Prozess

Angeklagte schlagen mit Gürtelschnalle und Fäusten zu

Bei einer Beerdigung auf dem Friedhof an der Hackhauser Straße kam es zu Spuckattacken und Schlägen.
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Bei einer Beerdigung auf dem Friedhof an der Hackhauser Straße kam es zu Spuckattacken und Schlägen.

Nach einer Beerdigung an der Hackhauser Straße eskalierte ein Streit zwischen Trauergästen.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach dem Aufeinandertreffen verfeindeter Brüder bei einer Beerdigung in einer zerstrittenen Solinger Familie sind Urteile gegen sechs Beteiligte wegen gefährlicher Körperverletzung rechtskräftig. Der Geschädigte hatte unter anderem einen Treffer durch eine Gürtelschnalle an einem Auge erlitten. Sein Sehvermögen hat sich dauerhaft verschlechtert und er musste seinen Arbeitsplatz wechseln.

Vier Angeklagte haben Bewährungsstrafen angenommen. Gestern schloss das Landgericht Wuppertal das Verfahren gegen die beiden letzten Angreifer (58 und 38 Jahre alt) ab: Sie müssen zusammen Geldstrafen in Höhe von 8800 Euro zahlen. Gegen alle gemeinsam bereitet eine Krankenkasse eine Schadensersatzklage wegen der Behandlungskosten vor.

Bei der Bestattung am 9. Juli 2020 auf dem Friedhof an der Hackhauser Straße hatte der spätere Hauptangeklagte zwei erwachsene Söhne und die drei übrigen Angeklagten auf seiner Seite. Aus dem Leichenzug heraus provozierte er seinen Bruder, den späteren Geschädigten. Der hatte von einem Platz unter einem Baum aus zugesehen. Es folgten eine Spuckattacke und ein erster Schlag vor den Augen der versammelten Trauergemeinde. Später bei der Abfahrt ergab sich ein Wortgefecht von Auto zu Auto – samt Todesdrohung. Am selben Nachmittag erschienen die sechs Angeklagten am Haus des Geschädigten: laut Aussagen, um die Sache „zu klären“.

Sie drängten in die Räume des Mannes, dort begannen sie, auf ihn einzuschlagen – mit Fäusten und einem Gürtel, mit einem Gehstock ihres Opfers und mit einem hölzernen Wagenrad, das vor Ort anscheinend der Dekoration diente. Das Handy des Mannes warfen sie aus dem Fenster, damit er keine Hilfe rufen konnte.

Die Szene löste sich auf, nachdem eine Tochter des Angegriffenen aus einer Nachbarwohnung erschienen war. Lärm und Schreie hatten sie alarmiert. Schließlich kam die Polizei. Neben Prellungen erlitt der Geschädigte die gefährliche Augenverletzung. Er musste sich mehreren Operationen unterziehen, um nicht auf einem Auge zu erblinden.

Richterin: „Ein Freispruch liegt in weiter Ferne“

Den verbliebenen Angeklagten, beide Facharbeiter und Familienväter, verdeutlichte die Vorsitzende Richterin im Landgericht: „Ein Freispruch liegt in weiter Ferne.“ Auch wenn sie laut Zeugen nicht geschlagen hätten. Sie fügte hinzu: „Es reicht, dass man die Gefährdung erhöht, indem man jemanden bedrängt.“

Die Erläuterungen des Gerichts überzeugten die Angeklagten, sie verzichteten auf weitere Rechtsmittel. Für den Älteren milderte das Gericht die Strafe um die Hälfte auf nun 2400 Euro, weil sich sein Einkommen verschlechtert hat.

Lesen Sie auch: Remscheider wegen versuchten Totschlags angeklagt

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