Girls’ und Boys’ Day

Aktionstag soll Geschlechterklischees aufbrechen

Im Städtischen Klinikum erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Girls’ und Boys’ Einblicke in die Arbeit mit Patienten. Hier probieren sich Tim Sibum (l.) und Demir Can aus.
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Im Städtischen Klinikum erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Girls’ und Boys’ Einblicke in die Arbeit mit Patienten. Hier probieren sich Tim Sibum (l.) und Demir Can aus.

Solinger Unternehmen präsentieren sich beim Girls’ und Boys’ Day den Fachkräften von morgen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Wie funktioniert eine Reanimation? Wie lassen sich Patienten mobilisieren? Was ist beim Anlegen eines Gips’ zu beachten? Mit Fragen wie diesen setzten sich am Donnerstag 23 Schülerinnen und Schüler, vorwiegend Jungen, im Städtischen Klinikum auseinander. Sie nahmen am Girls’ und Boys’ Day teil.

Das erste Mal seit 2019 konnte der jährliche Aktionstag wieder in gewohnter Form stattfinden. Mädchen erhielten die Möglichkeit, mehrheitlich von Männern ausgeführte Berufe kennenzulernen – Jungen durften sich in Jobs ausprobieren, die vor allem mit Frauen assoziiert werden.

80 Prozent der Pflegekräfte im Klinikum sind weiblich, schätzte Gleichstellungsbeauftragte Dorothea Grabe. Um die Quote männlicher Kollegen zu erhöhen, wurde beim Boys’ Day das Berufsbild Pflegefachmann vorgestellt. In praktischen Übungen konnten sich die Schüler selbst ausprobieren. In der Akademie für Gesundheitsberufe zeigte ihnen Laurenz Heidermann unter anderem, wie man einen Gips anlegt. Zudem beantwortete der stellvertretende leitende Ambulanzpfleger Fragen zu Verletzungen, dem Schockraum und der Arbeit in der Notaufnahme. „Ein männliches Beispiel hilft natürlich, das Interesse zu wecken“, betonte Grabe.

Solingen: In vielen IT-Berufen sind Bewerberinnen Mangelware

Bei den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam das Programm an. „Das hat Spaß gemacht und neue Perspektiven aufgezeigt“, sagten die Geschwister Ayca Bagci sowie Ilyas und Demir Can. Die 14-Jährigen besuchen das Gymnasium Vogelsang und wissen bereits genau, was sie nach der Schule machen möchten: Medizin studieren, um als Chirurgen zu arbeiten. Der Girls’ und Boys’ Day habe ihnen die Möglichkeit eröffnet, sich vor Ort über die Arbeit im Krankenhaus zu informieren.

Im Bechtle IT-Systemhaus im Gewerbegebiet Piepersberg zeigten Geschäftsführer Bernhard Margos und seine Kollegen 16 Schülerinnen aus der Region Karrieremöglichkeiten in der IT-Branche auf.

Diese Chance nutzte auch Tim Sibum. Der 12-Jährige war für den Aktionstag von Frechen nach Solingen gekommen. „Ich interessiere mich für Berufe, in denen man mit Menschen arbeitet und ihnen helfen kann“, sagte der Gymnasiast. Ob er nach der Schule im Krankenhaus arbeiten möchte, wisse er noch nicht. Momentan sei er eher an einem Job bei der Feuerwehr interessiert.

Für das Klinikum sei der Aktionstag eine gute Gelegenheit, sich den Fachkräften von morgen vorzustellen, betonte Dorothea Grabe. „Wir versuchen so früh wie möglich, mit ihnen in Kontakt zu kommen.“ Vor diesem Hintergrund sei wichtig, dass der Girls’ und Boys’ Day wieder vor Ort stattfinden konnte: „In Präsenz hat das eine andere Dynamik.“

Dieser Einschätzung stimmte Bernhard Margos zu. Er ist Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhauses Solingen. 16 Schülerinnen aus der Region informierten sich am Donnerstag im Gewerbegebiet Piepersberg über Karrieremöglichkeiten in der IT-Branche. „Es gibt Bereiche, da erreicht uns bei Stellenausschreibungen keine einzige Bewerbung einer Frau“, erklärte Margos. Der Girls’ Day könne einen kleinen Beitrag dazu leisten, das zu ändern.

Für die Organisation war Hanane Ben Aomar, Assistentin der Geschäftsführung, verantwortlich. Die Teilnehmerinnen erhielten einen Einblick in die Arbeit von Bechtle. Und sie durften selbst aktiv werden. Sie beschäftigten sich etwa mit dem Innenleben eines Computers und der Entwicklung einer App, setzten eine Datenbank auf. „Wir behandeln auch IT-Sicherheit und wollen auf Datenschutz in Sozialen Netzwerken hinweisen“, führte Ben Hanane Aomar aus.

Zehn bis zwölf junge Menschen beginnen bei Bechtle in Solingen pro Jahr eine Ausbildung. Diese Zahl sei notwendig, um den Fachkräftebedarf zu decken. Am Piepersberg beschäftigt das Unternehmen Margos zufolge rund 190 Mitarbeiter – Tendenz steigend. Neben Ausbildung nimmt deshalb die Qualifizierung von Quereinsteigern eine wichtige Rolle ein. Fünf Prozent der Belegschaft mache diese Gruppe inzwischen aus. Margos ist überzeugt: „Wer den Fachkräftemangel beklagt, hat keine Initiative ergriffen.“

Feuerwehr

Rund 120 000 Schülerinnen und Schüler haben sich für die bundesweit etwa 11 000 Angebote am Girls’ und Boys’ Day angemeldet. Auch die Solinger Berufsfeuerwehr war nach zweijähriger Corona-Pause wieder dabei. Zwölf Mädchen im Alter von zwölf bis 14 Jahren lernten das Berufsbild in der Feuer- und Rettungswache III in Wald kennen, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Nach einem theoretischen Teil konnten sie die Arbeit der Feuerwehr an zehn Stationen praktisch erleben.

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