Hausärztliche Situation ist angespannt

44 Solinger Hausärzte erreichen bis 2026 das Rentenalter

Stephan Kochen ist Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed. Foto: Christian Beier
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Stephan Kochen ist Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed.

Solimed-Geschäftsführer Stephan Kochen sprach im Sozialausschuss.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Die hausärztliche Situation in Solingen ist angespannt. Statistisch betreut ein Hausarzt in der Klingenstadt 1369 Menschen. Zum Vergleich: In Leverkusen ist das Verhältnis eins zu 632. Dr. Stephan Kochen befürchtet, dass sich die Lage in den kommenden Jahren zuspitzt. Denn bis 2026 erreichen 44 Solinger Hausärzte das Rentenalter. Das erklärte der Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Solimed am Dienstag im Sozialausschuss.

Dort sprach Kochen auf Antrag der SPD-Fraktion. Deren sozialpolitischer Sprecher Uli Preuss erklärte: „Die Hausärzte in Solingen werden weniger, die Senioren mehr.“ Dies sei zum einen aus Sicht der gesundheitlichen Versorgung problematisch. Andererseits komme den Medizinern eine wichtige Rolle beim Erkennen und Bekämpfen von Einsamkeit und Armut im Alter zu. „Für viele ältere Menschen ist der Arzt die wichtigste Vertrauensperson“, sagte Preuss.

Vor allem Alte und chronisch Kranke treffe der zu befürchtende Mangel, bestätigte Kochen. Auch für die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen könnte die Situation zum Problem werden. Die dortigen Besuche sind für Hausärzte zeitintensiv. Mit effizienzsteigernden Maßnahmen versucht Solimed, dem Problem entgegenzuwirken. Auch sollen attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten Mediziner nach Solingen locken. Denn viele Praxen werden mangels Nachfolger aufgegeben, 2020 allein drei.

Solingen: Projekt soll Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern

Seine Rolle als ärztlicher Leiter des Impfzentrums habe ihn auf eine weitere Herausforderung gestoßen, sagte Kochen: „Viele Menschen nehmen nicht an der klassischen Gesundheitsversorgung teil, gehen nicht zu Ärzten.“ Die Betroffenen leben dem Mediziner zufolge häufig in prekären Situationen, sind medizinisch unzureichend versorgt sowie öfter akut und chronisch krank.

Um ihnen den Zugang zum Gesundheitswesen zu erleichtern, planen Solimed, Stadt und die AOK Rheinland/Hamburg ein gemeinsames Angebot. Angedacht ist eine sogenannte Gesundheitsstation, die allen Solingern offen stehen soll. Das Ziel ist, nicht nur die gesundheitliche Lage der Menschen zu erfassen, sondern zusätzlich deren Lebenssituation. In Zusammenarbeit mit Fachstellen und Sozialverbänden soll beides verbessert werden.

Die Gespräche mit den Beteiligten seien weit fortgeschritten, verriet Kochen. Kommt es zu einer Umsetzung, sei die AOK bereit, „hohe sechsstellige Beträge“ zu investieren. Der Solimed-Geschäftsführer ist optimistisch: „Wir hoffen, nächstes Jahr an den Start gehen zu können.“

Auch interessant: Corona-Impfungen lasten Hausärzte stark aus

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