Fehleinwürfe

Anwohner sind verärgert: Wichtige Post liegt im falschen Briefkasten

Anwohnerin Sonja Ruckstätter wirft im gegenüberliegenden Haus Post ein, die irrtümlich bei ihr gelandet ist. Das ist an der Unteren Wernerstraße in diesem Jahr kein Einzelfall. 
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Anwohnerin Sonja Ruckstätter wirft im gegenüberliegenden Haus Post ein, die irrtümlich bei ihr gelandet ist. Das ist an der Unteren Wernerstraße in diesem Jahr kein Einzelfall. 

Wichtige Briefe kommen zu spät und Rechnungen gehen verloren. Anwohner der Unteren Wernerstraße ärgern sich über die Post.

Von Björn Boch

Solingen. Monika und Sonja Ruckstätter sind sauer auf die Deutsche Post. „Es ist das reinste Chaos“, sagt Sonja Ruckstätter. Immer wieder kämen wichtige Briefe zu spät, würden falsch zugestellt oder erreichten die Haushalte gar nicht, beklagen die Anwohnerinnen der Unteren Wernerstraße.

Trauriger Höhepunkt: Einer weiteren Anwohnerin wurde eine Diagnose-CD zugestellt, die eigentlich für eine Patientin mit Wohnsitz an der Straße Stöcken gedacht war. „Sie hat tagelang auf die Ergebnisse einer Brustkrebsuntersuchung gewartet. Das hat sie meiner Nachbarin erzählt, als diese ihr den Brief vorbeigebracht hat“, berichtet Monika Ruckstätter.

Solingen: Damit haben die Anwohner zu kämpfen

Sie ist öfters in der Gegend mit dem Hund unterwegs und stellt Briefe zu, die fälschlicherweise bei ihr gelandet sind. „Das geht natürlich gar nicht.“ Monika Ruckstätter selbst wartet seit Wochen auf verschiedene Schreiben. Auch Rechnungen gingen schon mal verloren – dann kämen direkt die Mahnungen. Ein Dutzend Bescheide der Stadt lag schon mal auf der Straße herum.

„Bis hierhin und nicht weiter“, habe sie sich gedacht und das Tageblatt informiert. Monika Ruckstätter, ihre Schwägerin Sonja und eine Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichteten dem Tageblatt beim Ortstermin von den andauernden Schwierigkeiten.

Die gebe es, seit der etablierte Postbote vor einigen Monaten in Rente gegangen sei. Seitdem seien andauernd neue Zustellerinnen und Zusteller der Post in dem Gebiet. Diese fänden teilweise die Hauseingänge nicht, oder, vermutet Monika Ruckstätter, könnten die Adressen nicht lesen. Auch mit der Verständigung gebe es immer wieder Probleme. „Wenn wir das Auto der Post sehen, laufen wir ja schon hin, um das Schlimmste zu verhindern“, erklären die drei Anwohnerinnen.

Auch andere Dienste oder Paketzusteller hätten Probleme, bei der Post aber sei es besonders schlimm. Gutscheine und Entschuldigungsschreiben habe es bereits gegeben. „Aber es ändert sich eben nichts am Problem“, klagt Monika Ruckstätter.

Deutsche Post leidet unter Personalausfällen

Die Deutsche Post DHL Group bestätigt auf Anfrage Schwierigkeiten – allerdings eher allgemeiner Natur. „Wie in vielen anderen Bereichen kommt es derzeit auch bei uns zu deutlich mehr krankheitsbedingten Personalausfällen“, so Sprecherin Britta Töllner. Insbesondere durch Corona, wenn auch nicht allein, komme es oft zu gleich mehrtägigen Ausfällen. Momentan könne die Post dies in Solingen weitgehend kompensieren, zum Beispiel durch Aushilfen, das Hinzuziehen von Kräften aus anderen Bezirken und Standorten sowie Neueinstellungen. „Wir können jedoch nicht ausschließen, dass es zu Verzögerungen von in der Regel nicht mehr als einem Tag kommen kann.“

Die „möglichen Fehleinwürfe“ – das Tageblatt hatte die Deutsche Post auf den Fall der falsch zugestellten CD mit sensiblen medizinischen Daten angesprochen – „bitten wir zu entschuldigen und nehmen dies zum Anlass einer Sensibilisierung“.

In dem angesprochenen Bezirk sei seit 17. Oktober ein anderer Mitarbeiter eingesetzt. „Seitdem sollte die Lage dort wieder stabil sein“, so Post-Sprecherin Britta Töllner. Kurzfristig scheint sich jedoch nichts verbessert zu haben. Denn der ST-Ortstermin fand Ende Oktober und damit mehr als eine Woche nach dem Einsatz des neuen Mitarbeiters statt.

Im Stadtgebiet Solingen sind laut Post rund 150 Briefzusteller beschäftigt. Wie viele Firmen leide auch die Post unter dem Fachkräftemangel. Die Arbeitsmarktsituation sei angespannt und es sei schwieriger, „erforderliches zusätzliches gutes Personal“ zu finden. Zudem sei eine Einarbeitungszeit erforderlich. Darüber hinaus hätten Geschäftskunden und Wettbewerber mehr Briefe und Pakete an die Deutsche Post übergeben, weil auch sie Probleme hätten, Personal zu finden. Britta Töllner: „Und wir sind als Deutsche Post gesetzlich dazu verpflichtet, jeden Brief und jedes Paket zuzustellen.“

Die Post bedauere die Umstände sehr, „ist es uns doch gelungen, auch während der Corona-Pandemie unser hohes Qualitätsniveau zu halten“. Eine grundlegende Entspannung der personellen Situation sei abhängig vom Infektionsgeschehen und von der Personalrekrutierung. Vor einigen Monaten seien dazu umfangreiche Maßnahmen in die Wege geleitet worden.

Was tun bei falscher Zustellung?

Wer irrtümlicherweise einen Brief erhält, ist rechtlich dazu verpflichtet, ihn ungeöffnet weiterzugeben. Kennen Sie Empfänger und Adresse, können Sie den Brief dort entweder direkt einwerfen oder abgeben. Alternativ kann der Brief dem Zusteller des jeweils zuständigen Postunternehmens zurückgegeben oder bei einer Postfiliale abgegeben werden. Bei Briefen der Deutschen Post kann er in jeden Briefkasten geworfen werden mit einem sinnvollen Vermerk wie „Empfänger unbekannt“ oder „Empfänger verzogen“.

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