Gastarbeiter

60 Jahre Anwerbeabkommen: Vom Vermissen und Ankommen

Schauspielerin Lilay Huser (l.) wird an einer Dialogrunde teilnehmen, Autorin Özlem Özgül Dündar liest persönliche Texte vor. Archivfotos: Stefan Fries/Christian Beier
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Autorin Özlem Özgül Dündar liest persönliche Texte vor.

Film, Lesung und Ausstellung würdigen 60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei

Von Andreas Erdmann

Solingen. 60 Jahre ist es her: Am 30. Oktober 1961 regelte das Auswärtige Amt in Bonn mit der türkischen Botschaft ein Dokument zur Entsendung von Gastarbeitern aus der Türkei nach Deutschland. „Dies war das sogenannte Anwerbeabkommen“, erläutert die Leiterin des Stadtdienstes Integration, Anne Wehkamp. „Wir nahmen das Jubiläum dieses wichtigen Ereignisses deutsch-türkischer Beziehungen zum Anlass für unsere Veranstaltungsreihe ‚Vom Gurbet zur Heimat – 60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei‘“.

Musa Kavalli und Diellza Reçica vom Stadtdienst Integration haben die Reihe federführend zusammengestellt und organisiert. „Das Wort Gurbet bedeutet Fremde und das schmerzhafte Gefühl des Vermissens von Heimat, eine tiefe Sehnsucht nach ihr“, beschreibt Musa Kavalli. „Es ist das Gefühl der Gastarbeiter, als sie die Türkei verließen. Erst im Lauf der Zeit fanden sie am neuen Ort eine neue Heimat.“

In Solingen betreffe dies nicht wenige Menschen, berichtet Diellza Reçica. „Mittlerweile leben in unserer Stadt rund 12 0000 Personen mit türkisch-deutscher Familiengeschichte“. Die Klingenstadt mit ihrer international erfolgreichen Produktion von Schneidwaren profitierte von Anfang an sehr vom Anwerbeabkommen und den neuen Arbeitskräften.

Schauspielerin Lilay Huser wird an einer Dialogrunde teilnehmen.

Film: Die Veranstaltungen zum Jubiläum beginnen am Mittwoch, den 3. November, um 19 Uhr mit der Vorführung des Kinofilms „Willkommen in Almanya“ im Kulturzentrum Cobra an der Merscheider Straße. „Der Film zeigt sehr anschaulich, wie es sich für die ersten türkischen Gastarbeiter anfühlte, als sie nach Deutschland kamen – und dies auf humorvolle Art“, beschreibt Cobra-Geschäftsführerin Anja Stock. „Dazu ist es uns gelungen, Lilay Huser, eine der Darstellerinen, einzuladen. Sie wird an einer Dialogrunde teilnehmen.“

Lesung: Bei der zweiten Veranstaltung am Mittwoch, den 10. November, handelt es sich um eine literarische Lesung von Özlem Özgül Dündar, Autorin und Trägerin des Kelag-Preises. „Die gebürtige Solingerin ist Tochter von Gastarbeitern und wird eine Reihe persönlicher Texte vortragen“, informiert Musa Kavalli. Veranstaltungsort ist die Cobra.

Ausstellung: Am Montag, 15. November, gibt es dann ab 16 Uhr unter dem Motto „60 Jahre Anwerbeabkommen“ eine große Abschlussveranstaltung im LVR-Industriemuseum der früheren Gesenkschmiede Hendrichs. „Der Ort ist ideal“, bekräftigen Anne Wehkamp und Anja Stock. „Die Schmiede vermittelt als Ort das originäre Arbeitsgefühl von damals. Denn ihr haftet über den industriellen Schauplatz hinaus der Geruch der früheren Arbeitswelt an, in welche die Gastarbeiter eintraten.“ Neben Oberbürgermeister Tim Kurzbach werden Gäste wie die Türkische Generalkonsulin Aysegül Gökçen Karaarslan aus Düsseldorf erwartet, dann der Fachdozent für Migration und Integration Dr. Yasar Aydin. „Zudem werden sich Zeitzeugen an ihre Ankunft als Arbeitskräfte in Solingen erinnern und an die Zeit danach“, erklärt Musa Kavalli. Zur Vertiefung des Themas zeigt die Fotoausstellung „Drei Solinger Generationen“ Lebensläufe von drei Solinger Gastarbeiter-Familien. „Und Musik gibt auch, von der Gruppe Akustolia“, führt Diellza Reçica aus. „Das Programm ist bewusst bunt, vielfältig und abwechslungsreich, um die Vielfalt der Solinger Bevölkerung zu zeigen.“

Kooperationspartner: Gefördert wurden die Veranstaltungen vom Bundesfamilienministerium und dem Bundesprogramm Demokratie leben. Kooperationspartner sind unter anderem Cobra, Zuwanderer- und Integrationsbeirat und der Förderverein Kommunales Integrationszentrum.

Eintritt: Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenlos. Anmeldungen bis 30. Oktober an Tel. 2 90-25 43 oder

k.bouzalmat@solingen.de

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