Diskussion über Zukunft

Solinger Theater ist unterfinanziert

Archivfoto: Tim Oelbermann
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In Solingen sinkt die Zahl der Besucher des Theaters.

Kulturpolitiker ringen um den richtigen Weg, mehr Fördermittel zu beantragen.

Von Philipp Müller

Solingen. Zusammen mit Margitta Romagno (CDU) wurde der grüne Politiker Reiner Daams als neues Mitglied im Ausschuss für Kultur, Stadtmarketing und Tourismus vom Ausschussvorsitzenden Sebastian Haug (CDU) vereidigt. Beide sind als „sachkundige Bürger“ für ihre Fraktionen aktiv. Und der im kommunalen Politikbetrieb und auf Landesebene versierte Reiner Daams brachte frischen Schwung in die Kultur-Debatten.

Das Theater ist heute total unterfinanziert.

Reiner Daams, Grüne

Bei verschiedenen Punkten der Tagesordnung ging es um die Zukunft des Theater und Konzerthauses. Mit einem Vortrag, den er schon bei der „Theaterwerkstatt“ des Kulturmanagements gehalten hatte, blickte der Solinger Kulturmacher Andreas Schäfer auf die Geschichte des Hauses zurück. 1946 nach dem Krieg wurde der Kulturbetrieb in der alten Stadthalle neu aufgenommen.

Theater und Konzerthaus schließt zwischen Juli und November.

Zugleich gründete sich die Volksbühne, um auch der Arbeiterklasse Zugang zum Kulturtempel zu machen. Bis 1955 habe die Stadt ein eigenes Theaterensemble gehabt, es zugunsten des Orchesters aber aufgegeben. Das habe Nachwirkungen bis heute. Im Theaterbereich sei der Haushaltsansatz in den vergangenen Jahrzehnten sehr weit nach unten gefahren worden. Mit dem Verzicht der Stadt ab 1992, der Volksbühne Zuschüsse zu geben, habe sich die Institution auflösen müssen. In der Spitze in den 1960er Jahren habe fast jeder zehnte Solinger ein Abo für das Haus besessen. In anderen Metropolen mit eigenem Ensemble wachse die Zahl der Besucher, in Solingen sinke sie spürbar.

Dem widersprach niemand. Reiner Daams, der auch Vorsitzender des Vereins des Chors der Bergischen Symphoniker ist, merkte an: „Das Theater ist heute total unterfinanziert.“ Auch dem widersprach niemand. Kulturdezernentin Dagmar Becker (Grüne) verwies auf die Tatsache, dass auf Landesebene immer mehr Geld in den Kulturbetrieb gepumpt werde, aber leider an Solingen vorbei, weil es kein städtisches Ensemble mehr gibt. Das beklage sie an höherer Stelle immer wieder als Ungerechtigkeit. Wichtig seien daher Drittmittel aus Fördertöpfen.

Wie man an diesen kommt, soll verbessert werden. Im Rahmen der Haushaltsberatungen im Ausschuss legte die SPD einen Antrag vor, zunächst zu untersuchen, wie das für den gesamten Solinger Kulturbetrieb organisiert werden kann. Das geht den Grünen nicht weit genug. Sie forderten in einem Antrag, in der Verwaltung eine Stelle zu schaffen, die sich ausschließlich um die „Fördermittelakquise Kultur“ kümmert. CDU, Grüne sowie die Linke/Die Partei stimmten mit neun Stimmen zu, die anderen acht Ausschussmitglieder enthielten sich. Der Antrag geht jetzt in die Haushaltsklausur des Finanzausschusses zur endgültigen Beratung und Abstimmung.

Konkurrenz könnte aus Sicht der Fraktion Linke/Die Partei für das Theater und Konzerthaus durch die neue Arena Bergisch Land entstehen. Sie wollte von der Verwaltung dazu eine Einschätzung wissen. Dezernentin Becker erklärte, das könne sie „aus der Hüfte nicht beantworten“, da die Kulturverwaltung das Arena-Gutachten nicht kenne.

Dezernentin: Konzertsaal und BHC-Arena sind keine Konkurrenten

Sie selbst kennt es allerdings als gleichzeitig amtierende Sportdezernentin genau, denn in der Arena soll auch der Handballbundesligist Bergischer HC seine Spiele austragen. Becker verwies darauf, die Halle sei viel größer als der Konzertsaal. Sie sehe keine Konkurrenz, höchstens für die jährliche Autoschau oder den Karneval.

Haushalt soll Fördermittel stützen

In der Haushaltsklausur des Finanzausschusses am 13. Dezember steht ein Antrag der Fraktion der Grünen zur Abstimmung. Darin fordern sie, ab dem Haushaltsjahr 2022 jährlich 50 000 Euro „Komplementärmittel“ für den Kulturbereich einzustellen. Hintergrund: Beantragt die Stadt Solingen etwa beim Land NRW einen Zuschuss für ein Projekt im Kulturbereich, so sind in aller Regel Eigenmittel für das Vorhaben auszuweisen. Das soll der neue Topf, den die Grünen wünschen, erleichtern.

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