Andacht nach der Katastrophe

In Unterburg ist der Zusammenhalt nach dem Hochwasser groß

Pfarrerin Almuth Conrad an der Burger Seilbahn – sie und andere sprachen den Burgern Mut zu. Foto: Andreas Horn
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Pfarrerin Almuth Conrad an der Burger Seilbahn – sie und andere sprachen den Burgern Mut zu.

Kirchengemeinde und Betroffene des Hochwassers sammeln Kraft und Mut.

Von Susan Jörges

Solingen. Die Spuren des Hochwassers, das weite Teile von Unterburg geflutet hatte, werden lange sicht- und spürbar bleiben. „Nicht nur an den Häusern, auch in den Köpfen der Menschen“, sagte die Burger Pfarrerin Almuth Conrad. Gemeinsam mit Präses Manfred Jetter und der Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, Antje Menn, gedachte sie am Freitagabend auf dem Platz an der Seilbahn mit Gebeten und gemeinsamen Lieder der Hochwasser-Opfer. Zeitgleich läuteten als Zeichen des Zusammenhaltes in vielen Gemeinden die Glocken.

Conrad, die seit zwölf Jahren als Pfarrerin für Burg und Hünger im Einsatz ist, sprach den Bewohnern des Stadtteils Mut und Zuversicht zu. Den vielen Helfer dankte sie für ihre Solidarität und die vielen Spenden, die bei der Kirchengemeinde eingegangen seien. Menn brachte Segenswünsche aus den Partnergemeinden aus Indonesien und Ruanda mit nach Unterburg und wünschte den Betroffenen Kraft und Geduld für den Wiederaufbau. Die Wupper und der Eschbach flossen derweilen gemächlich durch den Ortskern.

Die Unterburgerin Regina Brabender hat das Ausmaß der Flut selbst mitbekommen. Gemeinsam mit anderen Engagierten hatte sie in den Tagen des Hochwassers eine Helferstation vor ihrem eigenen Haus nahe der Eschbachstraße eingerichtet, Werkzeuge und Essen verteilt und den Einsatz von freiwilligen Hilfskräften strukturiert: „Wir waren wie eine Leitzentrale, fast 300 Anrufe gingen täglich bei mir ein“, erinnert sich Brabender. In diesen Tagen koordiniert sie gemeinsam mit der Kirchengemeinde die Sachspenden, die den Stadtteil erreicht haben.

Beratungsstellen bieten Unterstützung

Dass man in Burg zusammenhalte, hat auch der Wermelskirchener Pfarrer und Präses der Gemeinde Jetter erfahren dürfen, der in den Tagen des Hochwassers von Tür zu Tür gegangen ist. Die Sorgen mögen groß sein, doch offene Ohren und gegenseitige Unterstützung helfe, Mut für die kommende Zeit zu finden, gibt er mit auf den Weg. Nach der Andacht machte sich das Presbyterium der Kirchengemeinde Wermelskirchen auf den Weg zur Kirche in Unterburg, die wie das Gemeindehaus und der angrenzende historische Friedhof von der Flut betroffen ist. Boden, Kirchenbänke und Heizungsanlagen sind stark in Mitleidenschaft gezogen. Möbel und Mobiliar stehen in einer Halle zum Trocknen. Statt Gottesdienste gibt es nun eine kleine Gebetsecke in der Kirche, Andachten finden bis auf weiteres unter freiem Himmel statt.

Unterstützung bieten die Evangelische Beratungsstelle in Solingen mit therapeutischen Ansprechpersonen (Tel. (02 12) 28 72 87) oder das seelsorgerische Telefon der Kirchengemeinde Lennep ( (0 21 91) 9 68 17 77) – Burg gehört zum Kirchenkreis Lennep. Betroffene können über ihre Not oder ihre Ängste ins Gespräch kommen. Zwar gebe es derzeit keine akute Nachfrage, sagt Pfarrerin Conrad. Viele müssten die Geschehnisse der ereignisreichen Tage zuerst sacken lassen, Gesprächsbedarf käme meist zeitversetzt: „Darüber reden hilft“, ermutigt Conrad.

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