Deutsches Klingenmuseum

Antikes Besteck entführt in die Forschung

Ulla Lehmann-Kirk zeigte bei der 25. Bestecksammler-Messe im Deutschen Klingenmuseum einen Bügelkorb aus Silber aus dem Jahr 1901. Foto: Christian Beier
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Ulla Lehmann-Kirk zeigte bei der 25. Bestecksammler-Messe im Deutschen Klingenmuseum einen Bügelkorb aus Silber aus dem Jahr 1901.

Fachleute moderner und historischer Bestecke tauschten sich zum 25. Mal bei einer Messe aus.

Von Julia-Catharina Wodara

Solingen. Ihre Leidenschaft für Besteck verbindet, regt gegenseitige Expertise an und kann im besten Fall historische Lücken schließen: 29 Sammler und Mitorganisator Bernd Kirchbrücher trafen sich am Wochenende zur 25. Bestecksammler-Messe im Deutschen Klingenmuseum. Die meisten seien zwar Liebhaber des modernen Esswerkzeugs, jedoch könne man auch innerhalb dieser Nische immer etwas voneinander lernen, macht Kirchbrücher deutlich.

Für Jochen Amme machte die Moderne dagegen nur einen winzigen Teil seiner Begeisterung aus – der Hamburger Sammler und damalige Gründungsinitiator der Messe interessierte sich vor allem auch für historische Exemplare. Die ausgiebige Privatsammlung des 2016 verstorbenen Besteckexperten feierte am Vortag der Messe zunächst ihre Finissage im Klingenmuseum. „Das ist eine typische Amme-Auslegung“, meint der befreundete Kirchbrücher und verweist dabei auf eine Vitrine, die den Kontrast zwischen dem ausgefallenen Biedermeier-Stil und dem Minimalismus van de Veldes beleuchtet. „So zeigt man Entwicklung auf.“ Mit der Software „MuseumPlus“ erfasst das Museum seine Bestände.

Verläufe erkennbar machen, Verbindungen herstellen – das sei einer von drei Beweggründen des Sammelns, vielleicht sogar der wichtigste: „Sammeln ist so immer auch Kulturleistung“, erklärt Kirchbrücher. Die anderen Gründe seien da schon eigennütziger: Wer sammelt, möchte vor allem haben und zeigen.

Besteck lädt zum Diskutieren ein

Die Aufarbeitungsleistung der Bestecksammelnden erkennt jedoch auch Direktor Dr. Sixt Wetzler an: Das Museum stehe als Bildungsinstitution nicht über ihnen – es gibt stattdessen einen konstanten Austausch zwischen den breiten Museumskenntnissen und der speziellen Expertise aller Sammler, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren. „Zur Aufarbeitung braucht es außerdem immer mehr Beispiele“, ergänzt der Leiter.

Dieser Meinung ist auch Kirchbrücher – und kann das gleich demonstrieren: Seine besondere Expertise, der Mokkalöffel im Jugendstil, begleitet ihn in einer riesigen Auswahl an Exemplaren auf die Messe. „Ich könnte zu jedem dieser Löffel etwas erzählen“, sagt er. Außerdem stellte er in diesem Jahr rund 400 Muster des Heilbronner Besteckherstellers Bruckmann vor. Wichtig ist hierbei besonders die offene Fehlerkultur: Fehlende Exemplare werden ergänzt, falsche Datierungen korrigiert – es wird so noch einmal deutlich, dass die forschende Leistung immer auch eine kooperative ist.

Ähnlich zeigte es auch die Ausstellung Ammes: Neben seinem Arbeitsplatz wurden so auch Eindrücke seiner Forschungsprozesse dargestellt. Daraus entstanden oftmals auch Diskussionen über die Grenzen des Bestecks hinaus: „Es gibt keine Relikte aus dem neunten Jahrhundert“, berichtet Kirchbrücher. Ammes damalige Spekulation: es habe dieses Zeitalter vielleicht gar nicht gegeben. Zu welchem Entschluss man dahingehend noch kommen mag – so oder so zeigt es Unerfahrenen, dass diese scheinbare Nischenarbeit einen größeren Mehrwert mit sich ziehen kann.

„Sammeln ist immer auch Kulturleistung.“

Bernd Kirchbrücher, Mitorganisator

Ammes Beitrag zur Aufarbeitung der Besteckgeschichte - sowohl in Form seiner materiellen Privatsammlung als auch der dahinterstehenden Forschungserkenntnisse - könnte in Zukunft fester Bestandteil des Solinger Museums werden: Seitens der Einrichtung und der Familie des Besteckexperten besteht daran gleichermaßen offenes Interesse. Nun geht es darum, Fördergeld einzuholen – eine Entscheidung sei laut Wetzler in einem bis anderthalb Jahren zu erwarten.

Europaweit genießt das Klingenmuseum bereits einen renommierten Ruf. Die Aufnahme der Sammlung würde das noch steigern. „Das würde uns auf weltweiter Ebene nach vorne bringen“, so die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Isabell Immel.

Das Museum

Öffnungszeiten: dienstags 12 bis 17 Uhr, freitags 14 bis 17 Uhr, ansonsten täglich 10 bis 17 Uhr; montags geschlossen.

Eintritt: 4,50 Euro; ermäßigt 2 Euro. Besuche sind ohne Anmeldung möglich; Führungen vorab unter Tel. (02 12) 2 58 36-11 buchen.

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