Regelmäßiger Problemfall

Bahn prüft Einsatzzug am Hauptbahnhof für die S 1

Die S 1 ist ein regelmäßiger Problemfall im S-Bahn-Netz des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Oft erreicht sie den Solinger Hauptbahnhof nicht.
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Die S 1 ist ein regelmäßiger Problemfall im S-Bahn-Netz des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Oft erreicht sie den Solinger Hauptbahnhof nicht.

Stadt fordert am Hauptbahnhof einen stationierten Zug, der Ausfälle auffangen soll.

Von Andreas Tews

Solingen. Die vielen Verspätungen und Zugausfälle auf der S-Bahnlinie S 1 sollen ein Ende haben. Dies fordert nicht nur der Solinger Stadtrat. Auch die Deutsche Bahn (DB) und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) untersuchen nach eigenen Angaben derzeit, welche Verbesserungen möglich sind. Eine Rolle spielt dabei ein Einsatzzug, der mit Personal am Solinger Hauptbahnhof stationiert wird, berichtet ein DB-Sprecher auf Anfrage.

Die S 1 ist eine der störanfälligsten Schienen-Nahverkehrslinien in Nordrhein-Westfalen. Darunter leiden in erster Linie Pendler und Reisende aus Solingen und Umgebung. Immer wieder fallen hier Züge aus oder erreichen den Hauptbahnhof in Ohligs nur mit Verspätung (siehe unten).

Auf Antrag der Grünen hat der Rat Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und die Solinger Politiker in den VRR-Gremien beauftragt, sich für einen Einsatzzug einzusetzen. Demnach soll in den Hauptverkehrszeiten am Hauptbahnhof ein S-Bahn-Zugpaar samt Personal fest stationiert werden. Der Zug soll zum Einsatz kommen, wenn aus Düsseldorf kommende Bahnen wegen ihrer Verspätung in der Landeshauptstadt oder in Hilden umdrehen und somit Solingen nicht mehr erreichen. Der Einsatzzug soll für mehr Verlässlichkeit für die Pendler sorgen, die in Solingen in die S-Bahn in Richtung Düsseldorf, Duisburg und Dortmund steigen wollen.

„Das Prinzip der Gewinnmaximierung ist im ÖPNV nicht angebracht.“

Richard Schmidt (SPD)

Mit konkreten Reaktionen hält man sich bei der Bahn und beim Verkehrsverbund zwar noch bedeckt. Es gibt aber Andeutungen, die Hoffnung machen. „Wir sind intern in Abstimmungen – unter anderem auch mit dem VRR –, wie die betriebliche Situation verbessert werden kann und auch die Anbindung Solingen-Hauptbahnhof stabilisiert wird. Auch der künftige Standort von betrieblichen Reservefahrzeugen spielt bei diesen Überlegungen eine Rolle“, berichtet der Bahnsprecher. VRR-Sprecher Dino Niemann bestätigt Gespräche mit dem Ziel, die Betriebsqualität der S 1 im Bereich Solingen zu verbessern.

Dafür sei es höchste Zeit, kritisierte im Stadtrat Richard Schmidt für die SPD-Fraktion. Er sprach von einem „jahrelangen Leiden“ der Pendlerinnen und Pendler aus Solingen. Die Ursache für die vielen Ausfälle sieht der Sozialdemokrat in den Ausschreibungsmodalitäten des VRR für regionale Bahn- und Buslinien. Wenn jeweils immer der günstigste Bieter den Zuschlag erhalte, biete dies keinen Spielraum für Reserven. Gewinnmaximierung sei im Öffentlichen Personennahverkehr aber nicht angebracht.

Schmidt mahnte ein grundlegendes Umdenken an. Der geforderte Ersatzzug wäre aus seiner Sicht eine Rückkehr zu Zuständen, in denen eine verlässliche Eisenbahnverbindung noch als Daseinsvorsorge gegolten habe. Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Verkehrspolitiker Leon Kröck. Er war zur betreffenden Ratssitzung passenderweise zu spät gekommen, weil die S 1 ausgefallen war.

Jürgen Albermann (FDP) gab zu Bedenken, dass die angestrebte Verkehrswende viele Puzzleteile habe. Die S-Bahn nach Düsseldorf sei für Solingen ein wichtiges Puzzleteil. Darum bezeichnete er den Antrag, der bei den Grünen aus den Reihen des Parteinachwuchses gekommen war, als vernünftig.

OB Kurzbach betonte nach der Abstimmung, dass sich nicht nur das Rathaus für Verbesserungen bei der S 1 einsetzen müsse. Dies gelte auch für die Politiker, die der Stadtrat in die Gremien des VRR entsendet habe. „Und auch im Landtag müssen wir dafür kämpfen“, sagte Kurzbach mit Blick auf die Solinger Abgeordneten dort.  

Probleme bei der S-Bahn

S 1: Betreiberin der S-Bahn 1 ist die Deutsche Bahn. Sie fährt von Solingen über Düsseldorf und Duisburg nach Dortmund.

Ausfälle: Auf diesem langen Zugweg fährt die S 1 seit der Einführung 2009 regelmäßig viele Verspätungen ein. Damit diese sich nicht aufschaukeln, kehren von Dortmund kommende Züge oft in Düsseldorf oder Hilden um.

Änderung: Seit 2020 fahren nicht mehr alle Züge die gesamte Strecke durch. Die Teilung in Duisburg brachte aber nicht den erhofften Effekt.

Standpunkt von Andreas Tews: Herumgedoktert

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Seit die alte S 7 zum Düsseldorfer Flughafen abgeschafft wurde und stattdessen die S 1 den Solinger Hauptbahnhof mit der Landeshauptstadt verbindet, ist dieses Angebot des öffentlichen Schienenpersonenverkehrs ein Ärgernis. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht mindestens einige Bahnen wegen zu großer Verspätung in Hilden umdrehen. Die Ursache: Weil die S 1 eine sehr lange Strecke nach Dortmund zurücklegt, schaukeln sich auf den stark ausgelasteten Gleisen im Raum Düsseldorf und im Ruhrgebiet Verspätungen auf.

Doch obwohl dies seit Jahren bekannt ist, wurde nichts Grundlegendes verändert. An der S 1 wurde immer nur herumgedoktert – unter anderem mit einer Teil-Kappung der Linie in Duisburg. Geholfen hat dies nicht. Auch durch einen Einsatzzug am Solinger Hauptbahnhof wären die Ursachen nicht beseitigt. Was hilft, ist eine S-Bahn-Linie, die zwischen Solingen und Düsseldorf pendelt. Damit darf der VRR nicht bis 2031 warten, wenn der Vertrag mit der DB über die S 1 endet.

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