Workshops und Vorträge

Altmeister erklärt die Magie der Bühne

Altmeister Roberto Ciulli (v. l.), Regisseur Andreas Schäfer, Kulturdezernentin Dagmar Becker sowie die Leiterin des Kulturmanagements Sonja Baumhauer bei der Eröffnung des Workshops. Foto: Christian Beier
+
Altmeister Roberto Ciulli (v. l.), Regisseur Andreas Schäfer, Kulturdezernentin Dagmar Becker sowie die Leiterin des Kulturmanagements Sonja Baumhauer bei der Eröffnung des Workshops.

Regisseur Roberto Ciulli war in der Theaterwerkstatt zu Gast.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Zur ersten neu gegründeten Theaterwerkstatt kamen am Samstag 30 Bürgerinnen und Bürger im Kammermusiksaal des Solinger Theaters und Konzerthauses zusammen. Darunter Kulturschaffende wie Kulturinteressierte, Politiker, Gewerkschafter und Ökonomen. 15 Teilnehmer wurden vom Kulturmanagement nach Diversitätsgesichtspunkten eingeladen, weitere 15 konnten sich frei bewerben.

„Dieses Forum bietet Solingern die Möglichkeit, sich künftig aktiv in die Spielplangestaltung Theaters und Konzerthauses einzubringen“, erklärte Kulturdezernentin Dagmar Becker. „Mit dieser Beteiligungsorientierung beschreiten wir ganz neue Wege. Ziel ist ein abwechslungsreiches, ausgewogenes, qualitativ gutes Programm, das wir gemeinschaftlich erstmals für den übernächsten Spielplan gestalten wollen.“

Solinger Kultur litt stark unter Einsparungsmaßnahmen

Die Leiterin des Kulturmanagements, Sonja Baumhauer, hatte die Theaterwerkstatt initiiert und bedankte sich für das rege Interesse und Engagement der Solinger Bürger. „Wir erhielten schon im Vorfeld viel Unterstützung und sind erfreut, zu sehen, wie sehr die Solinger mit ihrer Kultur verbunden sind und wie sehr sie diese auch mitgestalten wollen. Nun sind wir bereit, unser Haus sozusagen als kulturelles Wohnzimmer der Stadt einzurichten und zu etablieren.“

Andreas Schäfer, Regisseur, Autor und Urgestein der Solinger Kulturszene, leitete die Veranstaltung. Zu Anfang ließ er die Geschichte des Solinger Stadttheaters Revue passieren. Ab 1808 traten als „Solingens kleines Welttheater“, wie Chronist Werner Müller es einmal bezeichnete, über das Stadtgebiet verteilt in zahlreichen Sälen und Gaststätten und in den Schützenburgen Theatergruppen und Chöre auf. Nachdem die Stadthalle am Schlagbaum ab 1933 von den Nazis zur Propaganda missbraucht wurde, feierte sie 1946 als Kulturstätte Wiedereröffnung.

1957 abgebrannt, weihte man 1963 das heutige Theater und Konzerthaus ein. Prägend für das rege Kulturleben von den 1950er bis in die 1980er Jahre war Kulturamtsleiter Hans Demmer. „Ab 1992 litt die Solinger Kultur stark unter Einsparungsmaßnahmen. Vor allem der Bereich Schauspiel wurde stark zusammengekürzt. Große Gastspiele waren finanziell nicht mehr tragbar.“

Anschließend ging der italienische Altmeister Roberto Ciulli als Gastredner in seinem Vortrag zur „Magie des Theaters“ weit in die Theatergeschichte zurück. Der 87-Jährige gehört zu den wichtigsten Theatermachern Europas. Er ist Gründer des Theaters an der Ruhr. Unvergessen in Solingen: seine Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ vor ausverkauftem Haus.

„Das moderne Autorentheater wurde vor rund 2000 Jahren in Griechenland entwickelt und ist somit relativ jung“, sagte er. Davor diente das Theater keinen ästhetischen Zwecken, sondern rein der Wissensvermittlung. „Dabei reicht der eigentliche Beginn 40 000, wenn nicht 50 000 Jahre zurück, als der Homo Sapiens begann, Jagdszenen an die Wände seiner Höhlenbehausungen zu malen“, erklärte Ciulli. „Das erste Theater war eine Höhle. Darin schuf der Mensch. . . keine realistischen Bilder, sondern er entwarf Szenen in die Zukunft.“ Dies entspreche einem Ur-Anliegen des Theaters: der Entwurf von Utopien und Visionen, um so ein Geschehen in Gang zu setzen, in dem menschliche Gesellschaften sich dorthin entwickeln, wo sie noch nicht sind. Den Begriff des Schauspielers stellt Ciulli in Frage. „Man sollte ihn nicht Spieler, sondern Handelnder oder Akteur nennen. Bei Shakespeares Hamlet etwa geht es ja nicht darum, dass der Akteur die Rolle des Hamlet interpretiert.“ Er inkarniere vielmehr den Text, bis dieser „zu Fleisch und Blut wird“.

Nach einer Pause nahmen die Teilnehmer an verschiedenen Workshops teil. Viele Ideen und Entwürfe wurden zusammengetragen. „Das Solinger Theater sollte ein eigenes Profil erhalten, mit dem es sich gegenüber umliegenden Theatern in Essen oder Düsseldorf behauptet“, wurde vorgeschlagen. Die Chöre sollen mehr in die Stadtkultur integriert werden, und die Kultur solle sich verstärkt Kindern und Jugendlichen öffnen, aber auch mehr zeitgenössischen Formen, waren weitere Vorschläge. Kultur müsse für alle Schichten zugängig und auch bezahlbar sein. „Weg vom Kulturtempel – hin zum Ort der Begegnung.“

Integration

Regisseur Andreas Schäfer merkte an, dass sich die Stadt in den letzten 40 Jahren soziokulturell verändert habe. „35 Prozent der Bürger haben einen Migrationshintergrund. So kommt dem Kulturbetrieb auch die Integration als Aufgabe zu.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet

Kommentare