5000-Zuschauer-Arena soll Klingenhalle ersetzen

Arena-Pläne: Politiker in Solingen sehen noch viele offene Fragen

Nach den aktuellen Plänen könnte die Mehrzweckarena im Bereich des Fußballplatzes (vorne) neben der Klingenhalle entstehen. Foto: Christian Beier
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Nach den aktuellen Plänen könnte die Mehrzweckarena im Bereich des Fußballplatzes (vorne) neben der Klingenhalle entstehen.

Grundsätzlich ist ein Großteil der Politik für eine Mehrzweckhalle am Weyersberg, es gibt aber auch skeptische Töne.

Von Andreas Tews

Solingen. Mit einer neuen Mehrzweckarena am Weyersberg hätte der Handball-Bundesligist Bergischer HC für seine Heimspiele eine bessere wirtschaftliche und damit auch sportliche Perspektive. Aber nicht nur darum steht eine Mehrheit im Solinger Stadtrat den Plänen positiv gegenüber. Auch für die Veranstaltungsszene hoffen die Politiker auf neue Möglichkeiten. Weil sie aber auch Risiken sehen, wollen sie eine genaue Prüfung veranlassen.

Pläne: Die Stadt will die neue Mehrzweckhalle bauen. Die 5000-Zuschauer-Arena soll die Klingenhalle ersetzen. Die 20 Millionen Euro, die nach einem Gutachten für eine Sanierung der fast 50 Jahre alten Halle nötig wären, will Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) lieber in den Bau der Arena stecken. Die könnte in dem Bereich neben der Klingenhalle entstehen, wo sich jetzt ein Fußball- und ein Bolzplatz befinden. Das Klingenbad bliebe erhalten.

Pro: Grundsätzlich positiv stehen diesen Plänen die Ratsfraktionen von CDU, SPD, FDP und BfS/ABI gegenüber. Sie sehen aber noch viele offene Fragen. In der Ratssitzung am Donnerstag, 16. Dezember, wollen sie eine Art Grundsatzbeschluss fassen, mit dem die Politik die Verwaltung beauftragt, in intensive Prüfungen einzusteigen. Man dürfe das Projekt nicht isoliert betrachten und müsse den Standort mitdenken, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Flemm. Seine Fraktion habe eine Arbeitsgruppe aus Sport-, Planungs-, Verkehrs- und Stadtbezirkspolitikern gebildet. Die SPD-Fraktion will sich laut Iris Preuß-Buchholz bei ihrer Haushaltsklausur am 20. November intensiv mit den Plänen befassen. Für genaue Untersuchungen spricht sich auch FDP-Fraktionschef Jürgen Albermann aus. Jan Michael Lange (BfS/ABI) will auf Basis weiterer Gutachten intensiver diskutieren.

Skepsis: Grünen-Fraktionssprecherin Juliane Hilbricht sieht hingegen noch nicht die Zeit für einen Grundsatzbeschluss gekommen. Ihre Fraktion habe einen 20-seitigen Fragenkatalog erarbeitet. Erst wenn der beantwortet sei, könne man beschließen. Dies sei auch im Februar noch möglich. Hilbricht: „Wenn wir dem BHC eine Zusage geben, muss sie verlässlich sein.“ Diese Haltung bedeute – entgegen Äußerungen aus anderen Fraktionen – nicht, dass die Grünen die Arena verhindern wollten.

Contra: Klar gegen eine Mehrzweck-Arena positionieren sich Linke/Die Partei. Deren Sprecher Erik Pieck begründet dies vor allem mit finanziellen und verkehrstechnischen Aspekten.

Sport: Einen klaren Vorteil brächte die Arena vor allem für den BHC. Manch ein Befürworter befürchtet ein Abwandern der Bundesliga-Handballer. Für FDP-Mann Albermann böte die Arena die Chance, dem Bundesligahandball in Solingen eine dauerhafte Perspektive zu geben. CDU, SPD, FDP und BfS/ABI wollen aber auch die Vereine berücksichtigen, die derzeit die Klingenhalle und den benachbarten Sportplatz nutzen. Die Grünen sehen hier die offene Frage, wo Ersatzbauten entstehen könnten, wie viel sie kosten und welche Nutzungsgebühren die Vereine in der neuen Halle zu erwarten hätten. Pieck kritisiert zudem, dass nicht geklärt sei, wo der Schulsport der Klingenhalle künftig stattfinden solle.

Kultur: Dass mit der neuen Halle zusätzliche (Groß-)Veranstaltungen nach Solingen geholt werden, ist weitgehend unumstritten. Damit verbunden müsste laut Hilbricht aber eine neue Kulturpolitik sein.

Verkehr: Wie die Straßen rund um den Weyersberg das zusätzliche Verkehrsaufkommen bewältigen könnten, ist aus Sicht aller Fraktionen zu klären. Gleiches gilt für das Parkplatzproblem. Nicht zu vergessen sei auch der Lärm.

Finanzen: An ein Betreibermanagement der Halle dürfe man nicht „blauäugig“ herangehen, betont Flemm. Dies dürfe nicht Sache der Stadt sein. Auch Lange wirft die Frage auf, inwieweit die Stadt sich engagieren und ins finanzielle Risiko gehen solle. Pieck befürchtet städtische Subventionen für einen „privaten Handballclub“.

HSV-Handball

Einen Rückschritt brächte ein Abriss der Klingenhalle für den HSV Solingen-Gräfrath. Dessen Zweitliga-Handballerinnen tragen dort ihre Heimspiele aus. Eine Arena-Miete wäre zu teuer, andere Solinger Hallen erfüllen nicht die Kriterien des Verbandes Handball-Bundesliga Frauen, erklärte Stefan Bögel, Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH. Dies bedeute aber nicht, dass er gegen eine Arena sei. -jg-

Standpunkt: Gründlich prüfen

Ein Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Unbestritten ist der Bergische HC ein sportliches Aushängeschild für Solingen und die Region. Die Entscheider in Rathaus und Politik tun deswegen gut daran, vieles zu versuchen, um dem Handball-Bundesligisten eine zeitgemäße Heimspielstätte zu ermöglichen. Es ist wichtig, den Bergischen HC auch im Bergischen zu halten. Ein Abwandern der Handballer nach Düsseldorf – wie es manch einer befürchtet – würde keinem Beteiligten gut tun. Weder dem BHC, der seine Basis in Solingen und Wuppertal hat, noch diesen beiden Städten. Die Überlegungen zu einer neuen Arena als Ersatz für die mittlerweile fast 50 Jahre alte Klingenhalle erscheinen sinnvoll zu sein – brächten sie Solingen doch zusätzlich die lange ersehnte größere Veranstaltungshalle. Rathausspitze und Politik tragen aber nicht nur für den Spitzensport und die Veranstaltungsszene Verantwortung, sondern für die gesamte Stadt. Darum dürfen sie bei allen Chancen auch die Risiken nicht ignorieren. Wenn am Ende eines gründlichen Abwägungsprozesses eine neue Mehrzweckhalle gebaut werden kann, wäre dies gut für Solingen.

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