Pogromnacht

Alter Bunker wird ein Ort der Erinnerung

Beim Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 berichtete OB Tim Kurzbach erstmals, dass die Stadt den Bunker erwarb und zu einem Erinnerungsort umgestalten will. Foto: Christian Beier
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Beim Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 berichtete OB Tim Kurzbach erstmals, dass die Stadt den Bunker erwarb und zu einem Erinnerungsort umgestalten will.

Der Erwerb des Betonklotzes an der Malteserstraße kostet die Stadt nichts.

Von Philipp Müller

Solingen. Geld hat die Stadt nicht aufgewendet, um den alten Bunker an der Malteserstraße zu kaufen. Zur Übernahme angeboten wurde der Betonklotz, der am gleichen Ort steht, an dem die Nazis 1938 die Synagoge ansteckten und niederbrennen ließen, vom Bundesamt für Immobilienaufgaben (BlmA). Dies geschah schon 2020. Die Stadt griff zu, denn dort soll ein Ort der Erinnerung entstehen. Das hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) erstmals anlässlich des Gedenkens an die Solinger Opfer der Pogromnacht am 9. November vor dem Bunker mitgeteilt.

„Es soll ein Prozess in Gang gesetzt werden, der jüdisches Leben in Solingen wieder sichtbar macht“, erklärt dazu Stadtsprecherin Sabine Rische. Dazu seien bereits im September Fördermittel aus dem Topf „Heimatwerkstatt“ aus dem Heimatprogramm NRW beantragt worden. Damit ermöglicht das Land NRW, solche Ideen auch fundiert umzusetzen. Als „Topographie der Erinnerung“ solle die Zeit des Nationalsozialismus in besonderer Form aufbereitet und dargestellt werden. Dabei werden nach Rathausangaben nicht nur die verschiedenen Orte, die jetzt schon existieren, miteinander in Verbindung gebracht, in der Diskussion sollen weitere Orte definiert und ins Bewusstsein gerückt werden.

Zu den Motiven des Kaufs sagt die Stadtsprecherin: „Im März 2022 begehen wir in Solingen den 150. Jahrestag der Einweihung der neuen Synagoge an der Malteserstraße. Das ist Grund und Anlass, einen Blick auf jüdisches Leben in Solingen zu werfen, sich damit auseinanderzusetzen.“

Da der Bunker beim Erwerb nichts gekostet habe, brauchte es dazu auch keinen politischen Beschluss im Vorfeld. Das Rathaus erklärt, dass sich im Prozess ergeben habe, dass die Stadt ihn kostenfrei übernehmen kann. „Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Bunkers hat die Stadt gegenüber dem BlmA eine Zweckerklärung abgegeben“, erläutert Rische. Laut „Richtlinie des BlmA zur verbilligten Abgabe von Grundstücken“ sei eine Kaufpreisermäßigung erlaubt gewesen. Genau diese Zweckerklärung führte schließlich dazu, dass der Kaufpreis auf 0 Euro gemindert wurde und damit der städtische Haushalt nicht belastet wird. Der Kaufvertrag wurde im Dezember 2020 beurkundet.

Bürger werden an der neuen Gestaltung des Bunkers beteiligt

Wie der neue Zweck umgesetzt wird, ist hingegen noch teilweise offen und hängt von der Förderung durch das Land ab. Die Umgestaltung sei in das Programm „City 2030“ aufgenommen, erklärt die Rathaussprecherin. Die „Heimatwerkstatt“ biete Möglichkeiten, den Beteiligungsprozess und die Ideenfindung zu organisieren. „Eine Auftaktveranstaltung wird es voraussichtlich Anfang März 2022 geben.“

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