Berufungsverhandlung am Landgericht

Angeklagter erkämpft sich Chance auf Bewährung

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Im Prozess ging es um einen Vorfall in Gräfrath von Dezember 2017. Damals hatte der Angeklagte die Mutter seines Kontrahenten angegriffen.

Von Dirk Lotze

Solingen. Ein 39-jähriger Angeklagter hat sich mehrfach Prügeleien mit ihm fremden, jüngeren Männern vor deren Freundinnen geliefert, sich mit der Polizei angelegt, diese beleidigt und eine Serie von Droh-Emails an zwei Staatsanwältinnen geschickt. Im Streit hat der Mann zudem die Mutter eines Gegners in ihrer Wohnung in Gräfrath bedroht.

Zur mit Anspannung auf allen Seiten erwarteten Berufungsverhandlung am Dienstag vor dem Landgericht Wuppertal präsentierte sich der Mann nun wie ausgewechselt: Er gab seine Taten zu und bat um Entschuldigung. Seine Drohungen habe er nicht ernst gemeint. Er befindet sich in einem Fernstudium, um sich eine berufliche Perspektive zu verschaffen, und erkämpfte sich mit seinem veränderten Auftritt eine bereits rechtskräftige Bewährungschance: Er braucht ein Jahr Freiheitsstrafe nicht zu verbüßen, wenn er Auflagen einhält.

Als die unerwartet friedliche Verhandlung schloss, war es die Staatsanwältin, die hörbar voller Erleichterung laut erklärte: „Ach, was bin ich froh!“ Sie war selbst Opfer von Drohungen des Angeklagten gewesen – vor dem Amtsgericht hatte er sie noch im März scharf angegangen und Ermittlungen gegen sie verlangt.

Im Prozess ging es um einen Vorfall in Gräfrath von Dezember 2017. Die Geschädigte (45) hatte auf ein Klingeln die Tür geöffnet, weil sie eine Nachbarin erwartete. Vor ihr stand der Angeklagte, trotz kalten Wetters in kurzer Sporthose und Hemd. Er habe nach dem Sohn verlangt, die Frau am Kopf gepackt, schließlich die Wohnung gestürmt. Als er wieder weg war, rief die verletzte Frau die Polizei. Die fand den Angeklagten binnen Minuten.

Die weiteren Taten ereigneten sich am Wohnort in Wuppertal

Die weiteren Taten spielten sich bis 2018 am Wohnort des Angeklagten in Wuppertal ab: Er fing auf der Straße Streit mit einem Mann an und bewarf ihn mit dessen Fahrrad. In einer Polizeistation beschimpfte er einen Beamten als „Fettsack“. Anschließend legte er seinen Ausweis auf die Theke und verlangte, dass eine Anzeige gegen ihn geschrieben werde. Später folgten die Drohmails.

Der Angeklagte hat laut eigener Aussage erstmals 2008 studiert, er konnte aber nach einem Semester die Gebühren nicht mehr zahlen. Im neuen Studium stehe er kurz vor der Prüfung als Programmierer. Seine Einschätzung: „Damit kann man nicht arbeitslos werden.“

Ein Psychiater bestätigte, dass der 39-Jährige nicht erkrankt ist. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt. Er muss Schulden, Schmerzensgeld für ein Opfer, den Schaden an dem Fahrrad und die Gerichtskosten abbezahlen.

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