Ausstellung „Zeitreise 1817 - 2022“

Art-Eck: Die Natur reist als schwarz-weißer Schatten durch die Zeit

Hiroyuko Masuyama (l.) und Dirk Balke nutzen jeden Millimeter Im Art-Eck, um die „Schattenzeichnungen“ zu präsentieren. Foto: Christian Beier
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Hiroyuko Masuyama (l.) und Dirk Balke nutzen jeden Millimeter Im Art-Eck, um die „Schattenzeichnungen“ zu präsentieren.

Nicht nur im Kunstmuseum stellt Hiroyuko Masuyama aus.

Von Philipp Müller

Solingen. Zufrieden sitzt Dirk Balke in seiner Galerie Art-Eck am Gräfrather Marktplatz. Im Kunstmuseum im ehemaligen Rathaus des Stadtteils ist die Ausstellung „Zeitreise 1817 - 2022“ gut angelaufen. Balke hat als Kurator diese Schau maßgeblich gestaltet. Aus Düsseldorf hat er den Aktions-, Foto- und Konzeptkünstler Hiroyuko Masuyama mitgebracht - beide haben ihr Atelier in der Landeshauptstadt direkt am Rhein in einem Künstlerhaus. Balke hat es allerdings zu Beginn des Jahres verlassen und arbeitet jetzt in der Nähe seiner Solinger Galerie. Auch dort zeigt er parallel zum Museum Kunst des japanischen Künstlers.

Das hat zwei Gründe. Balke gehört zum Pool der Galeristen, die den international tätigen Masuyama vertreten. Zum anderen sind die „Schattenzeichnungen“ zwar ein Beleg, wie der Künstler arbeitet, aber sie passten nicht so direkt ins Konzept der Zeitreise im Kunstmuseum.

Düsseldorfer Malschule setzte hohe Maßstäbe

Dort ist es bunt, steht die Kunst Masuyamas dort doch im Dialog zur oft düsteren Welt von Friedrich August de Leuw, dem großen Solinger Maler des 19. Jahrhunderts. Düster ist vor allem dem Wunsch des Malers geschuldet, mit gleißendem Licht Effekte zu schaffen, die berühmt für die Düsseldorfer Malschule sind. Und das verkörpere Friedrich August de Leuw ganz im künstlerischen und qualitativen Gleichklang mit den Größen der damaligen Zeit wie Andreas Achenbach und vieler anderer Künstler des Malstils.

Die Geduld, sich mit dem Motiv und dem Licht auseinanderzusetzen, ist auch bei Hiroyuko Masuyama zentrales Thema im Schaffensprozess. Auch der Einfluss der Jahreszeiten auf das Endprodukt ist ihm wichtig. Doch schlägt sich der dritte wichtige Aspekt, sich für die Ausarbeitung der Werke Zeit zu nehmen, bei Masuyama ganz anders nieder. Er erhebt die Zeit zum Thema selbst. Das ist in den Schattenzeichnungen zu sehen.

Masuyama macht die Zeit zum Mittel seiner Kunst

An verschiedenen Daten hat er scherenschnittartig aus weißem Seidenpapier die Umrisse von Pflanzen erstellt, signiert das jeweils mit dem Datum. Das wird auf schwarzer Oberfläche dicht nebeneinandergelegt. So entsteht ein Zeitraffer, den man fast wie ein Buch lesen kann. Und in der Summe entsteht eine komplexe Landschaft.

Dieses optische Sichtbarmachen der Zeitreise findet sich in allen Werken Masuyamas wieder und lädt das Auge stets aufs Neue ein, in sein künstlerisches Raumschiff einzusteigen, um durch Raum, Zeit und Natur zu reisen.

Dirk Balke ist sich ganz sicher, dass Masuyama damit international bald sehr viel Erfolg haben wird. Allein das macht ihn zufrieden. Als Galerist schaut er ausnahmsweise einmal nicht aufs Geschäft. Die im hohen vierstelligen Bereich liegenden Zeichnungen der Schattenserie werden in Solingen kein Kassenschlager werden. Aber er lädt alle Kunstinteressierten ein, mit Freude und Aufmerksamkeit in die Welt einzutauchen, die Masuyama auch als Brückenschlag zwischen der japanischen und europäischen Kunst versteht. Die Zeitreise nebst Brückenschlag ist zwischen Museum und Galerie ist noch bis zum Sonntag, 24. April möglich.

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