Solinger Wahrzeichen

Balkhauser Kotten öffnet erst im Herbst 2023

Das Wasserrad am Kotten wird ausgetauscht.
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Das Wasserrad am Kotten wird ausgetauscht.

Der Betreiberverein sucht neue Kustoden, die den Alltagsbetrieb im Museum unterstützen.

Von Philipp Müller

Solingen. Ein Schild außen am Balkhauser Kotten weist auf die Unterstützung der NRW-Stiftung für das Museum hin. Die wird in den kommenden rund zwölf Monaten auch gebraucht. Denn nun steht fest: Der Kotten wird nach der Flutkatastrophe aus dem Juli des Vorjahres an vielen Stellen von Grund auf saniert. Im Balkhauser Museum verzögert sich die Eröffnung der Ausstellungsflächen damit um mindestens ein halbes Jahr, ursprünglich war an einen Neustart zur Jahreswende gedacht worden.

Die Gründe für die längere Sanierungsfrist sind vielfältig, wie Nicole Molinari berichtet. Molinari ist die Vorsitzende des Kuratoriums Balkhauser Kotten, der als Verein organisiert ist. Der Kotten selbst gehört der Stadt Solingen. Zwischen Stadt und Kuratorium mussten zuletzt die Grundzüge für die Sanierung besprochen werden.

Nicole Molinari zeigt eine Bausünde: Falsche Farbe auf den Balken.

Molinari, die selbst viele Gutachten als Sachverständige entlang der Flutgebiete aus dem Juli 2021 anfertigte, hat die Bauplanung übernommen. Um keine Interessenkonflikte aufkommen zu lassen, arbeitet sie eng mit einem weiteren Sachverständigen zusammen, der das Gebäude bereits begutachtet hat und den Umfang der Arbeiten mit Molinari und der Stadt durchgesprochen hat.

Anfang Oktober kommen Gerüstbauer, Sanierung startet

Zu tun gibt es viel, denn es habe sich gezeigt, dass nicht nur die Flut Schäden am Gebäude verursacht hat. Nicole Molinari weist auf die Balken hin. Sie sind von außen – wie die Gefache auch – vor Jahrzehnten mit Kunststoff-Farben gestrichen worden: Die Folgen sind sicht- und hörbar. Hohlräume haben sich unter der Farbe gebildet, es bröckelt. Und einige Balken sind bereits zu Staub zerfallen. Das muss alles getauscht werden. Anfang Oktober wird der Kotten eingerüstet. Eine Fachfirma trägt die Farben ab, der Sachverständige entscheidet mit, welche Balken erneuert werden müssen. Nur um einen Meter Farbe von einem Balken gründlich zu entfernen, werden viele Stunden Zeit vergehen.

Innen ist alles Baustelle. Das Museum erhält ein neues Konzept.

Die Stadt habe sich dazu entschlossen, den Kotten gründlich zu sanieren, erzählt die Kuratoriumsvorsitzende. So wird von einer Ölheizung auf eine solche mit Wärmepumpe umgestellt. „Die Stadt lässt sich hier nicht lumpen“, sagt Molinari. Am Ende soll das Gebäude für die kommenden Jahrzehnte in Schuss gebracht werden.

Doch nicht nur das Museum muss nach der Flut aus dem Juli neu aufgestellt erden. Die bisherigen Kustoden, Familie Müller, haben sich anders orientiert, konnten sie das Haus lange nicht mehr selbst bewohnen. Nun sucht der Kottenverein wieder engagierte Menschen, die im Kotten leben und auch arbeiten wollen. Zugleich sollen sie das Museum an den Öffnungstagen betreuen. Molinari lockt mit dieser Nachricht: Auch das Obergeschoss mit der Wohnung werde kernsaniert. Und damit sei nicht nur ein neues Bad gemeint.

Das Museum erhält ein neues Konzept, der Landschaftsverband Rheinland hatte dazu zuletzt 25 000 Euro bewilligt. So soll es neben der Geschichte des Kottens und der Produktion von Stahlwaren an der Wupper auch um gesellschaftliche und soziale Fragestellungen geben. Etwa der, wie die Rolle von Solingens Wahrzeichen, der Lieferfrau, zu bewerten ist. Ein behindertengerechtes WC wird eingebaut, das Museumscafé erhält teilweise Glaswände, hinter denen die Struktur der Gefache zu sehen sein wird. Auch der wasserführende Obergraben nebst Wasserrad soll zur Eröffnung im kommenden Jahr wieder funktionstüchtig sein. Da kommt die NRW-Stiftung ins Spiel.

Der Kotten, die Katastrophen und der Grünkohltag

Geschichte: Eine erste urkundliche Erwähnung des Kottens gibt es aus dem Jahr 1504.

Katastrophen: Um 1830 brannte der Innenkotten ab, 1854 der Außenkotten. 1969 kam es zu einem erneuten Brand. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 wurde das Gelände des Balkhauser Kottens völlig überspült. Im Kotten selbst stand das Wasser rund
1,80 Meter hoch. Viele Freiwillige entsorgten in den Folgetagen den Schlamm und sicherten Ausstellungsgegenstände. Die Schäden wurden auf eine Million Euro taxiert.

Grünkohltag: Trotz Sanierung will das Kuratorium Balkhauser Kotten am Sonntag, 6. November, wieder zur Traditionsveranstaltung einladen. Dann kann das Haus besichtigt werden.

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