Corona-Schnelltest

Am Freitag beginnen die Tests an Schulen

Dagmar Joseph (l.), didaktische Leiterin an der Fals, und die kommissarische Leiterin Mirjana Amtmann zeigen die Testkits. Foto: Christian Beier
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Dagmar Joseph (l.), didaktische Leiterin an der Fals, und die kommissarische Leiterin Mirjana Amtmann zeigen die Testkits.

Lehrer und Eltern kritisieren Ablauf des Verfahrens, Solinger CDU sieht „überhastete Einführung“.

Solingen. Um jedem Schüler bis zu den Osterferien einen Schnelltest anzubieten, hat das Land 1,8 Millionen Testkits angekündigt. Bis zum 23. März sollen sie an alle Schulen ausgeliefert sein. Mit der Friedrich-Albert-Lange-Schule (Fals) hat eine der ersten Schulen bereits am Dienstag die Pakete erhalten.

„1550 Tests liegen vor, in 25er-Paketen abgepackt“, hat Dagmar Joseph, didaktische Leiterin an der Fals, die Lieferung gesichtet. An der Walder Gesamtschule wird man am Freitag mit den ersten Tests beginnen. „Da die Schüler der Sekundarstufe I ja im wochenweisen Wechsel unterrichtet werden, hat unsere Gruppe B am Freitag den letzten Schultag vor den Osterferien“, erklärt Dagmar Joseph. In der kommenden Woche ist dann die Gruppe A in der Schule und wird ihre Tests machen. Am Mittwoch wurden die Eltern per Elternbrief informiert.

So sinnvoll die Solinger Pädagogen regelmäßige Tests einschätzen, so kritisch stehen viele von ihnen dem jetzt gewählten Verfahren gegenüber. Es seien noch viele Fragen ungeklärt. Wie etwa gehen die Gesundheitsämter mit einem Positiv-Ergebnis um, wenn die Schüler gemeinsam im Raum saßen, während sie 20 Minuten auf ihr Testergebnis warteten – ist das dann schon ein Quarantänefall?

Solingen: Widerspruch einlegen, falls Kind nicht getestet werden soll

In den Solinger Schulen hätte man sich gewünscht, dass die Kinder und Jugendlichen ihren Test vor Schulbeginn zu Hause machen können – unter Aufsicht der Eltern statt der Lehrer. „Es ist eine schwierige Situation, wenn ein Kind im Kreis der Mitschüler ein Positiv-Ergebnis erhält. Dieser Schreck-Moment gehört eigentlich im familiären Kreis aufgefangen“, betont Hans-Martin Rahe, Leiter der Albert-Schweitzer-Realschule.

Dort warte man noch auf die Zusendung der Materialien, habe zumindest aber schon einen Hinweis des Paket-Zustelldienstes bekommen, dass die Lieferung auf dem Weg sei. Um alle Schüler mit dem Test versorgen zu können, muss man auch an der ASS am Freitag die erste und am Montag die zweite Schülergruppe testen. „Auch unter den Schülern gibt es kritische Stimmen bezüglich dieser öffentlichen Vorgehensweise“, so Rahe.

Die Antigentests sind für alle Schüler ein freiwilliges Angebot. Eltern, die nicht möchten, dass ihr Kind getestet wird, müssen Widerspruch einlegen. Die Schüler wenden die Tests eigenständig an. „Dabei ist die Anleitung leider nicht kinderfreundlich“, bedauert Dagmar Joseph. An der Fals wird man zusätzlich ein Erklärvideo zeigen. Ausprobieren konnten die Lehrer den Test nicht – für sie ist kein Kit vorgesehen.

Solingen: Es fehlt eine Strategie – und Verbindlichkeit

Auch am Mittwoch warteten die meisten Schulen noch auf die Tests. „Da wir noch keine Ankündigung erhalten haben, wann die Pakete kommen, haben wir auch die Test-Termine in der Schule noch nicht festgelegt“, erklärt Ulrich Nachtkamp, Leiter des Gymnasiums Schwertstraße.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vermisst eine Teststrategie. Schüler und Lehrer würden mit den Selbsttests alleine gelassen. Auch fehlten Hinweise zur hygienischen Entsorgung des Test-Materials. Der Solinger VBE-Vorsitzende Jens Merten sieht die „Lolli-Tests“ als geeigneteren Weg gerade für Grund- und Förderschulen. „Für die Entwicklung dieser eigenen Strategie muss man der Stadt großes Lob aussprechen“, so Merten.

Verbindliche Corona-Regelungen für die Schulen wünscht sich der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann. „Einerseits sind die Schnelltests an vielen Schulen noch nicht angekommen, andererseits wissen die Kommunen nicht, ab welchem Inzidenzwert sie die Schul-Lockerungen zurücknehmen können.“

Auch die Solinger CDU kritisiert die „überhastete Einführung“ der Tests. „Grundsätzlich sind Selbsttests ein gutes Instrument, um das Infektionsgeschehen besser in den Griff zu bekommen“, so der schulpolitische Sprecher Torsten Küster. Sorge bereite ihm, dass die Schulen mit der Umsetzung alleingelassen werden. Auch er hält es für sinnvoller, die Tests zu Hause durchzuführen. „Gut wäre es, wenn die Ergebnisse aus diesem Testlauf bei weiteren Runden berücksichtigt würden“, hofft Mirjana Amtmann, kommissarische Leiterin der Fals.

Weiterer Todesfall

Eine weitere Person aus Solingen ist an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, handelt es sich dabei um eine Person, die älter als 65 Jahre und vorerkrankt war. Damit stieg die Zahl der Corona-Todesfälle seit Ausbruch der Pandemie auf 148.

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen

Standpunkt

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Irgendwie war es anders angekündigt. Erst sollten flächendeckende Tests für die Schüler vorhanden sein, dann sollten die Schulen geöffnet werden. Jetzt sitzen einige Kinder und Jugendliche schon seit dem 22. Februar wieder in den Klassen, die restlichen Jahrgänge sind in dieser Woche dazu gekommen. Und auf den letzten Drücker vor den Osterferien – denn für jeweils eine Klassenhälfte ist schon am Freitag der letzte Präsenztag – gibt es jetzt einen Schnelltest pro Schüler. Eltern, Lehrer und Schüler sind gleichermaßen verunsichert. Sinnvoller wäre es, die Tests frühzeitig und in ausreichender Menge bereitzustellen und den Schülern so regelmäßige Tests zu Hause zu ermöglichen – damit das Ergebnis vorliegt, bevor sie in den Bus steigen und sich in den Klassenraum setzen. Dann bliebe auch die große Aufregung erspart, wenn ein Kind sein positives Test-Ergebnis unter den Augen der Mitschüler erhält. Wohl gemerkt: Testen ist wichtig, um Infektionen früh zu entdecken und weitere Ansteckungen zu vermeiden. Aber die Tests müssen gezielt eingesetzt werden – und gehören nicht mit der Gießkanne verteilt oder beim Discounter verhökert.

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