Prinzenstraße

Die Arbeitswelt von morgen in historischen Gemäuern

Noch warten viele Herausforderungen im und rund um das historische Gebäude. Im Spätsommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
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Noch deutet wenig darauf hin, wie es im neuen Restaurant an der Prinzenstraße noch in diesem Jahr aussehen soll.

IT-Unternehmer Mirko Novakovic investiert an der Prinzenstraße in ein Restaurant und moderne Büroflächen samt Fitnessstudio.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Seine Großmutter hat an der Prinzenstraße noch Brot gekauft. Mirko Novakovic verfolgt für das ehemalige Gebäude der Konsumgenossenschaft Solidarität ganz andere Pläne. Auf 5500 Quadratmetern entstehen in der imposanten Immobilie moderne Büroflächen, ein Restaurant und ein Fitnessstudio. Acht Millionen Euro nimmt der IT-Unternehmer für das Projekt in die Hand. Der Umbau ist in vollem Gange. Novakovics Ziel: „Im Spätsommer wollen wir fertig sein.“

Mirko Novakovic plant unter anderem, die Fenster zu vergrößern. Erhalten bleibt der Industriecharme des Gebäudes.

Dann beginnt ein neues Kapitel für den geschichtsträchtigen Bau. Eingeweiht wurde er 1915. 1933 lösten die Nazis die Genossenschaft auf, nach Kriegsende startete die Bäckerei neu. Bis 1989 bewirtschaftete der Samengroßhandel Flora Frey das Gebäude, später diente es der Silag AG als Lager. 2019 hat Novakovic die Immobilie der Nivag Handelsgesellschaft abgekauft.

„Wir haben erst mal ein Jahr lang geplant“, blickt der 44-Jährige zurück. Bei dem Großprojekt setzt er auf eingespielte Partner. Dazu gehört das Architektenbüro Rotterdam Dakowski. Die Leverkusener verwirklichten bereits den Codecentric-Neubau in Ohligs. „Ansonsten probieren wir, mit möglichst vielen Solinger Firmen zusammenzuarbeiten“, betont Novakovic.

„Ein Neubau in dieser Größe würde das Doppelte kosten.“
Mirko Novakovic, IT-Unternehmer

Aufgaben gibt es im und rund um das denkmalgeschützte Gebäude an der Prinzenstraße genug. Aus Brandschutzgründen braucht es ein neues Treppenhaus, zudem ist ein Aufzug geplant. Die Arbeiter mussten das Haus ausschachten, um das feuchte Mauerwerk trockenzulegen. Im Inneren stießen sie auf asbesthaltige Baustoffe. Der Zustand aller 480 Fenster wurde dokumentiert. Eine Spezialfirma ersetzt sie originalgetreu.

Passieren soll das, wenn voraussichtlich Mitte Februar der Rohbau abgeschlossen ist. Danach geht es an die Fassade, der Putz wird erneuert, und den Innenausbau. Dabei auf den Denkmalschutz achten zu müssen, stört Novakovic nicht. Die Zusammenarbeit sei unkompliziert. „Ich möchte ja auch, dass der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt“, sagt der Unternehmer.

Das gilt auch für den Innenbereich. Wo früher große Öfen standen, soll Gastronom Patu Habacht zukünftig seine Gäste bewirten. Novakovic schwebt eine Mischung aus Restaurant und Kneipe vor. Der 44-Jährige verspricht mit einem 20 Meter langen Tresen die „größte Bar Solingens“. Geplant ist außerdem eine Terrasse für bis zu 200 Gäste. Zum Restaurant gehört ein räumlich abgetrennter Weinkeller. Er ist für vertrauliche Geschäftsessen gedacht.

Unter anderem ist ein neues Treppenhaus geplant.

Doch auch große Partys werden berücksichtigt: Im Restaurant-Bereich können einerseits private Feiern stattfinden. Andererseits seien öffentliche Veranstaltungen, Novakovic nennt Konzerte und After-Work-Partys als Beispiel, denkbar. „Nach Corona wird der Bedarf riesig sein.“ Platz genug ist vorhanden, 100 Parkplätze ebenfalls.

Noch warten viele Herausforderungen im und rund um das historische Gebäude. Im Spätsommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

„Im Haus muss Leben sein“, ist Mirko Novakovic überzeugt. Dazu beitragen werden auch die rund 200 Arbeitsplätze, die an der Prinzenstraße entstehen. Im Erdgeschoss ist ein Coworking Space mit etwa 25 Plätzen geplant. Zwei Etagen möchte Novakovic an externe Firmen vermieten – Interessenten gebe es reichlich, nicht nur aus Solingen. Im Keller entsteht für sie ein eigenes Fitnessstudio.

Zusätzlich verlagert Novakovic zwei Firmen an die Prinzenstraße. Die New Forge GmbH wird einige Plätze belegen. Zudem ziehen die Solinger Mitarbeiter des Softwareunternehmens Instana, das Novakovic jüngst an IBM verkauft hat, von Ebbtron dorthin. 40 der rund 200 Instana-Beschäftigten arbeiten in der Klingenstadt.

„Das Gebäude wird auch meine berufliche Heimat“, sagt der Instana-Chef. Zwar hat er 2019 seinen Lebensmittelpunkt in die USA verlagert. Wegen der Corona-Krise kam er aber samt Familie nach Solingen zurück – „bis auf Weiteres“.

Das Projekt an der Prinzenstraße ist mit hohem Aufwand verbunden – auch finanziell. Trotzdem hält Novakovic sein Vorgehen für die günstigste Lösung: „Ein Neubau in dieser Größe würde das Doppelte kosten.“ Und er ist überzeugt, dass sich die Investition rechnet. Auch nach der Corona-Pandemie werde es Bedarf für moderne Büroflächen geben – insbesondere außerhalb der Metropolen. Momentan denkt Novakovic sogar darüber nach, weitere Flächen anzubieten. Es gibt Überlegungen, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Konsumgenossenschaft zu erwerben. Dort hat bislang eine Softwarefirma ihren Sitz.

Er sei froh, wenn das Projekt abgeschlossen ist, gesteht Novakovic. Zurücklehnen möchte er sich danach allerdings nicht. Ganz oben auf seiner Liste stehe, ein Café in Ohligs zu eröffnen. Der 44-Jährige grinst: „Ein paar Ideen habe ich noch.“

Die Arbeitswelt von morgen in historischen Gemäuern

 © Christian Beier
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 © Instana
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 © Instana
 © Instana

New Forge

Mit seinen Partnern Alexander und Rico Hochgürtel unterstützt Mirko Novakovic junge Technologieunternehmen. Bislang hat die New Forge GmbH („Neue Schmiede) in 14 Start-ups investiert. Jeweils Summen zwischen 50 000 und 200 000 Euro. „Wir gehen dabei über die Masse: Wenn 20 Prozent der Investments erfolgreich sind, hat sich die Sache schon gelohnt“, erklärt Novakovic. Von der Unterstützung profitiert unter anderem das Solinger Softwareunternehmen Steadybit. Weitere Informationen zu New Forge gibt es im Internet.

www.newforge.de

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