Rüden, Wupperhof, Müngsten und Unterburg sind schwer getroffen

Ausmaß der Hochwasserschäden in Solingen wird deutlich

Bilder aus Rüden zeigen, mit welcher Wucht und Kraft die Wupper meterhoch ab Mittwoch durch das Tal geschossen ist. Die Fußgängerbrücke am Obenrüdener Kotten wurde abgerissen – und landete einige Hundert Meter weiter an der Uferböschung der Wupper als großes Trümmerstück. Fotos: Michael Schütz
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Bilder aus Rüden zeigen, mit welcher Wucht und Kraft die Wupper meterhoch ab Mittwoch durch das Tal geschossen ist. Die Fußgängerbrücke am Obenrüdener Kotten wurde abgerissen – und landete einige Hundert Meter weiter an der Uferböschung der Wupper als großes Trümmerstück.

Gastronomie an der Wupper ist schwer gebeutelt - Schlossbauverein kann historische Möbel retten

Solingen. Immer mehr Hochwasserschäden zeigen sich am fünften Tag nach der Wupperflut und der des Eschbachs. An der Wupper befinden sich viele Ausflugslokale, die unterschiedliche lange, meist aber über Wochen nicht werden öffnen können.

Rüden: In Rüden stand die Wupper teilweise 100 Meter in den Wiesen. Die einzelnen Hofschaften von Obenrüden bis Friedrichstal sind davon stark betroffen. Die Wupper hatte mit aller Gewalt zugeschlagen. Die Fußgängerbrücke am Obenrüdener Kotten hielt den Wassermassen nicht stand – sie liegt einige Hundert Meter weiter als langes Trümmerstück in der Wupperböschung.

Petra Meis betreibt das Haus Rüdenstein. Der Familienbetrieb habe sehr viel Glück gehabt. Nur zwei Zentimeter hätten gefehlt und das Haus Rüdenstein könnte an eine Öffnung am Wochenende gar nicht denken. Am Untenrüdener Kotten sind die Schäden größer. Das Haus von Familie Zinsenheim beispielsweise stand 1,30 Meter unter Wasser.

Wupperhof: Gerade erst hatte das Landhaus Ferres am Wupperhof nach der Corona-Schließung wieder geöffnet. Ob das Traditionshaus überhaupt jemals wieder öffnet, ist aber völlig ungewiss. Herbert Ferres berichtet, dass das Haus stark beschädigt sei, die Wupper habe eine hintere Hauswand teilweise herausgerissen. Das Jahrhunderte alte Fachwerkhaus ist dadurch jetzt unbewohnbar. Er selbst und seine Lebenspartnerin entgingen der Flut nur in letzter Sekunde mit Hilfe der Feuerwehr. „Wir wurden um 1 Uhr nachts mit Seilen aus dem Haus gerettet. Das Wasser kam plötzlich von überall.“

Müngsten: Beunruhigende Meldungen kamen aus dem Haus Müngsten. „Es ist viel schlimmer als gedacht“, schilderte Geschäftsleiterin Sabine Groß, nachdem sie zusammen mit Helfern den inzwischen leergepumpten Keller des Gebäudes besichtigt hat. Die Elektro- und Serverschränke seien dort so zusammengedrückt worden, dass sie nach ihren Schilderungen wie ein „zusammengeschmolzener Haufen“ wirken. Auch die sanitären Einrichtungen, Aufzugschächte samt Steuerung und viele Türen seien beschädigt worden. Groß´ Fazit: „Wann wir wieder öffnen können, ist nicht sicher.“

Von daher ist auch nicht klar, ob der Brückensteig an der Müngstener Brücke wie geplant am 1. August geöffnet werden kann. Die Betreiber haben im 2. Obergeschoss von Haus Müngsten Räume angemietet und sind darauf angewiesen, dass das Haus betreten werden kann und dass die Stromversorgung funktioniert. Gottfried Engendahl von der Betreiberfirma will sich heute dazu äußern.

„Schwer erwischt“ hat es laut Sabine Groß im Brückenpark auch die Schwebefähre, mit der Besucher über die Wupper fahren können. Wie lange eine Reparatur dort dauern werde, sei „völlig ungewiss“.

Unterburg: Eine Öffnung der Gastronomie ist dort überhaupt nicht in Sicht. Beispielsweise in den Wupperterrassen und im Café Meyer Stand das Wasser bis zur Decke der unteren Etage. Dort ist alle Technik Opfer der Fluten geworden. Glück im Unglück hatte der Schlossbauverein. Dieser hat Inventar wie alte Möbel, das in Oberburg keinen Platz findet, in einem Lager in Unterburg eingelagert. „Das meiste werden wir retten können“, sagte Tobias Millard vom Schlossbauverein gestern auf ST-Anfrage. In dem Raum habe das Wasser rund 50 Zentimeter hoch gestanden. Zerstört worden seien die Weihnachtsbeleuchtung sowie einfache Regale. Antiquitäten seien erhöht gelagert und nicht betroffen. Mitarbeiter räumten kaputtes Inventar gestern für die Sperrmüllabfuhr nach draußen. Für das Lager habe man zum Glück einen Bautrockner organisieren können, sagte Millard.

Caritas: Der Caritasverband Wuppertal-Solingen hilft seit Samstag und noch bis Freitag in Unterburg. Drei Teams seien täglich von 9 bis 17 Uhr vor Ort, berichtet Pressesprecherin Susanne Bossy. So habe die Caritas jeweils eine Versorgungsstation gegenüber der Seilbahn-Station sowie in der Ortsmitte an der Eschbachstraße aufgebaut. „Dort bekommen die vom Hochwasser betroffenen Unterburger und die Helfer Essen, Getränke und Hygieneartikel.“ Zudem sei ein Kleinbus mit Internetanschluss da, um Hilfsangebote zu organisieren. Zwei weitere Mitarbeiter seien in Unterburg unterwegs, um Bürger direkt anzusprechen und Unterstützung anzubieten.

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Unterburg: 20 Prozent der Solinger Jahresmenge an Sperrgut

Sperrung: Unterburg bliebt für den Individualverkehr gesperrt, da immer noch zahlreiche Fahrzeuge der Technischen Betriebe und der Netze Solingen im pausenlosen Einsatz sind, teilte die Stadt mit.

Einfahrverbot: Das gilt auch für Handwerksbetriebe, die mit Reparaturarbeiten beginnen wollen. Ausnahme: Elektroinstallateure, die Hausanschlüsse wieder in Betrieb nehmen wollen.

Prüfung: Ab heute beurteilt die Stadt täglich nach dem Fortschritt der Aufräumungsarbeiten, wie viel Pkw- und Lkw-Verkehr in den Stadtteil hinein gelassen werden kann.

Müllmassen: Allein am Samstag hat der TBS eine Sperrgutmenge aus Unterburg abgeholt, die zehn Prozent der Jahresmenge an Sperrgut in ganz Solingen entspricht. Etwa genau so viel, schätzt Teilbetriebsleiter Wulf Riedel, werde noch einmal aus Unterburg zu entsorgen sein.

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