzahlen verlässlich hochgerechnet werden können.

Ist das eine Solinger Aktion?

Nein. Der Zensus soll aktuelle Daten über die Bevölkerung in ganz Deutschland liefern und damit verlässliche Aussagen über Alter, Geschlechterverteilung, Bildungsstand oder Erwerbssituation. Mittels einer Stichprobe werden bundesweit voraussichtlich mehr als zehn Millionen Menschen befragt. Zusätzlich werden alle Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnungen und Gebäuden um Auskunft gebeten.

Wofür ist das gut?

Mit aktuellen Zahlen könnten zum Beispiel Planungsprozesse unterstützt werden, erläutert Stadtsprecher Daniel Hadrys. Die wohl wichtigste Funktion des Zensus sei die Erhebung der amtlichen Einwohnerzahl, die unter anderem für die Zuweisung von Finanzmitteln an die Städte und Gemeinden von großer Bedeutung sei. „Zusätzlich ermöglicht der Zensus einen genauen Blick auf den Gebäude- und Wohnungsbestand der Städte und Gemeinden mit Informationen zur Wohnungsgröße, zum Gebäudealter, der Nettokaltmiete oder zum Wohnungsleerstand“, so Daniel Hadrys. Auch diese Angaben liegen nicht flächendeckend vor, da es bislang in Deutschland kein verbindliches Gebäuderegister gibt.

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Muss ich mitmachen – oder kann ich die Angaben verweigern?

Der Zensus 2022 ist eine Bundesstatistik, für die Auskunftspflicht besteht. Bei einer Auskunftsverweigerung wird ein Mahnverfahren eingeleitet. Im Höchstfall könne laut Stadtverwaltung ein Bußgeld bis 5000 Euro verhängt werden.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Ab Anfang Mai 2022 können sich Erhebungsbeauftragte zu Interviewterminen ankündigen. Die Erhebungen und Befragungen selbst starten ab dem 16. Mai 2022 und dauern bis Anfang August 2022. Auf einer Ankündigungskarte finden die zufällig ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Auskunftspflichtige) einen Terminvorschlag sowie Kontaktdaten der Erhebungsbeauftragten. „Sofern der vorgeschlagene Termin nicht passt, kann man selbst einen Termin vereinbaren“, erklärt Stadtsprecher Daniel Hadrys.

Ich wurde ausgewählt: Wie läuft meine Befragung ab?

Nach einem persönlichen Interview von etwa fünf bis zehn Minuten Dauer – unter Beachtung der jeweils gültigen Corona-Schutzverordnung, wie die Stadt betont – erhält der Befragte vom Erhebungsbeauftragten einen Zugangscode für eine Online-Befragung, in der weitere Informationen erhoben werden. In Ausnahmefällen kann diese zweite Befragung analog oder direkt mit dem Erhebungsbeauftragten durchgeführt werden. Sollte die Kontaktaufnahme scheitern – oder wird die Auskunft verweigert – wird das Verfahren per Post durchgeführt.

Was sind Erhebungsbeauftragte – und wie erkenne ich sie?

„Die Erhebungsbeauftragten sind das Herzstück des Zensus 2022“, erklärt Daniel Hadrys. Sie führen die Befragungen und Erhebungen vor Ort durch: „Alle Erhebungsbeauftragten werden geschult, schriftlich bestellt, sind förmlich auf die Geheimhaltung verpflichtet, tragen FFP-2-Masken und werden eine vollständige Immunisierung gegen das Corona-Virus aufweisen.“ Sie würden nicht in ihrer eigenen Wohngegend eingesetzt. Alle Beauftragten können sich ausweisen. Bestehen Zweifel, können sich Befragte an die Erhebungsstelle (| Kasten) oder die Polizei wenden.

Wer wird befragt?

Mehr als 9500 Menschen in der Klingenstadt, zusätzlich findet eine vollständige Erhebung in Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften statt – etwa in Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen. Dies betrifft weitere rund 2700 Personen. Die Auswahl der privaten Haushalte basiert auf einer Zufallsstichprobe, die das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Auf diese Auswahl hat die Stadt keinen Einfluss. Es werden immer alle Bewohnerinnen und Bewohner einer Adresse befragt einschließlich der dort lebenden Kinder. Es reicht jedoch aus, dass ein Haushaltsmitglied die Auskünfte stellvertretend für alle Personen im Haushalt erteilt.

Was ist mit dem Schutz meiner Angaben und Informationen?

Jegliche Nutzung der Daten durch Erhebungsbeauftragte ist untersagt, betont die Stadtverwaltung. Um eine Zweckentfremdung zu unterbinden, dürfen bestimmte Berufsgruppen – etwa Polizisten, Journalistinnen oder Verwaltungsmitarbeitende aus dem Ausländeramt oder dem Jobcenter – nicht als Erhebungsbeauftragte eingesetzt werden. Die Angaben, die beim Zensus erhoben werden, würden streng vertraulich behandelt: „Der Schutz der Daten im Zensus 2022 vor missbräuchlicher Nutzung ist besonders wichtig. Die eingerichteten Erhebungsstellen sind technisch und organisatorisch von der Stadtverwaltung getrennt und unterstehen der Aufsicht des Landes“, betont Daniel Hadrys. Die Daten dürfen von den Erhebungsstellen nicht selbst ausgewertet werden. Erkenntnisse über Personen, die in Solingen leben, hier aber nicht gemeldet sind, würden „unter keinen Umständen den Meldebehörden oder sonstigen Dienststellen weitergegeben“.

Und was kostet das alles?

Wie Daniel Hadrys auf Nachfrage erklärt, werde die Stadt Solingen voraussichtlich rund 388 000 Euro für die Durchführung des Zensus vom Land NRW als Erstattung erhalten. Diese Kostenerstattung werde für das Personal der Erhebungsstelle, die Aufwandsentschädigungen der Erhebungsbeauftragten, Material und Druck, Portokosten sowie Technik verwendet.

Rechtsgrundlage, Bewerbung, Kontakt

Rechtsgrundlage: Wie alle EU-Staaten ist Deutschland zur Durchführung des Zensus verpflichtet; die EU-Verordnung 763/2008 regelt einen verpflichtenden Zensus für alle EU-Mitgliedsstaaten in einem zehnjährigen Rhythmus.

Bewerbung: Die Erhebungsbeauftragten werden sowohl Verwaltungsmitarbeitende als auch Bürgerinnen und Bürger sein. Wer sich bewerben möchte, muss die Angaben unter diesem Link ausfüllen.

Kontakt: Für weitere Informationen steht die Erhebungsstelle Solingen unter Tel. (02 12) 2 90-35 99 oder per E-Mail zur Verfügung: zensus@solingen.de

Weitere, allgemeine Informationen: www.zensus2022.de

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