Energiekrise

Arzt warnt: Zu kalt ist nicht gesund

Mit warmer Decke und dicken Socken kann man es sich abends auch dann gemütlich machen, wenn die Heizung und damit die Raumtemperatur um ein oder zwei Grad reduziert wird. Das deutliche Abkühlen der Räume wird aber nicht empfohlen.
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Mit warmer Decke und dicken Socken kann man es sich abends auch dann gemütlich machen, wenn die Heizung und damit die Raumtemperatur um ein oder zwei Grad reduziert wird. Das deutliche Abkühlen der Räume wird aber nicht empfohlen.

Angesichts steigender Energiekosten planen viele, beim Heizen zu sparen. Dr. Volker Spartmann erklärt, warum zu geringe Raumtemperaturen die Gesundheit gefährden können.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Wenn die Energiekosten steigen, liegt es für viele Menschen nahe, zu sparen und die Heizung runterzudrehen. Bei den momentan milden Temperaturen ist das gut vertretbar. Wenn es draußen aber kälter wird, können zu geringe Raumtemperaturen gesundheitsschädlich sein, warnt Dr. Volker Spartmann. Der Mediziner ist Chefarzt der Geriatrie in der St. Lukas Klinik und hat deshalb auch besonders ältere Menschen im Blick.

„Man sollte die Wohnraumtemperatur möglichst nicht unter 20 Grad regeln“, empfiehlt Dr. Volker Spartmann. Bei dauerhaft unter 19 Grad steige die Anfälligkeit für Erkältungen. Deshalb sei dieser Wert auch für die Klassenräume in den Schulen empfohlen. „In den vergangenen drei Jahren haben wir in den Schulen ja erlebt, dass bei längerem Stoßlüften die Temperatur im Winter schnell auch unter 15 Grad fällt und Kinder schneller krank werden“, so der Mediziner.

Die Wohlfühltemperatur in der Wohnung sei natürlich abhängig von der Aktivität. Sitzt man ruhig am Tisch oder abends vor dem Fernseher, steige das Kälteempfinden, weil die Muskeln dann nicht aktiv sind. „Die Muskeln sind unser Wärmekraftwerk“, so Spartmann. Frauen haben im Schnitt 25 Prozent, Männer etwa 40 Prozent Muskelmasse, bei Sportlern mehr. „Und weil Muskeln Wärme produzieren und in Wärme maximal leistungsfähig sind, wärmt sich auch ein Sportler vorher auf.“

Ideal sei es deshalb, die Temperatur in der Wohnung zeitlich anzupassen: kühler, wenn man etwa bei der Hausarbeit aktiv und in Bewegung ist, wärmer, wenn man abends ruhig sitzt.

Das Schlafzimmer kann ungeheizt bleiben

„Wenn der Körper nicht auf Hochtouren ist, kühlt er aus, bei 17 oder 18 Grad wird es irgendwann auch mit Decke und dicken Socken kalt“, erklärt der Mediziner. Das sei aber individuell, Menschen mit mehr Fettmasse frieren weniger. Der Schlafraum, in dem man unter dem warmen Deckbett liegt, könne hingegen auch ungeheizt bleiben.

Dr. Volker Spartmann, Chefarzt der Geriatrie in der St. Lukas Klinik.

Wichtig sei auch, durch richtiges Lüften auf die Luftfeuchtigkeit zu achten. „Nach dem Duschen im Bad beispielsweise zehn Minuten gut durchlüften, erst dann wieder heizen.“ Sonst könne, so Spartmann, Schimmel entstehen, der gesundheitsschädlich ist.

Gerade ältere Menschen mit weniger Fett- und Muskelmasse frieren auch schneller. Zudem seien sie oft immobiler. „Dann ist es auch schon beim kurzen Lüften wichtig, eine warme Jacke überzuziehen“, rät der Mediziner. Das Immunsystem, das einen gesunden jungen Menschen vor Erkältungen schützt, sei bei älteren Menschen weniger stark. Damit seien sie schneller anfällig für Erkältungskrankheiten, Bronchialinfekte, Lungenentzündungen und andere bakteriell oder durch Viren verursachte Krankheiten.

„Bei Frauen können bei Kälte vermehrt Harnwegsinfekte entstehen. Wird es kühl, versorgt der Körper zunächst die zentralen Organe mit Wärme. Der Genitalbereich und die Extremitäten kühlen dann schneller aus.“

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