Buch „Unter Weißen“

Autor: „Rassismus ist tief in der weißen Gesellschaft verankert“

+
Auf dem Neumarkt klagten im August 19 Bronze- und Eisenskulpturen an: „Die Wölfe sind zurück.“ Gemeint sind Faschisten und Rassisten.

Autor Mohamed Amjahid stellt sein Buch „Unter Weißen“ vor.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Rassismus sei keineswegs nur bei „rechten Glatzköpfen und AfD-Wählern“ zu finden, sondern tief in der Mitte der weißen, „privilegierten“ Gesellschaft verwurzelt, sagte Mohamed Amjahid am Dienstagabend auf dem Mühlenplatz. Der mehrfach ausgezeichnete Journalist und Autor des Buches „Unter Weißen“ war auf Einladung von Diakonie, Kommunalem Integrationszentrum und Stadtbibliothek gekommen, um mit seinem Publikum über dieses aktuelle und brisante Gesellschaftsthema zu sprechen.

Die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA schärft derzeit offensichtlich weltweit den Blick für die Diskriminierungen von Menschen, die nicht weiß sind, und ist Anlass, auch in Deutschland noch einmal genauer hinzuschauen. Mit trockenem Humor und augenzwinkernd entlarvt Amjahid, selbst marokkanischer Herkunft, in seinem Buch die selbstverständliche, unbewusste Überheblichkeit von „Biodeutschen“ gegenüber Menschen dunklerer Hautfarbe.

Spuren des Kolonialismus sind tief verankert

„Selbst diejenigen, die sich für tolerant und reflektiert halten, tappen im Alltag fast zwangsläufig unbewusst in rassistische Verhaltensweisen.“ Anekdoten wie zum Beispiel persönliche Erlebnisse als Journalist in der sogenannten „Flüchtlingskrise“ 2015, in der er aufgrund seiner optischen Erscheinung mehrfach kuriose Hilfsangebote bekommen hatte, spiegelten deutlich, wie tief die Spuren des Kolonialismus als Beginn der „weißen Überheblichkeit“ in der weißen Gesellschaft sind.

Viele waren gekommen, um Mohamed Amjahid zuzuhören. Die auf dem runden Innenhof der Clemens-Galerien auf Abstand gestellten 40 Stühle waren schnell belegt, eine Schülergruppe hatte zudem die großen Stufen am Rand belegt. „Obwohl wir durch die Pandemie noch weit vom Normalzustand entfernt sind, fanden wir es an der Zeit, dieses Thema buchstäblich in die Mitte Solingens zu holen“, sagte Wolfgang Arzt von der Diakonie als Gastgeber zu Beginn der Veranstaltung.

Eine Kunstausstellung auf dem Neumarkt war zugleich Mahnwache und Demonstration.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz wieder über 50
Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz wieder über 50
Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz wieder über 50
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare