Drogenkonsum von Jugendlichen

47 Ballons setzen Zeichen für Suchtkranke

Alle Beteiligten ließen gestern als Symbol für die hohe Zahl des von Drogenkonsums betroffenen Familien vor dem Rathaus 47 Luftballons mit Statements, Wünschen und Forderungen in den Himmel steigen. Foto: Christian Beier
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Alle Beteiligten ließen gestern als Symbol für die hohe Zahl des von Drogenkonsums betroffenen Familien vor dem Rathaus 47 Luftballons mit Statements, Wünschen und Forderungen in den Himmel steigen.

Solinger Netzwerk macht auf hohen Drogenkonsum Jugendlicher aufmerksam.

Von Anna Lauterjung

Solingen. Gespickt mit Wünschen und Forderungen von Familienangehörigen minderjähriger Suchtkranker und Vertretern städtischer Anlaufstellen zum Thema Sucht stiegen am späten Donnerstagnachmittag vor dem Rathaus 47 blaue Ballons in die Luft. Darunter befanden sich Wünsche wie das Ende der Stigmatisierung gegenüber Eltern und Familienangehörigen von Suchtkranken sowie Forderungen nach Suchtprävention in den Schulen und niederschwelligen Angeboten für alle Betroffenen. Die Aktion war Teil der landesweiten Kampagne „Frag Eltern: Mein Kind nimmt Drogen“ des Vereins Arwed. Solingen ist der zweite Stopp nach dem Start in Düsseldorf.

„Frag Eltern: Mein Kind nimmt Drogen“ soll die Thematik von drogenabhängigen Jugendlichen mit der Hilfe von Plakaten, einem Anhänger und einer Kundgebung in den verschiedenen Städten in den öffentlichen Diskurs bringen. „47 Prozent aller Unter-25-Jährigen konsumieren Drogen“, sagt Christiane Erbel, Arwed-Vorstandsmitglied. Dabei würden die Eltern nicht nur unter der Sucht ihres Kindes leiden, sondern auch unter der Stigmatisierung.

„Der Gang zum Jugendamt ist oft mit Scham verbunden.“

Gabrielle Kirchner, Caritas

Mit der Kampagne bekennen sich Eltern nun öffentlich zu der Sucht ihres Kindes und bieten damit eine Anlaufstelle für andere Familienangehörige in einer ähnlichen Situation. Gleichzeitig fordern sie, die Hilfe von Suchtkranken nicht nur auf die Betroffenen zu beschränken. „Die ganze Familie braucht Unterstützung“, sagt Christiane Erbel. „Es ist niemand Schuld“, betont Christiane Erbel, „Wir sind sorgsame und liebende Eltern. Trotzdem konsumieren unsere Kinder illegale Drogen.“

Bernd Kaufel, Sprecher des stadteigenen Netzwerks Sucht, stimmt dem zu: „Die Sucht trifft nicht nur die Suchtkranken, sondern auch die Familie.“ Der Zusammenschluss aus professionellen Anbietern und den verschiedenen Selbsthilfegruppen bietet ein breitgefächertes Angebot für Suchtkranke und ihr persönliches Umfeld an. Obwohl dieses schon gut sei, wäre es in verschiedenen Punkten immer noch ausbaufähig, berichten die Vertreter des Netzwerkes. „Wir müssen uns weiter vernetzen und mögliche Lücken schließen“, sagt Anja Hufschmiedt vom Verein Jugend- und Drogenberatung.

Eine der Lücken ist für die Oberärztin der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Remscheider Sana-Klinikums in Solingen, Barbara Gripp, der Umgang mit Drogenabhängigkeit bei psychisch Erkrankten. Obwohl 60 Prozent der psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen versuchen, sich durch den Drogenkonsum selbst zu behandeln, habe die Psychiatrie keine eigene Abteilung. Sie wünsche sich daher, dass für das Thema sensibilisiert und gleichzeitig Probleme früh genug diagnostiziert werde.

Nur selten gebe es direkte Anlaufstellen für betroffene Eltern

Eine weitere Forderung bezieht sich auf die Angebote für das Umfeld der Suchtkranken. Bei der Beratung und der Therapie müsse das gesamte System rund um den Betroffenen mit einbezogen werden, erklärt Hufschmiedt. Trotzdem gäbe es nur selten direkte Anlaufstellen für Eltern von suchtkranken Kindern, bemängelt Gabrielle Kirchner von der Caritas. Auch die sogenannte aufsuchende Unterstützung würde ab der Volljährigkeit nicht mehr bewilligt, obwohl in vielen Fällen die Eltern die Kinder weiter zu Hause betreuen. Kirchner wünscht sich, dass die Angebote individuell gestalten und einfacher in Anspruch genommen werden können. „Der Gang zum Jugendamt ist oft mit Scham verbunden“, berichtet sie.

Hintergrund

Kampagne: Die Aktionswoche „Frag Eltern: Mein Kind nimmt Drogen“ ist mit den Luftballons noch nicht vorbei. Bevor es in die nächste Stadt geht, macht der Anhänger noch einen Stopp in der Ohligser Fußgängerzone. Am Samstag wird er dort von 10 bis 15 Uhr auf der Düsseldorfer Straße zu sehen sein. Danach wird die Kampagne in eine der weiteren 16 teilnehmenden Städten in Nordrhein-Westfalen fortgeführt.

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