Kindertraum

Architekt baut seiner Tochter ein Baumhaus

Umrundet von Bäumen steht das eigens konstruierte, rund 400 Kilogramm schwere Baumhaus in einem Solinger Garten. Eine Bauanleitung ermöglicht es, das Haus nachzubauen. Foto: Helen Schiffer
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Umrundet von Bäumen steht das eigens konstruierte, rund 400 Kilogramm schwere Baumhaus in einem Solinger Garten. Eine Bauanleitung ermöglicht es, das Haus nachzubauen.

Ein selbst gebautes Baumhaus ermöglicht schöne Stunden im Freien.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Wer hätte sich das als Kind nicht gewünscht: Ein eigenes Baumhaus im Garten der Oma, um schöne Stunden in der Natur zu verbringen. Michael Schumacher, gebürtiger Solinger und Architekt in Frankfurt, hat seiner Tochter Clara diesen Traum vor etwa elf Jahren erfüllt.

Als die damals Neunjährige ihren Vater nach einem Baumhaus fragte, habe er nicht lange überlegt. „Als Architekt hatte ich genau zwei Möglichkeiten. Entweder ich vergesse, dass ich Architekt bin und hole mir ein paar Bretter im Baumarkt oder ich plane und konstruiere ein eigenes Baumhaus“, berichtet Schumacher. Er habe sich für die zweite Variante entschieden und mit seiner Tochter Skizzen auf Servietten angefertigt.

Solingen: Das Baumhaus dient als Lehrvorlage an der Universität

Entworfen und konstruiert wurde das Baumhaus dann zusammen mit einigen Praktikanten in seinem Architektenbüro in Frankfurt. Allerdings gab es einen zeitlichen Rahmen: Der Aufbau musste innerhalb einer Woche zu schaffen sein, erklärt Schumacher. Das Baumhaus hängt seitdem in einem Solinger Garten, „zwischen Bäumen, die ich selbst mit meinem Vater damals gepflanzt habe. Damals wusste ich nur nicht, dass ich 30 Jahre später einmal ein Baumhaus bauen würde“, sagt der 62-Jährige.

Das Baumhaus sei eine leichte Konstruktion, die an Stahlseilen zwischen den Bäumen gehalten wird. Auf der vier Quadratmeter großen Plattform finden drei bis vier Personen in etwa sechs Metern Höhe Platz. Eine Lkw-Plane bildet das Dach. Die Acrylglas-Fassade sorge für Stabilität und mache das Baumhaus optisch größer. Die entsprechenden Bauteile habe er beim Schreiner anfertigen lassen, berichtet Michael Schumacher.

„Das Baumhaus ist eine Bereicherung für die Bäume.“
Michael Schumacher, Architekt

Für Schumacher sei ein Baumhaus eine archaische und wundervolle Idee, es erfordere Mut, die Leiter hochzuklettern. Für ihn ist es aber keineswegs das erste Baumhaus, das er geschaffen hat. Als etwa 17-Jähriger habe er mit seinen Freunden ein Baumhaus in Ohligs gebaut, das sogar größer gewesen sei, als das seiner Tochter. Ein auf die Spitze gestellter Würfel sei das Ergebnis gewesen.

„Das war ein soziologisches Experiment“, sagt Schumacher. Denn das Baumhaus sei noch viele Jahre ein Treffpunkt gewesen. „Ich glaube, ich hatte damals schon im Hinterkopf, Architekt zu werden.“ Irgendwann, so sagt er, werde er ein drittes Baumhaus bauen.

Das Exemplar seiner Tochter diene ihm heute noch als architektonisches Beispiel an der Universität Hannover, an der er lehrt. „Ich freue mich jedes Mal, das Baumhaus zu sehen. Es ist eine Bereicherung für die Bäume“, sagt er.

Aus diesem Grund sei eine Bauanleitung zu dem Bauhaus entstanden, den Bausatz kann man beim Schreiner erwerben. „Architektur ist Baukunst, die Mutter aller Künste. Wenn meinem Kollegen und mir ein Projekt erscheint, als könnte es einen künstlerischen Aspekt erfüllen, machen wir ein Buch daraus“, berichtet Michael Schumacher.

Hintergrund

Claras Baumhaus: Das ungewöhnliche Baumhaus besteht aus wetterfest verleimten, 21 Millimeter starke Platten aus WISA Spruce. Seine hohe Steifigkeit erhält es durch die drei gleichförmigen, gebogenen Acrylglasscheiben.

Wiederverwendung: Bei Bedarf kann das Baumhaus wieder abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Kosten: Ab 8490 Euro ist das rund 400 Kilogramm schwere Baumhaus zu erwerben.

Gewicht: Das Baumhaus hat eine Nutzlast von 280 Kilogramm.

Weitere Informationen: Wissenswertes gibt es auch online. www.schreinerei-hein.de

Um besondere Konstruktionen geht es auch beim Solinger Start-Up zeltzuhause.de, das die Stuttgarter Travel Start-up Night gewonnen hat. Das junge Unternehmen vermittelt Zeltstellplätze in privaten Gärten und andere Übernachtungsmöglichkeiten an Wanderer.

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