Betreuung

Bedarf an Kitaplätzen bleibt in Solingen groß

Suchen seit Langem einen Betreuungsplatz für den kleinen TJ (rechts): Mutter Melissa Schweizer (v. l.), Josephine Petzold sowie Manuela und Michael Schweizer. Foto: Uli Preuss

Solinger Familie sucht bereits seit drei Jahren eine Betreuungsmöglichkeit für ihren Sohn. Stadt sieht Notwendigkeit zum Ausbau.

Von Kristin Dowe

Eigentlich würde Melissa Schweizer gerne wieder in ihren Job als Reinigungskraft einsteigen. Vor drei Jahren wurde Söhnchen TJ geboren, und direkt nach der Geburt des Kindes habe sich die 22-Jährige um einen Betreuungsplatz bemüht. Bislang vergeblich, berichtet sie: „Als mein Sohn geboren wurde, habe ich gleich eine Benachrichtigung von der Stadt mit einem Kinderbetreuungspass erhalten. Mit der Nummer sollte ich mich im Internet in dem Portal ‘Kita Online’ anmelden, was ich dann auch gleich getan habe.“

Dabei habe sie drei Wunschkitas angeben können. „Das war mir allerdings ziemlich egal. Wir wollten einfach nur einen Platz.“ Hatte sie ursprünglich bei den Wahloptionen angegeben, ihren Sohn erst ab vier Jahren betreuen lassen zu wollen, änderte Schweizer später ihre Pläne: „Ich wollte schon früher wieder in meinen Job zurückkehren.“ Nach Rücksprache mit der Stadt habe sie dann ihre Angaben bei Kita Online geändert und damit ihren Bedarf angemeldet.

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Standpunkt von Kristin Dowe

Darüber hinaus habe Schweizer zahlreiche Kitas einzeln kontaktiert und persönlich besucht, wie es das Portal der Stadt auch empfiehlt. Doch auch diese Bemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt, bedauert die junge Mutter, deren Mann in Vollzeit arbeitet und sich tagsüber auch nicht um TJ kümmern kann. Alle angefragten Kitas hätten mit Absagen reagiert.

Für die Betreuung des Kleinen sprangen bislang immer die Eltern der Solingerin ein, die in Mitte ein Tattoo-Studio betreiben. „Wir haben uns sogar schriftlich an den OB gewandt“, sagt TJ’s Großmutter Manuela Schweizer. Doch auch das habe sie dem Ziel Kitaplatz nicht näher gebracht. In ihrem Tattoo-Studio an der Mangenberger Straße haben TJ’s Großeltern eigens ein Spielzimmer für den Kleinen eingerichtet, doch ist Manuela Schweizer überzeugt: „Ein Dauerzustand ist das nicht.“

Zurzeit fehlen vor allem Kitaplätze für Kinder über drei Jahren

Die Geschichte der Schweizers zeigt exemplarisch den steigenden Bedarf an Kitaplätzen insbesondere für Kinder über drei Jahren. Während die Stadt in den vergangenen Jahren die Betreuungskapazitäten für Unter-Dreijährige ausgebaut hat, zeichnet sich bei den älteren Kindern ein Mangel ab, sagt Stadtsprecherin Sabine Rische: „Bislang ist es uns immer noch gelungen, den Bedarf beispielsweise mit Tagesmüttern weitgehend zu decken. Bei den Über-Dreijährigen wird es in den nächsten Jahren allerdings eng.“

Auch könne man sich bei Kita Online keineswegs verbindlich für einen Kitaplatz anmelden, vielmehr diene das Portal lediglich dazu, den aktuellen Betreuungsbedarf der Eltern zu ermitteln und den Einrichtungen sowie dem Jugendamt einen besseren Überblick über die Anmeldungen zu verschaffen. Die Kitas träfen die Entscheidung über eine Platzzusage letztendlich autonom. „Die Stadt vergibt die Plätze nicht zentral für alle Kitas und steuert die Vergabe auch nicht“, stellt Rische klar.

BETREUUNGSBEDARF

MASSNAHMEN Die Stadt reagiert nach eigenen Angaben auf den steigenden Bedarf. So wurden in den vergangenen Monaten mehrere neue Kitas eröffnet, auch im kommenden Jahr sollen mehrere Betreuungsgruppen an den Start gehen. Von insgesamt 92 Kitas befinden sich 17 in städtischer Trägerschaft. Hinzu kommen andere Träger wie Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Elterninitiativen.

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Auch ersetze eine Anmeldung bei Kita Online niemals das persönliche Gespräch mit der Einrichtungsleitung. Darüber hinaus unterstütze das Team des Portals Eltern, die bei der Suche nach einem Kitaplatz Probleme haben. Eine Garantie kann die Stadt somit trotz Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht geben. Klagen habe es deswegen bislang aber nicht gegeben: „In der Vergangenheit ist es uns in der Regel gelungen, im Gespräch mit den Eltern eine Lösung zu finden. So gibt es für die U3-Betreuung etwa ein Netz von Tageseltern“, so die Stadtsprecherin.

Zahlen könne die Stadt aktuell noch nicht nennen, eine Bedarfsprognose und die Ausbauplanung der Kitaplätze würden voraussichtlich noch vor der Sommerpause im Jugendhilfeausschuss beraten, heißt es. 

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