Berufung

62 Katzen in einer Wohnung: 40-Jährige wehrt sich gegen Strafe

Das Wuppertaler Landgericht. Archivfoto: Leon Hohmann
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Das Wuppertaler Landgericht.

Berufungsprozess am Landgericht in Wuppertal um fünf Jahre Tierhaltungsverbot.

Von Dirk Lotze

Solingen. In einer Wohnung in Wald soll eine 40-Jährige 62 überwiegend kranke Katzen gehalten haben, ohne sich um die Tiere kümmern zu können. Die Frau kämpft vor dem Landgericht Wuppertal gegen eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung durch das Amtsgericht wegen Tierquälerei. Es geht für sie um zehn Monate Bewährungsstrafe und fünf Jahre Tierhaltungsverbot.

Bei einer Durchsuchung sollen Behörden reihenweise schwerkranke Tiere gefunden haben – mit verfilztem Fell, Entzündungen und Flohbefall. Die Wohnung soll von Katzendreck besudelt gewesen sein und gestunken haben. Die 40-Jährige bestreitet die bisherigen Annahmen zum Zustand ihrer Katzen und der Wohnung. Sie habe versucht, Tiere abzugeben, das habe aber nicht geklappt.

Ansteckende Katzenkrankheiten sollen sich in Wohnung in Solingen ausgebreitet haben

Die Angeklagte ist vorbestraft wegen Betrügereien. Laut früherem Urteil lebt sie von Sozialleistungen, sie selbst beschreibt sich als Züchterin. Auslöser des Verfahrens soll eine Katze gewesen sein, die sie 2017 an eine Kundin verkaufte. Das Tier sei als gesund beworben worden, tatsächlich aber vernachlässigt und krank gewesen. Es folgte die Durchsuchung im Dezember 2018. In einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer hätten sich 40 Tiere aufgehalten – teils abgemagert, teils mit krankhaft aufgeblähten Bäuchen. Ansteckende Katzenkrankheiten hätten sich ausgebreitet, fortpflanzungsfähige Tiere habe die Angeklagte nicht getrennt. Drei Katzen schläferten die Tierärzte ein, weil ihnen anders nicht mehr zu helfen war.

Als die Frau angab, sie habe kurz zuvor Katzen von ihrer Mutter übernommen, suchten die Ermittler umgehend auch deren Adresse auf. Sie verschafften sich Zugang und fanden mehr als 40 weitere Tiere, laut Berichten ebenfalls in schlechtem Zustand. Um die Tierhaltung der Mutter dreht sich ein eigenes Verfahren. Gegen die Angeklagte gibt es in einem anderen Prozess noch Betrugsvorwürfe: Sie soll ahnungslosen Kunden kranke Katzen als „gesund, gechippt, geimpft“ angeboten haben.

62 Katzen in Wohnung in Solingen: Anwalt fordert Freispruch oder viel mildere Strafe

Die Angeklagte gab zum Prozessbeginn im Landgericht an, dass das Landgericht die Erkrankungen bei der Durchsuchung falsch erfasst habe. Ihre Wohnung sei schmutzig gewesen, weil die Ermittler am Morgen gekommen waren, vor dem Putzen. Die Zahl der Tiere bestritt sie nicht. Zum Geruch gab sie an: „Selbst wenn Sie eine Villa haben: Irgendwo ist ein Raum mit 20 Katzentoiletten, und da stinkt es.“ Ihr Anwalt fügte hinzu, er verlange Freispruch oder eine viel mildere Strafe: „Wenn mal eine Katzen Schnupfen hat, dann rechtfertigt das nicht so eine überzogene Strafe.“

Das Gericht will am 9. September weiter verhandeln.

Es gibt eine Katzenschutzverordnung, die in Solingen gilt. Unter anderem sieht sie eine Kastrationspflicht für Freigänger vor.

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