Mein Blick auf die Woche in Solingen

Baustellen: Hier kommt das Wohl der Bürger unter die Räder

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Die Stadt habe „vergessen”, den Baustellenengpass auf einer der wichtigsten Solinger Verkehrsachsen anzukündigen. Diese lapidare Entschuldigung der Pressestelle kann man jedoch nicht annehmen, findet ST-Chefredakteur Stefan M. Kob.

Sie hat es schon wieder getan. Oder besser gesagt: schon wieder nicht getan. Obwohl monatelang geplant, hat es die Stadt „vergessen“, den Baustellenengpass auf einer der wichtigsten Solinger Verkehrsachsen anzukündigen, der seit Dienstag für ellenlange Staus in der Kohlfurth und Wut bei den Betroffenen sorgt. Die lapidare Entschuldigung der Pressestelle kann man nicht annehmen. Denn die Kommunikation im Vorfeld neuralgischer Straßenbauprojekte ist beileibe nicht zum ersten Mal ausgeblieben, sondern wird systematisch nicht betrieben.

“Nun könnte man das Ganze als bedauerlichen Einzelfall abtun. Aber leider ist es eher die Regel, dass bei Planung und Einrichtung einer Baustelle die Bedürfnisse derjenigen im Hintergrund stehen, in deren Namen und mit deren Geld das Ganze beauftragt und umgesetzt wird: die betroffenen Bürger.“ Geschrieben an dieser Stelle vor sieben Jahren anlässlich der urplötzlichen Sperrung des Odentaler Wegs. Geändert hat sich seitdem: nichts. Nach wie vor stehen ahnungslose Autofahrer in Solingen vor Baustellenampeln, Warnbaken und Absperrungen, die am Vortag noch nicht da waren. Man kann das nur so erklären, dass es den Stadtverantwortlichen völlig schnurz ist, ob Pendler pünktlich in die Firma kommen, Kranke zu ihrem Arzt, Handwerker zu einem vereinbarten Termin, Lieferanten rechtzeitig zum Kunden oder Kinder in die Schule. Einmal völlig abgesehen von der Benzinverschwendung und unnötigen CO2-Emmission.

Dafür lässt sich die Stadt - wieder einmal - mit der Aussage zitieren, alle Erfahrung zeige, dass sich die Verkehrsteilnehmer zeitnah auf die neue Situation einstellen. Ganz genau. Und das könnten sie sogar vorher, wenn sie rechtzeitig informiert worden wären und das Chaos dadurch gar nicht erst entstünde. Andere Städte stellen mindestens zwei Wochen vorher Schilder an der geplanten Baustelle auf, um auf die anstehenden Einschränkungen hinzuweisen. Zudem warnen sie die Bürger durch eine rechtzeitige Information über die Medien vor den drohenden Staus, damit man entweder mehr Zeit einplant oder - noch besser - nach einer Ausweichroute Ausschau hält. Doch statt diese existenziellen Aufgaben zu organisieren, hat man eher das Gefühl, dass die städtische Öffentlichkeitsarbeit mehr Energie darauf verwendet, die neu entdeckten sozialen Medien mit allerlei Inhalten und Bildchen zu bespielen, die mehr oder weniger relevant sind.

Da ist es kein Trost, dass man immerhin zum Café Hubraum wohl im Vorfeld Kontakt aufgenommen hat – weil man irgendwie ahnte, dass der Baubeginn jetzt zum Start der Zweiradsaison maximal unglücklich kommt. Erst recht kein Trost ist es, dass die Wuppertaler Stadtwerke ebenfalls reichlich angesäuert sind. Auch sie wurden zum wiederholten Male “vergessen” und von den massiven Verspätungen ihrer Buslinie CE 64 überrascht, die über die Kohlfurth fährt. Das zeigt leider nur, dass hier wirklich viel im Argen liegt und die Forderung nach einem aktiven Baustellenmanagement leider immer noch brennend aktuell ist.

In anderer Verkehrssache ist die Stadtpolitik allerdings eifrig wie selten und will unbedingt mit zu den ersten Kommunen gehören, die der Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ beitreten. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass es den Städten erlaubt wird, flächendeckend Tempo 30 einzuführen. Bisher müssen, um Tempo-30-Zonen zu deklarieren, bestimmte Kriterien und Voraussetzungen erfüllt sein. Treiber ist diesmal die Politik, aber zumindest FDP und CDU glauben nicht der Beteuerung der Befürworter, dass man keinesfalls plane, das ganze Stadtgebiet zur verkehrsberuhigten Zone zu erklären - wie seinerzeit die Blitzer am Werwolf ja auch nur für die Rotlichtverstöße angeschafft wurden und inzwischen sehr wohl Tempoüberschreitungen messen. Angesichts der offenkundigen Gleichgültigkeit der Stadt gegenüber dem Erfordernis, für möglichst flüssigen Verkehrsfluss zu sorgen, darf man Zweifel haben, dass langfristig nur einzelne Wohnquartiere für die Tempodrosselung ausgewählt werden sollen.

Unsere weiteren Themen in dieser Woche:

Hochbegabt oder nur schlecht erzogen – mit einem spannenden Thema startet unsere neue Uni-Vortragsreihe am Montag im Gründer- und Technologiezentrum.

Internationaler Glanz für Solinger Museum? Zentrum für verfolgte Künste will auf der Biennale 2024 in Venedig ausstellen.

Wie verbindet man das bewährte alte mit dem zukunftsorientiertem neuen? Die Zukunftswerkstatt in Gräfrath soll Antworten auf die drängende Fragen der Stadtteilentwicklung geben.

Die Wut in Ohligs ist groß: Seit einem Monat gibt es im Solinger Westen Probleme mit der mobilen Telefonie und Datennutzung. Wann gibt es endlich Abhilfe?

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