Bahnverkehr

Abgeordnete fordern Krisengipfel und Ersatzzüge für S 7

Zwischen Solingen und Remscheid fahren die Züge der S 7 jetzt wieder regelmäßiger – aber nur dort. Foto: Christian Beier
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Zwischen Solingen und Remscheid fahren die Züge der S 7 jetzt wieder regelmäßiger – aber nur dort.

Wegen Fahrwerkproblemen fahren die S-Bahnen nur noch zwischen Solingen und Remscheid – Ursache weiter unklar

Von Andreas Tews

Solingen. Die technischen Probleme an den Zügen der S-Bahn-Linie 7 sorgen weiter für Einschränkungen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) teilte mit, dass die Bahnen nur noch zwischen Solingen und Remscheid fahren – und das im 20-Minuten-Takt. Zwischen Wuppertal und Remscheid werden Ersatzbusse eingesetzt. In die Debatte um die S 7 und Betreiber Abellio schaltet sich jetzt auch die Politik ein. Der bergische Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU) fordert einen „Krisengipfel“. Für schnelle Lösungen – zum Beispiel mit Ersatzzügen der Deutschen Bahn (DB) – spricht sich die Solinger Landtagsabgeordnete Marina Dobbert (SPD) aus.

Abellio berichtet seit Wochen von einem ungewöhnlich hohen Verschleiß an den Radreifen der Züge. Darum seien derzeit nur noch drei Züge im Einsatz – statt der sonst üblichen neun. Bei der Ursachenforschung sind Abellio und die für die Schieneninfrastruktur zuständige DB noch nicht fündig geworden. Unklar ist, ob die Schäden auf Mängel an den Fahrzeugen oder an der Infrastruktur zurückzuführen sind. Laute Fahrgeräusche, die Anwohner der Bahnlinie seit vergangenem Jahr in Meigen hören, dürften laut Abellio allerdings nicht auf die Radreifen-Schäden zurückzuführen sein.

Der jetzt geltende eingeschränkte Fahrplan sorgt laut VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik zumindest für mehr Verlässlichkeit. Zudem seien vom Einsatz der Ersatzbusse zwischen Remscheid und Wuppertal weniger Fahrgäste betroffen, als es im anderen Abschnitt der Linie der Fall wäre.

Ein solcher „Schienenersatzverkehr“ dürfe nicht zur Dauereinrichtung werden, fordert die Landtagsabgeordnete Dobbert in einem Brief an den VRR. Nach ihrer Meinung könnten Ersatzzüge der DB für mehr Verlässlichkeit sorgen. Maßgebliche Akteure wie der VRR müssten jetzt handeln, schreibt Dobbert.

Ersatzkonzepte mit anderen Zügen kommen derzeit nicht in Frage

In den geforderten Ersatzzügen sieht der VRR allerdings derzeit keine Option. Solange nicht geklärt sei, ob der Verschleiß an den Zügen auf Schäden an der Infrastruktur zurückzuführen sei, seien „Ersatzkonzepte mit anderen Fahrzeugen nicht umsetzbar“, erklärt Sabine Tkatzik. Ein DB-Sprecher wollte den Ruf nach Ersatzzügen seines Unternehmens nicht kommentieren. Er verwies auf den VRR, der einen Vertrag mit Abellio habe.

Nach Meinung des Bundestagsabgeordneten Hardt erfordere die Situation die Einberufung eines „regionalen Krisengipfels“. Dabei müssten die drei bergischen Oberbürgermeister zusammen mit den Verantwortlichen Abellios, des VRR und der DB „rasch eine klare Perspektive für die Wiederaufnahme des Betriebes auf der kompletten Strecke“ erarbeiten, fordert Hardt.

Parallel bleibt die Sorge um die finanziellen Schwierigkeiten bei Abellio. Dazu sagte der DB-Sprecher auf Anfrage, dass es keine Regelung für eine Grundversorgung gebe, sollte Abellio pleite gehen. Dies sei anders als bei der Strom- oder Gasversorgung.

Standpunkt: Strukturelle Probleme

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Andreas Tews

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gehört – wie Kitas, Schulen, Straßen und das Gesundheitssystem – zur grundlegenden Daseinsvorsorge. Darum ist es schwer verständlich, dass das System der Regionalzüge und Linienbusse – wie die anderen genannten Bereiche auch – seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert ist. Der seit Monaten anhaltende Streit zwischen privaten Bahnunternehmen und den Verkehrsverbünden ist zwar auch ein Machtspiel, bei dem es um möglichst hohe Gewinne auf der einen und Streben nach Einsparungen auf der anderen Seite geht. Er zeigt aber auch, dass die Probleme des ÖPNV von struktureller Natur sind. Ein Notfallplan für die krisengeschüttelte S-Bahn 7 ist kurzfristig zwar wichtig. Dringend notwendig ist aber ein grundlegendes Umdenken. Der Staat muss seine Prioritäten stärker in den Bereichen setzen, die von existenzieller Bedeutung für die Menschen sind. Zu diesen alltäglichen Bedürfnissen gehört es, ohne ein Auto von A nach B zu kommen. Auch hierfür sollten sich diejenigen Abgeordneten einsetzen, die jetzt nach Krisengipfeln oder Ersatzzügen rufen.

Erst im Februar verlor die S 7 Getriebeöl in Solingen Grünewald.

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