Aktion in Solingen hatte weiteren Hintergrund

Bundesweite Aktion gegen Gewalt im Beruf

Die bergischen Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes machten Halt am Klinikum. Foto: Christian Beier
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Die bergischen Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes machten Halt am Klinikum.

Gewerkschafter machen auf Anfeindungen aufmerksam.

Von Anna Lauterjung

Solingen. Am Samstagmorgen machten die Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes aus Solingen, Wuppertal, Mettmann und Remscheid auf ihrer Fahrradtour Halt am Städtischen Klinikum, um auf die bundesweite Aktion „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ aufmerksam zu machen. „Die Gewalt gegen Beschäftigte hat in der letzten Zeit zugenommen“, berichtet Peter Horn, Vorsitzender des Solinger DGB. Horn und seine Kollegen waren gekommen, um den Angestellten im Klinikum zuzuhören und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

„Gewalt ist keine Seltenheit mehr.“

„Gewalt ist keine Seltenheit mehr.“

Auch am Städtischen Klinikum ist das Problem bekannt, dass die Gewalt gegenüber den Beschäftigten zunimmt. Betriebsrätin Ursula Weigert beobachtet dies vor allem im Rettungsdienst, in der Ambulanz und der Information. Weigert: „Die, die an der Eingangstüre stehen, werden immer wieder mit Gewalt konfrontiert.“

Vor der Corona-Pandemie seien Forderungen nach Security-Personal immer wieder auf taube Ohren gestoßen und selbst nach der Einführung des Sicherheitspersonals seien die Stellen aus Kostengründen wieder gekürzt worden. „Bei der Information entstehen durch die betriebliche Unterbesetzung oft lange Wartezeiten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrates, Ali Dogan. Ihren Frust ließen die Besucher und Patienten dann an den Mitarbeitern aus.

„Gewalt ist keine Seltenheit mehr“, beobachtet auch der neue Geschäftsführer des Klinikums, Martin Eversmeyer. Er befürwortet die Aktion des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ihm ist wichtig, alles zu tun, um die Beschäftigten zu schützen. Doch nicht alles lasse sich verhindern.

Die Aktion hatte in Solingen noch einen anderen Hintergrund. Sie sollte zusätzlich noch einmal auf die Bedeutung eines Städtischen Klinikums aufmerksam machen. Die Beschäftigten leisteten eine „super Arbeit“, betont Horn. Neben der Rundum-Versorgung habe das Klinikum auch in der ersten Welle der Corona-Pandemie wichtige Notbetten zur Verfügung stellen können und die Kapazitäten ausgebaut. Die Mitarbeiter gehen jeden Abend erschöpft nach Hause, beobachtet Anke Jahncke, Vorsitzende des Betriebsrates.

Prozesse müssten optimiert werden. Doch es gebe ein Umsetzungsproblem und die finanzielle Sanierung des Klinikums solle nicht durch Outsourcing und betriebsbedingte Kündigungen realisiert werden. Jahncke: „Es ist unser Krankenhaus, und das muss es auch bleiben.“ Auch Horn sieht einen Sanierungsprozess als wichtig an. Doch dieser dürfe nicht auf dem Rücken der Frauen und Teilzeitbeschäftigten unter anderem in der Wäscherei geschehen. „Ich bin hier hingekommen, um das Krankenhaus kommunal zu erhalten“, so Eversmeyer. Erste Konzepte für die Modernisierung, Leistungssteigerung und Umstrukturierung des Städtischen Klinikums sollen Ende des Jahres stehen.

Die bundesweite Aktion des Deutschen Gewerkschaftsbundes richtet sich nicht nur an Mitarbeiter der Kliniken, sondern auch an andere Beschäftigte unter anderem im Öffentlichen Dienst. Auch städtische Angestellte und Busfahrer seien immer öfter Gewalt ausgesetzt, bedauert Horn. Zudem habe er beobachtet, dass durch die Corona-Krise auch die Stimmung gegenüber Mitarbeitern im Einzelhandel gekippt sei.

Umfrage

In einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes berichteten 67 Prozent der Angestellten im Öffentlichen Dienst von Respektlosigkeit und Gewalt im Beruf. Die Aktion „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ soll auf das Problem aufmerksam machen.

https://mensch.dgb.de/

Das Städtische Klinikum will für seine Patienten und Mitarbeiter zukunftsweisend sein. Vor diesem Hintergrund werden in dem Bettenhaus E nach und nach die Stationen umfangreich saniert.

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