Versorgung

Arbeit trotz Quarantäne ist in den Kliniken die Ausnahme

Dr. Martin Eversmeyer sieht das Klinikum in der Lage, Patienten aus anderen Orten zu helfen. Archivfoto: to
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Dr. Martin Eversmeyer sieht das Klinikum in der Lage, Patienten aus anderen Orten zu helfen.

Systemrelevante Mitarbeiter können nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt eingesetzt werden.

Von Björn Boch

Solingen. Bundesweit häufen sich Meldungen von Mitarbeitern in Krankenhäusern, die aufgrund von Personalnot freiwillig arbeiten gehen – trotz einer Corona-Infektion. In Solingen ist das in den Kliniken noch kein Thema, wohl aber die sogenannte Arbeits- oder Pendlerquarantäne.

Stephan Querling, Personalleiter im Städtischen Klinikum Solingen, erklärt: „Es wird kein positiv getesteter Mitarbeiter im Dienst eingesetzt. Dies gilt für alle Bereiche des Unternehmens.“ In Einzelfällen komme es vor, dass Mitarbeiter, die als Kontaktperson in Quarantäne sind, am Arbeitsplatz erscheinen, weil sie systemrelevant sind. Das seien punktuelle Einsätze, kein regulärer Dauerdienst. „Die Voraussetzung für den Diensteinsatz ist, dass der Beschäftigte ein negatives Testergebnis hat und symptomfrei ist.“ Der Diensteinsatz erfolge unter Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen.

Auch Anke Jahncke, Betriebsratsvorsitzende im Klinikum, bestätigt solche Einsätze – einige Kollegen seien froh, weiterhelfen zu können. Sie glaubt, dass die Arbeitsquarantäne eher zunehmen wird. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, geht es gar nicht anders.“

In Bethanien gibt es die Pendlerquarantäne ebenfalls, sie komme vereinzelt zum Einsatz, so Chefarzt Prof. Winfried Randerath. „Dass Infizierte zur Arbeit gehen, lehnen wir aber ab. Sie sollen nicht arbeiten, schon gar nicht mit Symptomen.“ Ob das allerdings so bleibe, sei nicht gewiss. „Ob man in andere Situationen kommt, wenn die Not größer wird, muss man sehen.“ Die Solinger Kliniken seien da in engem Austausch.

Ob jemand arbeitet oder nicht, sei erst einmal keine freie Entscheidung, betont Cerstin Tschirner, Sprecherin der Kplus Gruppe. „Quarantänen werden vom jeweiligen Gesundheitsamt des Mitarbeiter-Wohnorts ausgesprochen.“

Besondere Schutzkleidung und ein Symptomtagebuch

Die Pendler- oder Arbeitsquarantäne sei die Ausnahme, sowohl in der St. Lukas Klinik, als auch in den Senioreneinrichtungen – und nicht möglich für infektiöse Mitarbeitende, sondern nur für Kontaktpersonen in Quarantäne. „Diese Mitarbeiter müssen besondere Schutzkleidung tragen, ein Symptomtagebuch führen und sofort, wenn Symptome auftreten, aus dem Dienst gehen“, so Tschirner. Die Personalsituation sei unabhängig von Corona jahreszeitlich üblich, aber noch nicht kritisch.

Dass es noch keine Engpässe in der medizinischen Versorgung gibt, betont auch Dr. Martin Eversmeyer, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums. „Wir sind personell erfreulicherweise weiterhin in der Lage, unseren Auftrag der medizinischen Versorgung der Menschen in Solingen zu erfüllen. Durch die Aufstockung der intensivmedizinischen Kapazitäten mit den Mitteln der NRW-Corona-Hilfe schaffen wir es auch, im begrenzten Umfang Patienten aus anderen Orten aufzunehmen.“

Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr habe das Klinikum Covid-19-Patienten aus den Niederlanden betreut. „Wenn unsere Ressourcen es ermöglichen, helfen wir jedem Patienten – ob aus Solingen, oder von außerhalb.“ Allerdings seien die Kapazitäten für auswärtige Patienten auf fünf Intensivbetten begrenzt.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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