Innenstadt

Auf Kaufhof und P&C folgen in Solingen Wohnungen

Vom Fronhof aus erreichbar soll es zwischen Klosterwall und Clemens-Galerien eine Passage mit Geschäften geben. Foto: Tim Oelbermann
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Vom Fronhof aus erreichbar soll es zwischen Klosterwall und Clemens-Galerien eine Passage mit Geschäften geben.

Politik soll Montag Baurecht in der Innenstadt für City 2030 ändern – Investor legt dazu Pläne vor

Von Philipp Müller

Solingen. Statt der Gebäude von Kaufhof und P&C sollen auf dem Gelände Wohnungen und eine Ladenpassage nebst einer Tiefgarage entstehen. Dafür muss die Politik am kommenden Montag in einer gemeinsamen Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Mitte und dem Ausschuss für Städtebau, Stadtentwicklung und Digitale Infrastruktur neues Baurecht schaffen. Das soll dadurch geschehen, dass altes Recht aus den Jahren 1939 und 1955 ersatzlos aufgehoben wird und Baugenehmigungen auf Basis des Bundesbaugesetzes erteilt werden können.

Ziel sei es, berichtet die Verwaltung, dort so zu bauen, wie es das Konzept City 2030 fordere. Das alte Recht ermögliche das nicht. Entsprechend plane schon der Eigentümer der Immobilien, die Immobilien Solingen Projektgesellschaft mbH. Ihr gehören auch die Clemens-Galerien. Baupläne im Detail gibt es jedoch noch nicht, erklärt Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos). „Aber es werden dem Ausschuss und der BV aussagekräftige Entwürfe von Architekten vorgestellt werden“.

Die GmbH hatte zu Jahresbeginn den Geschäftsführer Dr. Jochen Stahl durch Jan Hendrik Hedding ersetzt. Vor Ort soll der Projektentwickler Udo Stocker aus Hamburg die Geschicke leiten. In diesem Zuge trennte sich die Projektgesellschaft vom Solinger Architekten Andreas Seidensticker, der für Stahl bereits Entwürfe erstellt hatte.

Trotzdem müssen Ausschuss und Bezirksvertretung nicht ins Blaue hinein beschließen. Denn dies ist bereits bekannt: Der Neubaukomplex wird eine Nutzfläche von 16 000 Quadratmetern erhalten. Er wird zwischen drei Geschossen zum Fronhof und Klosterwall und fünf Geschossen zur Seite der Clemens-Galerien haben. Das untere Drittel wird für Gewerbe genutzt, die oberen zwei Drittel für Wohnungen. Im Beschluss für das neue Baurecht wird als Forderung festgeschrieben, dass es eine überdachte Passage zwischen Clemens-Galerien und Klosterwall gibt. In dieser Passage soll frei zugänglich der Einzelhandel angesiedelt werden. Zudem hat der Investor angekündigt, Dienstleistungen und Gastronomie für eine Nutzung anzusprechen.

„Die Eigentümer wechselten oft, da müssen wir vorsichtig sein.“

Carsten Becker, Ausschussvorsitzender zum weiteren Vorgehen

Beim Wohnraum sind nach Angaben der Projektgesellschaft verschiedene Möglichkeiten im Gespräch. Teile könnten für betreutes Wohnen oder Pflegeeinrichtungen errichtet werden. Diese Bereiche seien planungsrechtlich als Anlage für soziale und gesundheitliche Zwecke einzustufen, erklärt die Stadt. Der Eigentümer habe erklärt, „einen Teil der allgemeinen Wohnnutzung mietgünstig“ zu bauen.

Mit dem Beschluss „zur Durchführung der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ muss sich die Projektgesellschaft noch auf zwei weitere Forderungen zur Parksituation und der Gestaltung der Dächer seitens der Stadt einstellen.

Für den Ausschussvorsitzenden, Carsten Becker (CDU), wird es damit aber nicht getan sein. Er kündigte einen Zusatzantrag der CDU für die Sitzung an. „Das ist im Grunde ein tolles Projekt, aber ohne Bebauungsplan hat die Politik keine Einflusschance mehr.“ Daher werde die Verwaltung aufgefordert, bis zum Dezember, solange dauere die Aufhebung des alten Baurechts, ständig Bericht über das Projekt zu erstatten. „Die Eigentümer haben oft gewechselt, da müssen wir vorsichtig sein.“ Hoferichter erklärt, dass er den Wunsch nach großer Transparenz erfüllen wolle.

Bauanforderung

Neben gemischter Nutzung für Wohnen und Gewerbe besteht die Stadt auf diesen Grundsätzen: „Der ruhende Verkehr ist in einer Tiefgarage unterzubringen, die an die Tiefgarage der Clemens-Galerien angeschlossen wird.“ Zudem soll dies festgelegt werden: „Die Dachflächen der geplanten Bebauung oder zumindest Teile der Dachfläche sind zu begrünen“.

Standpunkt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Die Sitzung am Montag von Städtebauausschuss und Bezirksvertretung Mitte verspricht Spannung durch gleich drei Aspekte. Auf der einen Seite wird der Investor, die Solingen Immobilien Projektgesellschaft, seine Pläne vorstellen, wie er am früheren Kaufhofstandort künftig mietgünstiges Wohnen, solches für Senioren und gewerbliche Nahversorgung und Angebote für die Innenstadtbewohner realisieren will. Spannend wird auch die Reaktion der Mitglieder des Ausschusses und der Bezirksvertretung sein. Denn Carsten Becker, Vorsitzender des Städtebauausschusses, verweist sicher völlig richtig auf die Geschichte. Clemens-Galerien, Kaufhof und P & C erhielten schon öfter neue Eigentümer. Mut macht aber aktuell, dass die Projektgesellschaft schon mehrere Jahre am Start ist – auch wenn die handelnden Personen jetzt wieder neue sind. Der dritte, und ebenfalls spannende Aspekt ist, wie das Neubauvorhaben das Konzept City 2030 befeuern kann. Die Innenstadt soll eine neue Bedeutung mit neuen Aufgaben bekommen. Das wird und soll nicht nur Wohnen sein.

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