Shops, Kurse, Erlebnisse

Appelrath-Cüpper wird Gläserne Werkstatt

2011 hat Appelrath-Cüpper das Gebäude an der Hauptstraße verlassen. Nun wird dort im Lauf des Jahres 2021 die Gläserne Werkstatt eröffnen. Foto: Christian Beier
+
2011 hat Appelrath-Cüpper das Gebäude an der Hauptstraße verlassen. Nun wird dort im Lauf des Jahres 2021 die Gläserne Werkstatt eröffnen.

Ein ganzes Haus für Solinger Produkte: „Leuchtturmprojekt der Innenstadtentwicklung“ soll 2021 an den Start gehen.

  • Ex-Modehaus wird auf drei Geschossen zum Schaufenster für die heimische Wirtschaft.
  • 15 Pop-up-Stores, ein Café, Kursräume sind geplant.
  • 2021 soll eröffnet werden.

Von Björn Boch

Solingen. Für eines der zentralen Projekte zur Belebung der Innenstadt ist die Entscheidung gefallen: Die Gläserne Werkstatt wird in das leerstehende Gebäude an der Hauptstraße ziehen, in dem bis 2011 Appelrath-Cüpper seine Mode anbot.

Mehr als 1,9 Millionen Euro investiert die Stadt in das „Leuchtturmprojekt des City-Umbaus“, wie Carsten Zimmermann sagt. Er ist Abteilungsleiter für Strategische Planung im Büro des Oberbürgermeisters und zusammen mit Stadtdirektor Hartmut Hoferichter Geschäftsführer der neu gegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft Solingen (SEG). 90 Prozent des Geldes kommen aus Mitteln des „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ und des Landes NRW.

Verhandlungen rund um den Mietvertrag zogen sich hin

Eigentlich sollte die Gläserne Werkstatt – der Begriff „Gläserne Manufaktur“, der ursprünglich gewählt wurde, ist von VW markenrechtlich geschützt – im Herbst 2020 eröffnen. Allerdings zogen sich die Verhandlungen rund um den Mietvertrag hin. Jetzt ist der Start „im Lauf des Jahres 2021 geplant“, erklärt Carsten Zimmermann. Erst vergangene Woche wurde die Tinte unter dem Mietvertrag trocken. Zimmermann: „Jetzt können zeitnah die notwendigen Architektenleistungen für die Innenraumgestaltung in Auftrag gegeben werden.“

Drei Stellen – eine für Projektleitung, eine für die Werkstattleitung und eine für die Projektassistenz (50-Prozent-Stelle) – sind bereits besetzt. Nun sollen zeitnah die Umbauarbeiten starten. Die Federführung als Projektträger hat die SEG. Sie wird alle drei Geschosse mit Handelsflächen – Keller, Erdgeschoss und 1. OG – im früheren Appelrath-Cüpper-Gebäude anmieten. Sowohl der Eingang von der Hauptstraße, als auch der vom Fronhof aus sollen genutzt werden. Geplant ist kein klassisches Kaufhaus: Heimische Firmen sollen ihre nachhaltig hergestellten Produkte präsentieren und verkaufen – und die Herstellung vor Ort erlebbar machen.

Look and feel“ heißt das im Fachjargon, schauen und anfassen. Dabei können die Firmen zusammenarbeiten: „In der Werkstatt werden Besucher dann zum Beispiel morgens unter Anleitung von Fachpersonal einen Griff an ein Messer montieren, das sie dann nachmittags beim Kochkurs schon benutzen, um ihr Steak zu schneiden“, beschreibt Zimmermann eine der Ideen. „Das Erlebnis steht im Vordergrund.“ Deshalb sei die Gläserne Werkstatt auch keinesfalls als Konkurrenz für die zahlreichen Werksverkäufe in der Klingenstadt zu sehen.

Gerade Solinger Firmen seien rund um das Trendthema „Kochen“ gut aufgestellt, und zwar längst nicht nur im Bereich der Schneidwaren. Neben Events für Gruppen und dem Verkauf von Waren soll ein „bergisches Qualitätslabel für nachhaltig produzierte Waren“ entwickelt werden.

Wichtig sei, betont Oberbürgermeister Tim Kurzbach, dass die Firmen nachhaltig in Solingen oder in der unmittelbaren Nachbarschaft produzieren müssen. Heimische Produkte sollen gefördert und die Wertschöpfung der Region gestärkt werden. „Das Projekt ist somit auch ein Wirtschaftsförderungsprojekt. Die Stadt gibt den Anschub, Fördermöglichkeiten gibt es bis Ende 2022. Danach soll sich das Konzept von selbst tragen“, so Kurzbach.

Zimmermann rechnet mit mehr Interessenten als Flächen

Mindestens ein halbes Dutzend Interessenten gibt es nach Angaben der Stadt schon, der Schneidwarenverband sei bereits in die Planungen einbezogen worden. Carsten Zimmermann rechnet zum Start mit mehr Interessenten als Flächen.

Das Konzept soll flexibel geplant werden – in der Art sogenannter Pop-up-Stores. Das sind Geschäfte, die bewusst nur eine bestimmte Zeit vor Ort sind. Bis zu 15 Mieter sollen mit „modularen Boxensystemen“ in das Gebäude einziehen – die genaue Anzahl hänge unter anderem von den Planungen der Architekten ab. Auch ein Café und Räume für Veranstaltungen – die auch unter Corona-Bedingungen genutzt werden können – sind geplant.

Weitere Details zu den Plänen für die Gläserne Werkstatt und zu den Aufgaben der neu gegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft will die Stadt am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben – passenderweise im ehemaligen Appelrath-Cüpper.

Wie groß die Resonanz ist, wenn sich heimische Unternehmen gemeinsam präsentieren, zeigte sich jedes Mal beim Schneidwaren-Samstag: Solinger Qualität ist auch auswärts gefragt

Konzept „City 2030“

Stadt: Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) „City 2030“, vorgestellt im Frühjahr 2019, soll die Innenstadt neu aufstellen. In den kommenden Jahren sollen – bei einem Gesamtvolumen von 36 Millionen Euro – der Kernbereich der Innenstadt, aber auch das Gebiet zwischen Ufergarten, Lutherkirche, Südpark, Eishalle und Werwolf umstrukturiert werden.

Investoren: Die Stadtentwicklungsgesellschaft ist auch Bindeglied zu privaten Investoren, etwa Kondor Wessels, Käufer des Evertz-Geländes. Auch der Neubau der Sparkasse am Neumarkt spielt eine zentrale Rolle.

Standpunkt

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Von Björn Boch

Der Markt ist sondiert, Interesse der Firmen scheint vorhanden: Nun heißt es hoffen, dass das städtische Konzept in der ehemaligen Immobilie von Appelrath-Cüpper funktioniert. Seitens der Kundschaft ist großer Bedarf da, wenn es darum geht, Einkaufen und Erleben zu verbinden – das zeigt zum Beispiel die Großinvestition in die „Grillardor Erlebniswelt“ nahe der A 1 in Remscheid. Die Chancen stehen also gut, dass der Plan zur Innenstadtbelebung aufgeht – die Hauptstraße braucht das dringend.

Nun kommt es auf feste Zusagen der Firmen an. Nach allem, was man bisher weiß, ist in der Gläsernen Werkstatt durchaus eine für Solingen ganz neue Form des Einkaufens denkbar. Die Stadt kann aber nur den Anschub geben. Letztlich umsetzen müssen es Unternehmen, die das nur tun, wenn es sich für sie rechnet. Jahrelang wurde keine Nachnutzung für Appelrath-Cüpper gefunden, was auch an zu hohen Mietvorstellungen lag. Da hat die Stadt hoffentlich gut verhandelt.

Mit der Absage an ein reines Kaufhaus dürften die Chancen steigen, dass die Werkstatt im Gegensatz zu einem immer wieder geplanten, gemeinsamen Outlet der Solinger Klingenhersteller Erfolg hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Autounfall: Solinger übersieht Treppe
Autounfall: Solinger übersieht Treppe
Autounfall: Solinger übersieht Treppe

Kommentare