Corona-Impfung

Ärzte begrüßen Freigabe von Astrazeneca

Solinger Ärzte begrüßen die Freigabe von Astrazeneca.
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Solinger Ärzte begrüßen die Freigabe von Astrazeneca.

Impftermine, die nicht wahrgenommen werden können, sollten unbedingt vorher abgesagt werden.

Dr. Stephan Kochen vom Praxisnetzwerk Solimed.

Solingen. „Sehr erfreut“ nähmen die rund 70 Solinger Haus- und Fachärzte, die sich an der Corona-Schutzimpfung beteiligen, die Freigabe des Impfstoffs von Astrazeneca und seit Montag auch des Herstellers Johnson & Johnson zur Kenntnis, berichtet Dr. Olivier Weh-Gray, Sprecher der Solinger Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Anders als Astrazeneca muss das Präparat von Johnson & Johnson nur einmalig verimpft werden. „Für uns ist es ein positives Signal, dass nun auch Leute geimpft werden können, die jünger als 60 Jahre und nicht priorisiert sind.“ Nachdem das Vakzin von Astrazeneca zuletzt wegen sehr seltener Komplikationen in die Schlagzeilen geraten war, blieben bundesweit große Mengen des Impfstoffs in den Praxen liegen und mussten verworfen werden.

„So etwas ist in Solingen zwar auch vorgekommen, aber nur in kleinerem Umfang“, so Weh-Gray. Ohne die Schicksale der von den Nebenwirkungen betroffenen Patienten kleinreden zu wollen, sei die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering und liege bei gerade 0,00011 Prozent. „Bislang gab es 67 Thrombosefälle, von denen 14 tödlich endeten bei bislang sieben Millionen Impfungen“, erinnert Weh-Gray. „Natürlich ist jeder einzelne Fall einer zu viel. Allerdings können wir bei einer Komplikationsdiagnose inzwischen viel gezielter reagieren. Da hat sich schon einiges verbessert.“

Solingen: Hausarzt plädiert für die Aufhebung der Impfpriorisierung

Er plädiere zudem dafür, die Priorisierung jetzt komplett aufzuheben – dies sei nun der pragmatischste Weg, um die Immunisierung der Bevölkerung schneller voranzutreiben. Impfwillige sollten laut Weh-Gray mehrgleisig fahren und nicht nur auf einem Weg versuchen, einen Termin zu ergattern. Neben den Hausärzten beteiligen sich auch viele Fachärzte wie etwa Gynäkologen, Chirurgen sowie Kinder- und HNO-Ärzte an den Impfungen.

„Wir können nur einmal in der Woche impfen“, sagt Weh-Gray für seine eigene Praxis. „Corona ist derart dominant geworden, dass wir manchmal daran erinnern möchten, dass wir uns auch noch um andere Dinge kümmern müssen.“

Solinger Ärzte raten: Bei Astrazeneca sollte der Abstand zwölf Wochen betragen

Mit der Freigabe von Astrazeneca verknüpfen wohl viele Bürger, die bereits ihre Erstimpfung erhalten haben, die Hoffnung, nun auch früher ihre zweite Impfung zu erhalten und dadurch schneller die Freiheiten von vollständig Geimpften zurückzuerlangen. Lag der vorgegebene Zeitraum auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zwischen der ersten und zweiten Impfung für Astrazeneca bislang bei zwölf Wochen, kann das Intervall nun auf neun, theoretisch sogar bis auf vier Wochen verkürzt werden. Davon rät Dr. Stephan Kochen, Sprecher des Praxisnetzwerks Solimed, aber dringend ab: „Vier Wochen sind definitiv zu früh. Grundsätzlich empfehlen wir, den empfohlenen Abstand von zwölf Wochen auch einzuhalten.“ Denn der Impfschutz sei bei einem kürzeren Abstand zwischen den beiden Impfungen etwas geringer.

Wir empfehlen, den Abstand von zwölf Wochen einzuhalten.

Dr. Stephan Kochen, Solimed

Auch beobachte er einen bedenklichen Trend: „Die Leute lassen sich teilweise nicht impfen, um gut gegen eine Infektion geschützt zu sein, sondern um früher in den Urlaub fahren zu können.“ Wichtig sei vor allem, dass die Solinger einen Impftermin, den sie nicht wahrnehmen können, unbedingt absagen.  „Wir hatten an einem Tag im Impfzentrum 80 nicht eingehaltene Impftermine ohne vorherige Absage zu verzeichnen. Das stellt uns wirklich vor Probleme.“ An jenem Tag sei es durch den engagierten Einsatz mehrerer Ärzte dennoch gelungen, alle Dosen zu verimpfen.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung appelliert an die Bürger, einen vereinbarten Termin für die Zweitimpfung nicht zu verschieben. Bei besonderem Bedarf sei dies bei der KV aber unter der Hotline Tel. 0800 116 117 01 möglich. Das Impfzentrum könne einmal vereinbarte Termine aus logistischen Gründen hingegen gar nicht verlegen, bedauert Rathaussprecherin Sabine Rische. „Der logistische Aufwand dafür wäre einfach zu hoch.“

Hintergrund

Gut 400 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson, mit dem nur eine einmalige Impfung erforderlich ist, wurden in Solingen bereits an Menschen in prekären Lebenslagen wie etwa Wohnungslose verimpft. Die Hausärzte haben diesen Impfstoff bislang noch nicht erhalten.

Standpunkt: Priorisierung aufheben

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Dies gilt auch für den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), den vorgesehenen Abstand von zwölf Wochen zwischen den Corona-Schutzimpfungen mit Astrazeneca deutlich zu verkürzen. Nicht nur, dass dies den Impfschutz leicht verschlechtert – es stellt auch Impfzentren und Hausarztpraxen vor große organisatorische Probleme, wenn einmal vereinbarte Termine für Zweitimpfungen wieder verlegt werden und für den neuen Tag Impfstoff bereitgestellt werden muss. Da tun betroffene Bürger gut daran, es bei ihrem alten Termin für die Zweitimpfung zu belassen und sich im Zweifel besser noch ein paar Wochen länger zu gedulden. Die Freigabe der Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson markiert hingegen einen Schritt in die richtige Richtung, wenngleich es nun an der Zeit wäre, die Schranken der Priorisierung vollständig fallenzulassen. Zu Beginn der Impfungen war das Ansinnen, Patienten mit einem höheren Infektionsrisiko als Erste zu impfen, sicherlich sinnvoll und solidarisch. Doch der Gerechtigkeitsanspruch darf jetzt nicht zum bürokratischen Hindernis werden.

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