Krötenwanderung

Amphibien haben an der Götsche Vorfahrt

Jürgen Lammert, Marita Klause und Tom Adams (v. l.) haben gestern die Zufahrt zur Straße Götsche gesperrt. Auch am Hohlenpuhler Weg ist die durchfahrt gesperrt, um die Amphibien zu schützen. Foto: Christian Beier
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Jürgen Lammert, Marita Klause und Tom Adams (v. l.) haben gestern die Zufahrt zur Straße Götsche gesperrt. Auch am Hohlenpuhler Weg ist die durchfahrt gesperrt, um die Amphibien zu schützen.

Zwei Straßen sind für die Krötenwanderung die nächsten Wochen gesperrt.

Von Andreas Römer

Solingen. Kaum gesperrt – schon die erste Diskussion: „Sie dürfen hier nicht mehr durchfahren, bitte nutzen Sie die anderen Waldwege“, spricht Marita Klause von der Unteren Naturschutzbehörde die Radfahrerin an, die gerade durch die Götsche fahren möchte. Die Radlerin reagiert eher schnippisch, tagsüber wären doch keine Frösche unterwegs, die kämen doch erst nachts, da könne sie doch jetzt wohl noch durchfahren. Geduldig erläutert ihr die städtische Mitarbeiterin, dass es sich hier um eine Anordnung handele, die zu befolgen sei. Die Radfahrerin dreht schließlich ab, sucht sich einen anderen Weg.

Marita Klause und Mitarbeiter der Stadt haben am Tag des Artenschutzes den Hohlenpuhler Weg und die Straße Götsche wie angekündigt für Fahrzeuge gesperrt. Das ist nichts Neues. Der Hohlenpuhler Weg wird seit mehr als 30 Jahren immer um diese Jahreszeit gesperrt, die Götsche erst seit 2010. Der Tag des Artenschutzes ist dabei diesmal eher zufällig der ausgewählte Termin. Vielmehr kommt es auf die Bewegungen der Amphibien in den heimischen Wäldern an. Wenn die loslegen, sollen sie bestmöglichst geschützt werden.

Frösche, Molche und Salamander wandern nämlich immer um die gleiche Jahreszeit, um in die Gewässer zu gelangen, wo sie einst geboren wurden. Dort kümmern sie sich dann um die nächste Generation und laichen dort. In Solingens Wäldern gibt es viele Bäche oder Teiche – auch mal einen Neuen irgendwo. Da müssen die Tiere sich rechtzeitig auf den Weg machen, wenn sie zur Paarung vor Ort sein wollen.

Wege und Straßen sind tödliche Fallen

Wege und Straßen, die ihren natürlichen Lebensraum durchschneiden, sind unterwegs für die Amphibien tödliche Fallen, wenn Autos darüberfahren. Das kann man an einer Waldstraße wie der Götsche kaum vermeiden, denn die Frösche und Molche machen sich synchron und damit in großer Zahl gleichzeitig auf den Weg. Da man nicht über die gesamte Länge der Straße einen Zaun aufstellen kann, wird die Straße kurzerhand für den Verkehr gesperrt.

Neben den beiden Straßensperren gibt es im Stadtgebiet noch 15 Amphibienzäune, die zusammen rund zwei Kilometer lang sind. Die werden von der Stadt aber auch von freiwilligen Tierschützern aufgestellt. Das Material verwaltet die Stadt. Über die kniehohen, meist grünen Zäune kommen die Tiere nicht rüber. Vielmehr fallen sie in Eimer, die genau dafür im Boden eingelassen sind. Diese Eimer werden täglich von Mitarbeitern der Stadt oder von freiwilligen Helfern geleert und die Tiere auf die andere Seite gebracht. Helfer sind nicht nur Mitglieder des Naturschutzbundes, sondern auch Menschen, die in den Gebieten wohnen und ihren Teil zum Natur- und Artenschutz beitragen wollen.

„Wir bitten alle Spaziergänger, die Finger von diesen Eimern zu lassen“, mahnt Marita Klause, bei der unteren Naturschutzbehörde zuständig für den Artenschutz. „Wir kontrollieren jeden Zaun täglich, manche sogar zweimal am Tag.“ Niemand müsse hier helfend eingreifen. Dieses Sammeln hilft nämlich auch, die Tiere zu zählen, aber auch auf Krankheiten aufmerksam zu werden.

Klause hofft auf Verständnis für die Sperrungen, die auch für Fahrräder gelten. „Uns allen sollte daran gelegen sein, die Artenvielfalt zu erhalten“, ist ihre Auffassung. Gesperrt bleiben die beiden Straßen zunächst für vier Wochen. Es können aber auch sechs werden, schließlich wissen die Frösche und Molche auch nicht immer so genau, wann sie sich auf den Weg machen wollen. Das hängt viel vom Wetter ab. Wenn in den Eimern keine Tiere mehr sind, kann man davon ausgehen, die Wanderungszeit ist beendet - und dann werden die Straßensperrungen wieder aufgehoben.

Amphibien

Arten: Sechs verschiedene Arten gibt es in unseren Wäldern: den Gras- und den Teichfrosch, die Erdkröte, den Berg- und den Teichmolch sowie den Feuersalamander. In Solingens Wäldern ist wohl die Erdkröte am häufigsten anzutreffen, die bis zu zwölf Zentimeter groß wird. Sorgen machen sich die Natur- und Artenschützer vor allem um die Feuersalamander. Die schwarz-gelben Salamander leider unter der aus Asien eingeschleppten Salamanderpest. Die hat dem Bestand zuletzt ordentlich zugesetzt.

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