Vor 50 Jahren

Fußballgeschichte in Wembley: 51 Solinger Schüler erlebten den Sieg

Heinz Sauermann (links) mit unserem Autoren Wilhelm Rosenbaum und dessen Frau Ingrid. Fotos: Archiv Wilhelm Rosenbaum
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Heinz Sauermann (links) mit unserem Autoren Wilhelm Rosenbaum und dessen Frau Ingrid.

Vor exakt fünfzig Jahren schrieben Beckenbauer & Co. Fußballgeschichte in Wembley. Auf ihrer Klassenfahrt erlebten Schüler der Walder Albert-Schweitzer-Realschule den Sieg.

Von Wilhelm Rosenbaum

Solingen. Es war ein außergewöhnliches Sportereignis von der Sorte, wie es einem im Leben eben nur einmal vergönnt ist. Im altehrwürdigen, mittlerweile längst historischen Wembley-Stadion besiegte vor fünfzig Jahren, am 29. April 1972, das DFB-Team mit den Legenden Beckenbauer, Breitner, Gerd Müller und Netzer die englische Nationalmannschaft von Sir Alf Ramsey sensationell klar mit 3:1.

Es war ein Meilenstein der deutschen Kicker-Chronik, ein Jahrhundertsieg im europäischen Fußballklassiker – und fünfzig begeisterte Solinger Teenager, Abschlussschüler der Walder Albert-Schweitzer-Realschule auf Klassenfahrt, erlebten im Londoner Sport-Tempel diesen Triumph der deutschen Elf hautnah mit. Und das dank einer unverhofften „Freikarte“, die ihnen ein deutscher Bundesaußenminister persönlich besorgt hatte.

So kamen die Abschlussschüler zu ihren Tickets

Die Eintrittskarte fürs Wembley-Stadion.

Lösen wir das Ticket-Wunder für die von der Wupper auf: In der Vorbereitung der traditionellen Englandfahrt nach Croydon stellte ASS-Schulleiter Heinz Sauermann fest, dass der Termin dieser Abschlussfahrt nach London tatsächlich mit dem Länderspiel terminlich zusammenfiel. „Das müssen wir uns doch ansehen“, war sein erster Gedanke. Und dabei sollte irgendwie ein Solinger helfen können.

Sauermann, selbst Ex-Schüler am Gymnasium Schwertstraße, schrieb also einen freundlichen Brief an einen „lieben Walter“, den er zu seinen eigenen Schülerzeiten mit großer Wahrscheinlichkeit dort nie näher kennengelernt hatte. Sie ahnen es vielleicht, ja, er nahm Kontakt zu Walter Scheel, seines Zeichens damals Bundesaußenminister, auf und präsentierte ihm optimistisch seinen sportlichen Wunschzettel. Und das Unglaubliche geschah: Walter Scheel, der heimatlichen Klingenstadt lebenslang eng verbunden, hatte ein offenes Ohr für die jungen Fußball-Fans in der bergischen Heimat und reagierte sofort.

Schon wenige Tage später offerierte die DFB-Zentrale in Frankfurt der Schule an der Kornstraße tatsächlich fünfzig Tickets. Und so rollten an jenem denkwürdigen Aprilabend die deutschen Reisebusse Richtung Wembley, wo die Solinger Schüler ein Highlight ihrer Londonfahrt erlebten. Unerwartete Pointe am Rande: Da Bundespressechef Conrad Ahlers als eingeladener Ehrengast verhindert war, dirigierte der DFB zudem Schulleiter Sauermann mit dessen Eintrittskarte in die Loge der prominenten Gäste. Verdientermaßen, wie seine Schülerinnen und Schüler meinten.

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Noch Jahrzehnte danach ist für einen dieser Ehemaligen, für Dr. Frank Richter, der Programmheft und Eintrittskarte aufbewahrt hat, das sportliche Erlebnis unverändert präsent. Das Ende des Spiels erschien den jungen Solingern damals problematisch: „Es herrschte eine ganz eigentümliche Stille unter den enttäuschten englischen Fans. Trotz aller Begeisterung haben wir uns ruhig verhalten. Einerseits wollten wir den nahen Sieg in den letzten Minuten nicht verschreien, andererseits waren wir von Engländern umringt, die immer ungehaltener über das Spiel ihrer Mannschaft wurden. Auch im Bus spät in der Nacht gab es keine laute Siegesfeier. Der Eindruck war zu überwältigend gewesen, und wir waren einfach nur stolz.“

Eine beispielhafte Reaktion seiner Gastgeber überraschte ihn bei der Rückkehr ins Quartier in Croydon. „Im Haus meiner englischen Gastfamilie hing an meiner Zimmertür ein großes Pappschild mit der Aufschrift ,Congratulations, West Germans!‘“ Glückwünsche also für den deutschen Schüler. Es gab schon damals Fairplay auf der Insel.

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