Räderhersteller

Accuride will massiv Stellen streichen

Dem Solinger Standort von Accuride an der Weyerstraße drohen in den nächsten Monaten deutliche personelle Einschnitte. Foto: Uli Preuss
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Dem Solinger Standort von Accuride an der Weyerstraße drohen in den nächsten Monaten deutliche personelle Einschnitte.

Der Solinger Räderhersteller schließt zudem seine Lehrwerkstatt. Gewerkschaft kritisiert gebrochene Versprechen der Eigentümer.

Von Stefan Prinz

Bei Accuride an der Weyerstraße in Solingen geht die Angst vor Arbeitsplatzverlust um: Nach Informationen unserer Zeitung will das Unternehmen, das früher Kronprinz hieß, im Laufe dieses Jahres 13 Prozent der insgesamt 500 Stellen am Standort Solingen abbauen – das sind 65 Stellen. Zudem gibt es Pläne, im nächsten Jahr eine komplette Fertigungslinie für Pkw-Räder zu schließen. Davon könnten dann weitere 70 Stellen betroffen sein. Der Stellenabbau in diesem Jahr soll sozialverträglich erfolgen – unter anderem über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen.

Standpunkt von Stefan Prinz

Damit aber nicht genug: Weiterhin sollen in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten in der Firma keine neuen Auszubildenden eingestellt werden. Die traditionsreiche Lehrwerkstatt des Unternehmens soll sogar vollständig geschlossen werden.

Sollten in Zukunft doch nochmal neue Auszubildende eingestellt werden, sollen diese in der städtischen Ausbildungswerkstatt Krahenhöhe unterrichtet werden, heißt es aus informierten Kreisen.

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Die Unternehmenspläne und der Stellenabbau stehen offensichtlich im Zusammenhang mit den Plänen der neuen US-amerikanischen Eigentümer, möglichst sortenreine Standorte zu organisieren.

Solingen wird vor diesem Hintergrund offensichtlich ausschließlich auf die Produktion von Lkw-Felgen ausgerichtet. Die Herstellung von Pkw-Rädern werde hingegen immer stärker nach Frankreich verlagert. Das Unternehmen hat sich auf Nachfrage unserer Zeitung bisher nicht zu den Plänen geäußert.

Bei einer Betriebsversammlung am Dienstag sei großer Frust in der Belegschaft spürbar gewesen. Ein Austausch von Informationen zwischen den Mitarbeitern und den Eigentümern finde nahezu überhaupt nicht statt, heißt es aus der Belegschaft.

IG Metall übt deutliche Kritik

Heftige Kritik an den Unternehmensvorhaben kommt von der Gewerkschaft: „Die Pläne zur Schließung der Lehrwerkstatt sind unternehmerisch kurzsichtig und zum Schaden des Standortes“, sagt Marko Röhrig, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Remscheid-Solingen. Die Amerikaner hätten bei der Übernahme des Standortes die Bedeutung der Ausbildung hervorgehoben und deren Fortführung versprochen. „Dies sind gebrochene Versprechen“, so Röhrig.

Der Solinger Stahlrad-Hersteller Mefro Wheels (Mutterkonzern von Kronprinz) war erst im vergangenen Jahr von seinem größten US-amerikanischen Konkurrenten Accuride gekauft worden.

Bei Mefro Wheels seien in den vergangenen Jahren „ein paar Dinge nicht gut gelaufen“, bilanzierte Scott D. Hazlett, Europa-Präsident von Accuride, im vergangenen Sommer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Solingen. Mefro Wheels habe jahrelang zu wenig in Personal und Produktionsanlagen investiert und auch zu wenig Überschuss erwirtschaftet.

So habe beispielsweise das Werk Solingen im Jahr 2017 rund 178 Millionen Euro Umsatz und nur 3,1 Millionen Euro Gewinn vor Steuern gemacht. Accuride erwirtschaftete trotz geringeren Umsatzes im gleichen Zeitraum den vierfachen Gewinn.

UNTERNEHMEN

ACCURIDE Accuride ist ein weltweit agierender Konzern mit 15 Werken und 5000 Mitarbeitern. Eins dieser Werke ist der Standort Solingen (früher Kronprinz) mit 500 Mitarbeitern.

KRONPRINZ Das Unternehmen Kronprinz wurde 1897 in Ohligs gegründet. 1930 begann die Fertigung von Stahlrädern. 2001 wurde die Aluminiumrad-Sparte an die Borbet-Gruppe verkauft. Am 1. Januar 2005 wurde Kronprinz von Mefro Wheels übernommen.

Dieses Erfolgskonzept wollte Accuride auch auf den neuen Solinger Unternehmensstandort übertragen, um das Werk profitabler zu machen. Das sei allerdings nicht einfach: Denn die Solinger produzieren ausschließlich Stahlräder. In diesem Bereich gebe es weltweit ein Überangebot. Wohingegen der Bereich der Aluminium-Räder-Produktion wachse.

Eines machten die Amerikaner im vergangenen Jahr in der Klingenstadt deutlich: „Wir werden nur in profitable Unternehmenszweige investieren.“ Unrentable Bereiche würden geschlossen oder verkauft.

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