Gräfrath

Baugrundstück: Das passiert am Nümmener Feld

40 Wohnungen und zwei Kitas sollen an der Straße Nümmener Feld entstehen. Beides verzögert sich nun.
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40 Wohnungen und zwei Kitas sollen an der Straße Nümmener Feld entstehen. Beides verzögert sich nun.

Der Bauverein Gräfrath und die Stadt haben unterschiedliche Vorstellungen, was gebaut werden soll.

Von Björn Boch

Solingen. Die Nachricht kam ganz zum Schluss der Bezirksvertretung Gräfrath – als knappe, mündliche „Mitteilung der Verwaltung“. Der Bauverein Gräfrath verfolge den Plan, am Nümmener Feld rund 40 Wohnungen zu bauen, nicht weiter. Die Gräfrather Bezirksbürgermeisterin Ruth Fischer-Bieniek (Grüne) trug aus einem Schreiben des zuständigen Dezernenten Andreas Budde (parteilos) vor. Demnach habe der Bauverein „bindungsfrei“ bauen wollen, während die Stadt auf einem Anteil von Sozialwohnungen bestanden habe. Auch weitere Hürden hätten den Bauverein bewogen, Abstand zu nehmen.

Francesco Cinquegrani, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins Gräfrath, bestätigt das auf Anfrage – und erklärt die aus seiner Sicht zu hohen Hürden, die aufgestellt worden seien. Die Genossenschaft habe im September 2021 drei Absichtserklärungen unterschrieben, um die Verhandlungen zu dokumentieren und abzuschließen. Doch weder ein Notartermin noch eine Eigentumsübertragung hätten stattgefunden.

Außerdem sollte der Bauverein Leistungen wie Mustergrundrisse, Fassadenentwürfe, Energiekonzepte und einen städtebaulichen Vertrag erbringen. „Wir hätten uns mit Kosten in Höhe von rund 50.000 Euro belasten müssen, ohne die Sicherheit zu haben, die Baugrundstücke später tatsächlich erwerben und bebauen zu können.“

Versprechen der Genossenschaft war offenbar nicht genug

Cinquegrani betont, dass der Stadtdienst Wohnen im Juni 2022 mitgeteilt habe, dass zwingend 30 Prozent der Mehrfamilienhausbebauung öffentlich gefördert sein müssten – also neun Monate nach den Absichtserklärungen. Dies sei aber von vorneherein ausgeschlossen gewesen, da der Zweck der Wohnungsgenossenschaft bereits die Förderung der Mitglieder vorrangig durch eine sozial verantwortbare und bezahlbare Wohnungsversorgung sei.

„Die Aussage, dass wir – als 100-jährige, gemeinnützig orientierte Wohnungsgenossenschaft – sieben Häuser ökologisch und für bezahlbaren Wohnraum laut Entwurfsplanung errichten möchten, hätte für Politik, Nachbarschaft und Verwaltung vorerst ausreichend sein müssen“, sagt Cinquegrani. Auch der zuständige Dezernent Andreas Budde habe mit dem Verweis auf politische Entscheidungen und gesetzliche Regelungen nicht weiterhelfen können.

Fast alle Wohnungen des Vereins seien vermietet – „und wir haben zurzeit 184 Bewerber für größere, bezahlbare Wohnungen. Somit bedauern wir sehr, dass die Baumaßnahme am Nümmener Feld von uns jetzt nicht mehr durchgeführt werden kann“.

Kritik der CDU – Stadtdienstleiterin sieht andere, positive Signale

Jonathan Bürger (CDU) hatte das Aus für den Bauverein in der Bezirksvertretung hörbar ironisch mit einem „Glückwunsch“ kommentiert. Die CDU sei nicht kategorisch gegen geförderten Wohnungsbau, sagte er anschließend unserer Redaktion. „Es war nur so, dass wir bezüglich fester Quoten von Anfang an die Sorge geäußert hatten, dass so dringend nötige Projekte verhindert werden.“ Dass es auch anders gehe, zeige „Greeen“ in Wald – dort entstehen 170 Wohnungen ohne geförderten Wohnungsbau.

Claudia Seyfried, Leiterin des Stadtdienstes Planung, Mobilität und Denkmalpflege, berichtete, dass es bezüglich des Wohnungsbaus Nümmener Feld „andere, positive Signale“ gebe. Allerdings warnte sie angesichts stark gestiegener Baukosten, dass das eine oder andere Bauvorhaben in nächster Zeit wohl nicht umgesetzt werden dürfte.

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Kita-Planungen

Zumindest verzögern werden sich die Kitapläne der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Straße Nümmener Feld. „Wir haben weiterhin Interesse an dem Gelände – und daran, dort zu bauen“, betont Awo-Vorstand Dirk Wiebenga. Ursprünglich sei geplant gewesen, zwei Kindertagesstätten zum 1. August 2023 zu eröffnen. „Das ist allerdings nicht mehr zu schaffen.“

Wenn das Bebauungsplan-Verfahren und die Gutachten, etwa zu Fledermäusen, nun endlich abgeschlossen seien, werde man sich hinsetzen und das Projekt angesichts der Baukostensteigerungen neu rechnen müssen. Wiebenga: „Wir sind mit der Stadt da im Austausch.“

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