Gegen Antisemitismus

Aktion: Flagge zeigen für jüdisches Leben

Daniela Tobias (vorne v. l.), Jürgen Kaumkötter, Sylvia Löhrmann und Leonid Goldberg zeigen die Fahne der Aktion „Flagge zeigen für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“. Foto: Tim Oelbermann
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Daniela Tobias (vorne v. l.), Jürgen Kaumkötter, Sylvia Löhrmann und Leonid Goldberg zeigen die Fahne der Aktion „Flagge zeigen für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“.

Viele Solinger Akteure beteiligen sich am Bekenntnis gegen Antisemitismus.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Freitag fiel im Zentrum für verfolgte Künste der regionale Startschuss für eine am Samstag, 11. Dezember, bundesweit laufende Aktion. Die Generalsekretärin des Vereins 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben, die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW Sylvia Löhrmann (Grüne), stellte die Aktion „Flagge zeigen für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“ im Detail vor.

Am Samstag und teilweise schon seit den Tagen zuvor werden und wurden rund 1700 Flaggen im gesamten Bundesgebiet gehisst. Anlass ist die erste Erwähnung jüdischen Lebens vor 1700 Jahren in Köln (siehe unten).

Junge Juden wollen als Lebende und nicht als Überlebende wahrgenommen werden.

Sylvia Löhrmann, Generalsekretärin

Das sich dem Ende neigende Festjahr habe drei Ziele, die mit der Flaggenaktion nochmals unterstrichen werden sollen, erklärte Löhrmann. Das Judentum habe konstitutive Bedeutung für Deutschland, es solle und müsse ein klares Zeichen gegen den Antisemitismus gesetzt werden. Das liege auch am dritten, ihr ganz wichtigem Grund: „Junge Juden wollen als Lebende und nicht als Überlebende wahrgenommen werden.“

Der Ort Zentrum für verfolgte Künste war wohl gewählt. Denn das Museum wider das Vergessen verfolgter Künstlerinnen und Künstler mit Schwerpunkt auf die Zeit des Naziterrors hatte mit der digitalen Ausstellung „7Places.org“ das Thema des jüdischen Lebens seit 1700 Jahren stellvertretend an sieben Orten in Deutschland im Festjahr sichtbar gemacht. Mehr als eine halbe Millionen Besucher weltweit konnte die Ausstellung bereits im Internet begrüßen. Sie läuft gerade als echte Schau in Hongkong. Auf Wunsch des deutschen Generalkonsuls in Los Angeles, USA, soll sie dann dort und in drei weiteren US-Bundesstaaten gezeigt werden, berichtete Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter.

An der Aktion der Flaggen beteiligen sich drei Einrichtungen in der Klingenstadt – neben dem Zentrum für verfolgte Künste und der Stadtbibliothek auch die Solinger Stadtverwaltung. Die Fahne des Festjahres soll am Samstag vor dem Rathaus wehen. Für Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) sei das ein wichtiges Signal, teilte das Rathaus mit.

Der OB erklärte, wir sollten „nicht nur dann vom jüdischen Leben erzählen, wenn wir wieder einmal eine Mahnwache abhalten müssen“. Die Stadt hatte zuletzt den Bunker an der Malteserstraße gekauft, dem Standort der Synagoge, die 1938 von den Solinger Nazis angesteckt wurde und niederbrannte. Dort soll jüdisches Leben künftig wieder sichtbarer werden – auch das Leben der jüdisch gläubigen Bürger die am Samstag in der Klingenstadt wohnen, leben und arbeiten.

Leonid Goldberg, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde im Bergischen Land, bedankte sich für das Engagement. Löhrmann verwies darauf, wie breit das Festjahr Partner gefunden habe. In Solingen zeigt aktuell die Galerie der Solinger im Künstler im Südpark Kunst aus Solingens israelischer Partnerstadt Ness Ziona. Der Förderverein für die Partnerschaft setzte mit Hilfe der Verkehrsbetriebe um, dass zwei O-Busse mit dem Schriftzug „Shalom“, hebräisch für Frieden, beschriftet werden. In Wuppertal-Vohwinkel solle der Bus symbolisch bald der Schwebebahn begegnen, die den gleichen Schriftzug trägt, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Bernd Krebs.

Löhrmann gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich das alles über das Jahr 2021 hinaus verstetige. So gibt es in der Stadtbibliothek ein Regal mit Büchern von Autoren, deren Werke 1933 von den Nazis verbrannt worden waren. Der Verein Max-Leven-Zentrum organisiert Stadtrundgänge zu Orten, wo früher jüdisches, von den Nazis zerstörtes Leben herrschte.

Bundesweit wehen die Flaggen

Bundesweit werden in diesem Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert. Das Festjahr #2021JLID erreicht am Samstag, 11. Dezember, einen besonderen Höhepunkt: Genau an diesem Tag vor 1700 Jahren erließ der römische Kaiser Konstantin ein Gesetz, das besagte, dass Juden städtische Ämter in den Kurien, den römischen Stadträten, bekleiden durften und sollten. Es ist das früheste schriftliche Zeugnis über jüdisches Leben in Mittel- und Nordeuropa.

Stadt kauft Bunker - Jüdisches Leben soll in Solingen sichtbarer werden.

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