CDU und Grüne sorgen sich um Nümmener Bach

Bäche in Solingen trocknen immer häufiger aus

Der Nümmener Bach (links im Geländeeinschnitt zwischen den Bäumen) ist ausgetrocknet. Dadurch verlanden auch die Dycker Teiche (unten). Jetzt wird geprüft, ob sich das benachbarte Gewerbegebiet (rechts) negativ auf die Gewässer auswirkt. Foto:
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Der Nümmener Bach (links im Geländeeinschnitt zwischen den Bäumen) ist ausgetrocknet. Dadurch verlanden auch die Dycker Teiche (unten). Jetzt wird geprüft, ob sich das benachbarte Gewerbegebiet (rechts) negativ auf die Gewässer auswirkt.

Die Fließgewässer in Solingen führen immer weniger Wasser. Untersucht wird jetzt der Nümmener Bach.

Solingen. Immer häufiger und für immer längere Zeit fallen viele der Solinger Bäche trocken. Dies sei zum Beispiel in der Ohligser Heide zu beobachten. Im vergangenen Jahr führten die Gewässer dort fast sieben Monate lang – vom 25. April bis 16. November – kein Wasser. In vielen anderen Stadtteilen sehe dies ähnlich aus, teilte die Untere Wasserbehörde auf Anfrage der CDU in Gräfrath mit.

Die Christdemokraten und die Grünen dort sorgen sich um den Nümmener Bach. Der führe im Oberlauf seit längerer Zeit kein Wasser mehr, obwohl die Quelle im Bereich Heider Hof noch sprudele, wie Grünen-Politikerin Monika Tönnies berichtete. „Von einem Bach kann man dort kaum noch reden“, beschreibt Thomas Braun (CDU). Die stellvertretende Gräfrather Bezirksbürgermeisterin Ruth Fischer-Bieniek (Grüne) hat beobachtet, dass der Bach sogar wenige Tage nach dem Starkregen Mitte Juli schon wieder komplett trocken gewesen sei. Durch die fehlende Wasserzufuhr trocknen allmählich auch die Dycker Teiche aus – und fallen damit als Laichplätze für Frösche weg.

Die Ursachen für diese Entwicklung soll die Stadtverwaltung jetzt auf Antrag der Grünen genauer untersuchen. Geklärt werden soll dabei auch, ob sich das benachbarte Gewerbegebiet Dycker Feld und die neue Wohnsiedlung Fritz-Gräbe-Straße nachteilig auf den Bach auswirken. Dies hat das Rathaus in den zwei Wochen, seitdem die Anfrage in der Bezirksvertretung einstimmig beschlossen wurde, laut Sprecher Daniel Hadrys noch nicht bewerten können.

Stadtverwaltung: „Die Folgen des Klimawandels werden immer greifbarer.“

Es liegt aber bereits die Antwort auf eine CDU-Anfrage vom April vor. Darin heißt es, dass es sich aus Sicht der Unteren Wasserbehörde beim Austrocknen der Bäche um ein allgemeines Phänomen handele. Hadrys: „Die Folgen des Klimawandels werden immer greifbarer.“ Selbst in den stark wasserführenden Bächen mache sich im Sommer ein Rückgang der Wassermengen bemerkbar. Zudem beginnen die Trockenphasen immer früher – oft bereits im Frühjahr.

Am Nümmener Bach sei bei der bisher letzten Kontrolle der Unteren Wasserbehörde im April 2019 noch eine ausreichende Wassermenge festgestellt worden. Allerdings seien danach die beiden Jahre 2019 und 2020 extrem trocken ausgefallen. Zu dem benachbarten neuen Wohngebiet berichtet die Fachverwaltung des Rathauses, dass das Wasser dort in einem Trennsystem abgeleitet werde. Für das von den Dachflächen und den befestigten Straßen kommende Niederschlagswasser bedeute dies, dass es über Mulden dem Nümmener Bach zugeführt werde. Nach Rathausangaben könne man dort für den Bach nicht mehr tun.

Mit dieser Antwort geben sich die Grünen aber nicht zufrieden. Sie wollen die Ursachen jetzt genauer klären lassen. Es sei gut, dass Experten eine Einschätzung abgeben werden, sagt Fischer-Bieniek. Dazu wurde unter anderem der Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper, Dr. Jan Boomers, zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Gräfrath eingeladen. Für eine aktuelle Stellungnahme war Boomers gestern nicht zu erreichen.

Tönnies fordert häufigere Gewässerschauen

Trotz der Stellungnahme des Rathauses zum Neubaugebiet Fritz-Gräbe-Straße steht für Tönnies fest, dass man sich Gedanken über die Folgen von Flächenversiegelungen machen müsse. Nach der aktuellen Grünen-Anfrage muss auch genau untersucht werden, ob das Niederschlagswasser im Gewerbegebiet Dycker Feld wirklich wie vorgeschrieben dort versickert und nicht über die Kanalisation abgeleitet wird.

Um die Bäche allgemein besser im Blick zu behalten, fordert Tönnies, dass die Gewässerschauen der dafür zuständigen städtischen Kommission künftig häufiger stattfinden. Zuletzt habe man pro Jahr zwei bis drei Bäche besichtigt. Während der Pandemie sei dies völlig eingeschlafen.

Gewässerschauen

Behörde: Zu Gewässerschauen lädt die Untere Wasserbehörde ein. Sie sollen regelmäßig stattfinden.

Aufgaben: Bei den Terminen wird untersucht, ob das Gewässer ordnungsgemäß unterhalten und gepflegt wird und ob das Wasser störungsfrei abfließen kann.

Teilnehmer: Eingeladen werden die Ratsfraktionen, die Presse, die Wasserverbände und die zuständigen Stadtdienste. Sachkundige Anwohner können auf Antrag teilnehmen.

Standpunkt: Ursachen erforschen

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Der Klimawandel lässt sich nicht verleugnen, seine Folgen treten – nicht nur in Form von austrocknenden Bächen – auch bei uns vor Ort immer deutlicher zu Tage. Die Menschheit hat es weltweit noch in der Hand, das Ausmaß dieser Entwicklung zu beeinflussen. Dies haben mittlerweile auf Bundesebene alle ernstzunehmenden Parteien erkannt und haben unterschiedlich ausgeprägte Ziele für ein klimaneutrales Deutschland vorgelegt. Handeln müssen wir aber auch vor Ort. Wenn jede Stadt und jeder ihrer Bewohner wirksame Konsequenzen aus den seit Jahrzehnten vorliegenden Erkenntnissen zieht, können wir die weltweite Klimakatastrophe eingrenzen. Im Hinblick auf Naturphänomene darf der Klimawandel aber nicht als Totschlagargument dafür herhalten, die Ursachenforschung einzustellen. Dies heißt für die Solinger Bäche: Sicherlich sind die Dürren der vergangenen Jahre eine Ursache dafür, dass die Gewässer austrocknen. In begründeten Fällen, wie beim Nümmener Bach, ist es aber auch wichtig, andere Einflüsse zu untersuchen. Naturschutz ist mehr als Klimaschutz allein.

Am 14. und 15. Juli gab es in Solingen ein Jahrtausendhochwasser.

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