ST vor Ort

„Nach.bar“ ist Wohnzimmer für Aufderhöhe

Pastorin Petra Schelkes und Pfarrer Matthias Clever haben viele Ideen für die Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath.
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Pastorin Petra Schelkes und Pfarrer Matthias Clever haben viele Ideen für die Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath.

Evangelische Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath ist eine wichtige Säule des Stadtteils.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Aufderhöhe hat viel zu bieten. Über einen Marktplatz verfügt der Stadtteil allerdings nicht. Das ist auch der Evangelischen Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath aufgefallen. „Wir wollen Begegnungen ermöglichen, ein Wohnzimmer für Aufderhöhe schaffen“, sagt Pastorin Petra Schelkes. Gelingen soll das mit „Nach.bar“. Der Treffpunkt gegenüber dem Busbahnhof hat im März den Betrieb aufgenommen – die Resonanz ist positiv.

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ST vor Ort

Es gibt einige feste Termine in dem Ladenlokal, das früher unter anderem als Gemeinde- und als Jugendbüro diente. Apfelkuchenmittwoch lautet das Motto des Nachbarschaftscafés, das immer am ersten und dritten Mittwoch des Monats stattfindet. Jeweils viermal pro Jahr gibt es Sofakonzerte und eine neue Ausgabe der Reihe „Was ich schon immer einen . . . fragen wollte“. Dabei stehen Gäste wie Richter und Ärzte Rede und Antwort.

Hinzu kommen Aktivitäten wie Nordic Walking, eine Brotzeit für Männer und das monatliche Abendmahl mit Brot, Wein, ein paar Oliven und Trauben. „Das ist das einzige erkennbar geistliche Angebot“, erklärt Pfarrer Matthias Clever. Das Thema Religion im Nach.bar eher im Hintergrund zu halten, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. „Wir möchten hier eine Basis zum Kennenlernen schaffen“, begründet Petra Schelkes. So soll es gelingen, auch Menschen zu erreichen, die keinen Bezug zur Kirche haben – weil ihr Bild von der Institution veraltet ist oder sie keine Erwartungen mehr an sie haben.

Für Matthias Clever steht das Projekt exemplarisch für einen Paradigmenwechsel. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass die Menschen die Kirche aufsuchen. Heute müsse Kirche die Menschen in ihrer Wirklichkeit abholen. Das meint der Pfarrer nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich: „Wir orientieren uns an der Lebenswelt unserer Mitglieder.“ Das Ziel sei, zu zeigen, dass Glaube und Religion viel mit dem alltäglichen Leben zu tun haben – diesen Übersetzungsprozess möchten Schelkes und Clever leisten.

Dieser Ansatz sei in der Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath nicht neu. Vielmehr sei über viele Jahre eine eigene Kultur entstanden, unter anderem geprägt durch eine lange Tradition der Jugendarbeit. Schelkes erläutert: „Dadurch erreichen wir Kontinuität. Die Mitglieder wachsen buchstäblich in die Gemeinde hinein.“

Mit ihrer Philosophie scheint die Gemeinde gut zu fahren. Die Mitgliederzahl ist in den zurückliegenden Jahren mit mehr als 2200 recht konstant geblieben. Mit großer Unterstützung der Mitglieder konnte das Gemeindezentrum Christuskirche umgebaut werden, während andernorts Gotteshäuser schließen müssen.

Der Fokus soll verstärkt auf Familien gelegt werden

Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Corona-Pandemie auch in Rupelrath Spuren hinterlassen hat. Die Angebote konnten nicht in gewohnter Form stattfinden, viel wurden ins Internet verlagert. Nun geht fast alles wieder seinen gewohnten Gang – doch sowohl bei den Teilnehmern und Besuchern als auch bei Teilen der zahlreichen Ehrenamtler sei Zurückhaltung zu spüren. Ein Beispiel: Kamen früher 80 junge Menschen zum monatlichen Kinder-Action-Samstag, sind es heute 50 bis 60. „Uns muss es gelingen, dass die Verbundenheit zur Gemeinde wieder in Präsenz mündet, um den Kern zu stärken“, gibt Matthias Clever die Marschroute vor.

Dafür haben er, Schelkes und die übrigen Aktiven viele Ideen. Ein Schwerpunkt: Familien. Kinder sollen etwa kein Hemmnis sein, die Kirche zu besuchen. Dafür gibt es im Gemeindezentrum eine Stillecke und einen Spielbereich für Kinder, in dem der Gottesdienst für die Eltern übertragen wird. Das Signal, das sich nicht auf Familien beschränkt: „Wir möchten jedem das Gefühl geben, hier einen Platz zu haben.“

Weitere Informationen zu den Angeboten im Nach.bar: www.nachbar-aufderhoehe.de

Serie

Bei der ST-Stadtteilserie steht in dieser Woche Aufderhöhe im Fokus. In der morgigen Ausgabe geht es um eine Künstleroase im Herzen des Stadtteils. Ein weiteres Thema: die Vorschläge der Politik, um das Verkehrschaos im Stadtteil zu lösen.

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