Fichtensterben

Aufforstung als Chance für den Wald

Das Fichtensterben ist besonders rund um die Müngstener Brücke zu erkennen. Foto: Tim Oelbermann
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Das Fichtensterben ist besonders rund um die Müngstener Brücke zu erkennen.

Abgestorbene Fichten werden durch Eichen- und Buchenbestände ersetzt.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Besorgt blickt ST-Leser Herbert Fahrenkrog beim täglichen Spaziergang mit seiner Hündin auf die kahlen Flächen, die den Blick auf die Müngstener Brücke freigeben. „Alles abgestorben“, meint er kopfschüttelnd und deutet auf die Handvoll Fichten. Dünn und karg ragen die sonst prächtigen Riesen in den schiefergrauen Himmel. „Ich beobachte schon seit einiger Zeit, dass Fichten in unseren Wäldern absterben“, erzählt der Solinger. Das Fichtensterben habe vor einiger Zeit eingesetzt, da die Bäume krank seien.

Matthias Käsbach kennt das Problem: Auf dem Grundstück seines Großonkels zwischen Schaberg und Müngsten stünden ebenfalls absterbende, weil von Borkenkäfern befallen, Bäume. „Die Bäume wurden vor mehr als 60 Jahren angepflanzt“, berichtet der junge Mann. Als Biologe hat Käsbach ein besonderes Auge, beschäftigt sich beruflich wie privat mit Monokulturen, Baumbeständen und Landwirtschaft. Dass die Fichten vom Borkenkäfer befallen sind, ist nichts Ungewöhnliches. „Das fing vor etwa drei Jahren an. Als die ersten heißen Sommer einsetzten und die Bäume wegen der Trockenheit kaum noch mit Wasser versorgt werden konnten.“

Trockenheit sorgt dafür, dass Waldbestände sich verändern. Bäume und Pflanzen vertrocknen. „Da hat der Borkenkäfer natürlich leichtes Spiel“, meint Herbert Fahrenkrog. Durch die geringere Harzproduktion, die den Schädling sonst von den Fichten fernhält, seien diese ein gefundenes Fressen. „Die Merkmale eines befallenen Baumes sind recht einfach zu erkennen“, erklärt er und deutet auf ein besonders befallenes Exemplar am Waldesrand. „Zu erkennen an der zerklüfteten Rinde und den Löchern.“

Matthias Käsbach überlegt, was mit den Fichten in naher Zukunft geschehen soll. Da das Grundstück seines Großonkels im Privatbesitz ist, müssen die Abholzung und der Abtransport auf eigene Kosten erfolgen. „Da liegen wir schnell locker im fünf- bis sechsstelligen Betrag.“ Sorgen macht ihm auch, dass die Brücke, die das Areal mit der Schaberger Straße verbindet, für Transporte bis maximal 16 Tonnen ausgelegt ist. „Da darf offiziell kein schweres Gefährt herfahren.“

„Ich frage mich, wie es in Zukunft um das Thema Aufforstung bestellt ist.“
Herbert Fahrenkrog

Der finanzielle Schaden ärgert die Familie. „Was ursprünglich in den 1980er Jahren als Weihnachtsbaumgeschäft gedacht war, bis die Nordmanntanne die Fichte in deutschen Wohnzimmern ablöste, hat heute keinen Wert mehr.“ Auch für die Möbelindustrie und Handwerker seien die abgestorbenen Bäume wertlos.

Für Bäume, die auf städtischen Gebieten stehen, ist die Rechtslage bei der Abholzung eindeutig, denn hierfür ist die Stadt Solingen zuständig. Der Fichtenbestand liegt bei etwa zehn Prozent. Auf Nachfrage bei der Stadt heißt es, dass die Abteilung Wald und Landschaft des Stadtdienstes Natur und Umwelt bereits mit der Abholzung begonnen habe. Fahrenkrog macht sich Gedanken um die Grüne Lunge seiner Wahlheimat. „Ich frage mich, wie es in Zukunft um das Thema Aufforstung bestellt ist und ob dabei gezielt vorgegangen wird oder auf ein ,Mal gucken‘-Verfahren gesetzt wird.“

Rund 15 000 Buchen und Eichen wurden im Frühjahr in der Ohligser Heide, der Krüdersheide und Verlach aufgeforstet. Aktuell sei das, so Sabine Rische von der Pressestelle der Stadt Solingen, eine Fläche von rund 100 000 Quadratmetern. Und weiter: „Bevor die jungen Bäume gesetzt werden konnten, wurden die Flächen vorbereitet, Wurzelstubben abgefräst und der Boden gemulcht. Die Arbeiten wurden überwiegend vom städtischen Forstpersonal und von zwei örtlichen Forstunternehmen durchgeführt.“ Bis Herbst 2020 sollen noch 10 000 weitere Bäume in Balkhausen und an den Gräfrather Wupperhängen gesetzt werden.

Wiederaufforstung in NRW

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW bietet Städten, Kreisen und Waldbauern Unterstützung bei der Schadensbewältigung und Wiederbewaldung im Zuge der erweiterten Extremwetter-Richtlinie an. Diese sieht vor, dass Nadelwald-Schadflächen als förderfähig angesehen und mit heimischen Baumarten aufgeforstet werden.

www.land.nrw

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