Landwirtschaft hat es nicht leicht

Solinger Bauern warnen: „Zwei Minuten vor zwölf“

Carsten Bröcker, Tim Neues und Martin Dahlmann (v.l.) fordern ein Umdenken. Foto: Andreas Fischer
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Carsten Bröcker, Tim Neues und Martin Dahlmann (v.l.) fordern ein Umdenken.

Kreisbauernschaft fordert gesellschaftliches und politisches Umdenken.

Von Eike Birkmeier

Solingen. Flächenfraß, Klimawandel und jetzt auch noch Corona. Die Landwirtschaft hat es nach wie vor nicht leicht. Angesichts der drängenden Probleme schlagen die Ortsbauernschaften des Bergischen Landes Alarm. Sie fordern einen gesellschaftlichen und politischen Umdenkprozess. „Es ist zwei Minuten vor zwölf“, betont der auch für Solingen zuständige Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann, Martin Dahlmann.

Viele Betriebe stünden mittlerweile wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. „Die Menschen müssen sich fragen, ob sie eine Landwirtschaft in unserem urban geprägten Raum wollen oder eben nicht“, so Dahlmann. Ohne ein stimmiges Konzept müssten künftig viele Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden, da die heimischen Erzeuger unter den Bedingungen kaum noch finanziellen Spielraum hätten.

Ein großes Problem sei für sie unter anderem der Rückgang von landwirtschaftlichen Flächen durch Bauprojekte auf der grünen Wiese. „Wir haben in den letzten 30 Jahren ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen verloren und wenn es so weitergeht, ist in den kommenden Jahrzehnten nichts mehr übrig“, sagt Landwirt Carsten Bröcker.

Die zunehmende Flächenversiegelung fördere wiederum den Klimawandel, der den Landwirten ebenfalls schwer zu schaffen mache. „Wir haben jetzt im dritten Jahr in Folge mit massiver Dürre zu kämpfen“, berichtet Martin Dahlmann. Viele Betriebe müssten erneut Futter hinzukaufen, was bei 200 Tieren Mehrkosten zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Jahr ausmachen könne. „Das können sich die Betreiber nicht mehr lange leisten“, sagt Dahlmann.

Zu allem Überfluss habe Corona die Lieferketten zusammenbrechen lassen, so dass der Export stark eingebrochen sei. Der Warenüberschuss auf dem Binnenmarkt habe die Preise absinken lassen. „Durch die Restaurantschließungen ist außerdem der Absatz von Rindfleisch stark eingebrochen“, sagt Carsten Bröcker.

Ein Silberstreif am Horizont ist für Bröcker die coronabedingt starke Nachfrage bei der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte in den Hofläden. „Das zeigt doch, dass die Menschen gerade in einer Krise auf die Landwirtschaft angewiesen sind“, betont auch Landwirt Tim Neues. Wichtig seien jetzt pragmatische und konstruktive Lösungen, bei denen sich die Landwirte die Unterstützung der Politik erhoffen. Ein Beispiel dafür wären Ausgleichsmaßnahmen bei Bauprojekten.

Grundsätzlich wünschen sich die Landwirte ein stärkeres Bewusstsein der Verbraucher für die Qualität ihrer Produkte. Bröcker: „Wenn jeder Bürger nur 50 Euro mehr im Monat für Lebensmittel ausgeben würde, wäre der deutschen Landwirtschaft sehr geholfen.“

Wer beim Einkauf auf regionale und saisonale Lebensmittel setzt, liegt im Trend. Frischer als im Hofladen beim Bauern geht es kaum. Dort werden die Produkte produziert, lange Wege sind überflüssig und im besten Fall erhält man dort auch gesunde, nachhaltig produzierte Lebensmittel. Wem der Weg zum nächsten Bauern zu weit ist, kann sich in einem der vielen Bioläden im Bergischen versorgen.

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