Ausstellung

Ausstellung des Max-Leven-Zentrums erinnert an Schicksale, Opfer und Täter

Daniela Tobias (v.l.), Dr. Stephan Stracke und Dr. Horst Sassin haben die Ausstellung des Max-Leven-Zentrums mit Inhalt gefüllt. Foto: Christian Beier
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Daniela Tobias (v.l.), Dr. Stephan Stracke und Dr. Horst Sassin haben die Ausstellung des Max-Leven-Zentrums mit Inhalt gefüllt.

Das kommende Max-Leven-Zentrum zeigt im Zentrum für verfolgte Künste Lokalhistorie zur NS-Zeit.

Von Philipp Müller

Solingen. Regelmäßig wirft der Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, einen Blick in die Coronaschutzverordnung. Es sieht gut aus. Bleibt die 7-Tage-Inzidenz weiter unter 100, dann kann er das Museums ab Ende kommender Woche unter Auflagen öffnen. Terminbuchung und negativer Schnelltest werden zur vorläufigen Eintrittskarten-Voraussetzung. Dann ist im Rahmen der laufenden Ausstellung „. . . und laut zu sagen: Nein.“ auch der Teil öffentlich zu sehen, den der Verein des kommenden Max-Leven-Zentrums beigesteuert hat.

Schon im vergangenen Jahr war die dreiteilige Schau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Zentrum geplant. Damals wurde wegen der Schließung der Museen, bedingt durch die Corona-Pandemie, alles um ein Jahr verschoben – verbunden mit der Hoffnung auf Normalität. Jetzt ist die Öffnungschance da.

„Wir können im Zentrum nicht alles zeigen.“

Dr. Horst Sassin, Historiker

Daniela Tobias vom Verein Max-Leven-Zentrum und die Historiker Dr. Stephan Stracke und Dr. Horst Sassin stellten dem ST bei einem Rundgang die Idee ihres Beitrags vor. Mit 63 Wandtafeln, drei Vitrinen mit historischen Fundstücken und vor allem einer ausführlichen Internetseite zur Vertiefung wird die Zeit des Nationalsozialismus in Solingen beleuchtet. Persönlichkeiten des Schreckens, aber auch Akteure des Widerstands sind in den Mittelpunkt gerückt. Das macht die Schau gründlich. „So wird die künftige Gedenkstätte Max Leven aber nicht arbeiten“, erklärt Tobias, die das Konzept umgesetzt hatte. In der Ausstellung ginge es darum, einen Teil dessen zu präsentieren, was man mit Hilfe der Historiker und Quellen aus dem Stadtarchiv zusammengestellt hat. „Es ist dadurch alles eher komprimiert, denn wir können nicht alles zeigen“, erläutert Horst Sassin.

Die meisten Quellen zu Solingen würden sich natürlich im Stadtarchiv finden, ergänzt Stephan Stracke. Aber auch beim Landesarchiv NRW werde er immer wieder in Sachen Solinger Geschichte zur Zeit der NS-Diktatur fündig. Daniela Tobias weist auf die Struktur der Ausstellung hin. Mit roten Streifen markierte Schautafeln beleuchten den Aspekt des Widerstands gegen das Regime. Flucht, Vertreibung, Verhaftung, Ermordung und auch Euthanasie sind dabei thematisch eng miteinander verknüpft. Festgemacht wird das an Persönlichkeiten. Da taucht Dr. Emil Kronenberg auf, der die Stadtbibliothek und Volkshochschule mitgründete. Der jüdische Arzt landete im Konzentrationslager Theresienstadt und kehrte 1945 doch nach Solingen zurück und war Mitbegründer der FDP. Alleine diese erstaunliche Biografie wäre eine eigene Ausstellung wert. Wie auch die zu Ernst Walsken, der als „Moorsoldat“ im Emsland interniert war.

„Bei Führungen gibt es inhaltliche Schwerpunkte.“

Daniela Tobias, Max-Leven-Zentrum

Tobias weist daraufhin, dass die Ausstellung nicht nur ein Angebot sei, sich einen generellen Überblick über die Zeit zu verschaffen. Mittels eines QR-Codes gelangen die Besucher auf die Homepage zur Ausstellung (| Kasten). Denn so kann eine Vertiefung der Fakten erfolgen. Das gelte auch für mögliche Führungen von Schulklassen, die angeboten werden sollen. „Dazu ist es, wie bei Führungen auch, denkbar, Schwerpunkte zur Ausstellung zu bilden.“

Jürgen Kaumkötter betont, die Ausstellung ergänze durch ihre lokale Situationsschilderung, die exemplarisch für viele Orte stehe, was die Kunst in den anderen Ausstellungen aufzeige: Schicksale aus der NS-Zeit von Künstlern aus dem KZ Sachsenhausen und Biografien wie die von Boris Lurie.

Ausstellung geht digitale Wege

Zum Max-Leven-Beitrag gibt es digitale Begleiterklärungen, die über die Seite des Max-Leven-Zentrums zu erreichen sind: nein.max-leven-zantrum.de

Die beiden Teilen der Gesamtschau im Zentrum zu Boris Lurie und den Künstlern im KZ Sachsenhausen werden ebenfalls digital begleitet: https://verfolgte-kuenste.com

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