Amphibienwanderung

Morgenstund’ hat viele Kröten im Eimer

Benedikt Grewen und sein Sohn Eliah sammeln morgens um 7 Uhr vor dem Schulbeginn Kröten im Gebiet des Pilghauser Bachs ein. Noch bis in die ersten Apriltage werden die Amphibien wandern. Foto: Christian Beier
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Benedikt Grewen und sein Sohn Eliah sammeln morgens um 7 Uhr vor dem Schulbeginn Kröten im Gebiet des Pilghauser Bachs ein. Noch bis in die ersten Apriltage werden die Amphibien wandern.

Benedikt Grewen hilft jetzt bei der sicheren Amphibienwanderung.

Von Philipp Müller

Solingen. Eliah hat die erste Kröte entdeckt. „Da, schau mal, wie groß“, sagt der Grundschüler. Er ist zusammen mit seinem Vater Benedikt Grewen am Pilghauser Bach im Einsatz. Gekonnt wird das Weibchen in einen Bottich gesetzt. Und die Kröte ist nicht allein. Ein viel kleineres Männchen klammert sich auf dem Rücken der Amphibie fest, um so Huckepack die Laichgewässer zu erreichen. Der Biologielehrer der Sekundarschule Leichlingen betreut im Tal, dort wo sich Glocken- und Hohlstraße treffen, einen Amphibienzaun, der die Kröten davon abhält, den gefährlichen Weg über die Straße zu laufen. So erreichen die Tiere sicher die Teiche im Bereich des nahen Spielplatzes und der Kleingartenanlage.

Amphibien sind auf sauberes Wasser angewiesen.

Seit 2018 wohnt Grewens Familie in Solingen. Ihm sei aufgefallen, dass viele Kröten auf der Glockenstraße überfahren werden. Er wandte sich an die Stadt und die stellte ihm das Material für den Amphibienzaun zur Verfügung. Die grüne Kunststoff-Barriere schlängelt sich gut 50 Meter quer durch ein wild bewachsenes Grundstück. Dort sind die Winterquartiere der Kröten. Magisch zieht es sie dann mit dem beginnenden Frühjahr zu den Orten, an denen sie geboren worden waren.

Zwei Straßen wurden in Solingen für die Krötenwanderung gesperrt.

Der Zaun hindert sie nicht dauerhaft am Erreichen des Ziels. An den Endpunkten hat Grewen Fangeimer in den Boden gelassen, sammelt sie dort auf und bringt sie über die Straße. Benedikt Grewen macht das jeden Morgen gegen 7 Uhr und nochmals am Abend.

Am Donnerstagmorgen sind es zwei Pärchen und ein Solist, dessen Art er nicht kennt. Mit dem Handy macht der Biologe ein Foto und will den Frosch später bestimmen. „Die beiden anderen Paare sind Erdkröten und Frösche“, sagt Grewen. Natürlich kennt der Biologielehrer den lateinischen Namen: „Bufo bufo heißen die.“ Bis in die ersten Apriltage werde die Wanderung noch dauern, schätzt er. Je wärmer die Nächte jetzt werden, desto mehr Amphibien machten sich auf die Reise. Das verbindet der Lehrer auch mit dem Appell an die Autofahrer, morgens und abends besonders auf die kriechenden Tiere zu achten.

Es ist ein gutes Gefühl, schon vor der Arbeit Leben gerettet zu haben.

Benedikt Grewen, Kröten-Pate

Eliah trägt die „Beute“ des Morgens bis zu einem Loch im Zaun am Pilghauser Bach. Dort werden die Kröten und der unbekannte Frosch wieder ausgesetzt. Schnell geht es den Hang hinunter Richtung Wasser. Benedikt Grewen wirkt zufrieden: „Es ist ein gutes Gefühl, schon vor der Arbeit Leben gerettet zu haben.“ Jetzt aber schnell in die Schule, der Sohn nach Stübchen, der Vater nach Leichlingen.

Grewen ist natürlich nicht allein in Solingen. Viele Naturschützerinnen und Naturschützer betreuen jetzt Krötenzäune im Stadtgebiet. Die Stadt hat sogar den Hohlenpuhler Weg und die Straße Götsche dazu gesperrt, dort befinden sich wichtige „Amphibien-Autobahnen“. An weiteren und in der Regel kürzeren Querungsstrecken sind ebenfalls Amphibienzäune mit Fangeimern aufgebaut worden. Die Stadt nennt diese Orte: Caspersbroich, Papiermühle, Theegarten im Bereich zum Papiermühler Bachtal, Tiefendicker Straße, Schellberger Weg, Untenfürkelt, Friedrichsaue, Wipperauer Straße im Gebiet östlich von Horn, Langhansstraße und den Hermann-Löns-Weg zu seinem Ende hin.

Dazu erklärt die Stadt Solingen: „Die Fangeimer, die sich in der Regel nachts füllen, dienen nicht nur der Sicherung der Tiere, sie geben auch Aufschluss darüber, welche Arten vorkommen. Deshalb sollten Passanten sie nicht leeren.“ Die Eimer haben am Grund Löcher, damit sie nicht voll Regen laufen, berichtet Grewen. Außerdem hat er kleine Stöcke angebracht, damit sich etwa Spinnen befreien können, falls sie in die Eimer fallen sollten.

Hintergrund

Die Amphibien suchen zur Vermehrung der eigenen Arten die Gebiete auf, in denen sie aufgewachsen sind. Dort wissen sie, dass die Lebensbedingungen auch für den künftigen Nachwuchs passen. Die Orientierung funktioniert, weil die Kröten ein Organ in Hirn haben, dass sie Himmelsrichtungen bestimmen lässt. Zudem können sich die Amphibien auch die Optik ihrer Umgebung einprägen.

Lesen Sie auch: Salamanderpest tötet Hunderte Tiere im Bergischen

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