Ausstellung

„Nie waren Narkosen so sicher wie heute“

Prof. Dr. Thomas Standl, Chefarzt der Anästhesie, zeigt, wie umfangreich die Überwachung bei einer Operation ist. Foto: Christian Beier
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Prof. Dr. Thomas Standl, Chefarzt der Anästhesie, zeigt, wie umfangreich die Überwachung bei einer Operation ist.

Noch bis zum Wochenende zeigt das Klinikum die Ausstellung zu „175 Jahre Anästhesie“.

Solingen. Verglichen mit anderen medizinischen Fachrichtungen ist die Anästhesie eine sehr junge Wissenschaft. Am 16. Oktober 1846, vor genau 175 Jahren, wurde die erste Äther-Narkose von William TG Morton am Massachusetts General Hospital in Boston angewandt. Aus diesem Anlass präsentiert das Städtische Klinikum noch bis zum Ende der Woche die Ausstellung „175 Jahre Anästhesie“ im Foyer des Klinikums.

„Dann hat es noch mal etliche Jahrzehnte gedauert, bis die Anästhesie in den 1960er Jahren ein eigenes Fach wurde“, skizziert Prof. Dr. Thomas Standl, Medizinischer Direktor und Chefarzt der Anästhesie am Klinikum, die Historie seines Fachs. Die ersten Lehrstühle hatten Karl Horatz am Universitäts-Klinikum Hamburg-Eppendorf und Rudolf Frey in Mainz inne.

Die Ausstellung soll nicht nur einen Überblick über die Geschichte der Anästhesie (griechisch: Empfindungslosigkeit) bieten. Sie soll auch zeigen, auf welch hohem medizinischen Level heute gearbeitet wird. Noch bis in die 1960er Jahre war die „Schimmelbusch-Maske“, die Tüllmaske vor dem Gesicht, die dann mit Äther beträufelt wurde bis der Patient bewusstlos war, das Mittel der Wahl.

Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vollnarkose oder der Regionalanästhesie, zu der auch die Periduralanästhesie (PDA) bei Kaiserschnitten gehört. Die Sicherheit steht bei allen Methoden an oberster Stelle. Bei einer Studie vor zehn Jahren zur Sicherheit der Anästhesie, an der auch Prof. Standl mitgearbeitet hat, wurde ermittelt, dass die Todesrate bei Narkosen mit 0,4 von 100.000 Fällen extrem gering ist. „Das hat sich bis heute eher noch verbessert“, betont der Mediziner. „Noch nie war Anästhesie so sicher wie heute.“

Video-Laryngoskop gibt optischen Einblick bei Intubation

Bei Vollnarkosen werden die Patienten heute mittels Propofol zunächst in Schlaf versetzt, dann wird die Narkose intravenös oder als Gasnarkose fortgesetzt. Damit die Intubation richtig sitzt, hat das Klinikum Video-Laryngoskope, die optische Einblicke in die Atemwege geben, während der Tubus eingeführt wird. „All diese Fortschritte in der Anästhesie haben es möglich gemacht, dass auch die Chirurgie sich immer weiterentwickeln konnte“, erklärt Prof. Standl.

Während der Operation überwachen die Anästhesisten nicht nur den Kreislauf (Blutdruck und EKG) des Patienten, sondern auch die Lunge und die Sauerstoff-Sättigung des Blutes mittels Finger-Clip. Kontinuierlich geprüft wird auch die Muskel-Erschlaffung, damit es nach dem Erwachen keine Probleme beim Husten oder Schlucken gibt. Zudem kann die Tiefe des Schlafs über die Hirnströme gemessen werden. „Kein Patient muss Angst haben, während der Operation wach zu werden“, versichert der Anästhesie-Chefarzt.

Wird die Vollnarkose etwa bei Operationen von Kopf und Wirbelsäule, in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und bei Kleinkindern zwingend angewandt, so können die Patienten bei anderen OPs, etwa bei neuen Gelenken (Hüft- und Knieendoprothesen) oder kleinen gynäkologischen Eingriffen auch die Regionalanästhesie wählen. Nach dem Gespräch mit dem Chirurgen steht vor jeder Operation ein Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten. Wie präzise heute Narkosen sind, zeigt Prof. Standls Antwort auf die häufige Frage ,Wie lange schlafe ich?‘ Antwort: „Fünf Minuten länger als die OP dauert.“

175 Jahre Anästhesie, Klinikum, Gotenstraße 1, EG, Foyer, Einlass gemäß 3G-Regeln.

Anästhesie

Narkose: Im Städtischen Klinikum werden pro Jahr etwa 12.000 Narkosen verabreicht.

Klinik für Anästhesie: 40 Mediziner-Stellen sind mit 55 Ärztinnen und Ärzten besetzt. Zudem gibt es ebenso viele Fach-Pflegekräfte.

Aufgaben: Neben der Betreuung der neun OP-Säle gehören Geburtshilfe, Notarzt-Dienste, Palliativstation und Operative Intensivstation zu den Aufgabengebieten der Anästhesie-Klinik.

Angstpatienten können sich unter Vollnarkose Zähne ziehen lassen.

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