360-Grad-Rundgang soll Gräfrath erlebbar machen

Ben Koch und Gianna Graf machen Aufnahmen mit der 360-Grad-Kamera Insta 2 Pro. Werner Koch (im Hintergrund, v. l.), Dr. Stefan Goedecke und Dario Dzamastagic sind vom Nutzen des Projektes überzeugt. Foto: Christian Beier
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Ben Koch und Gianna Graf machen Aufnahmen mit der 360-Grad-Kamera Insta 2 Pro. Werner Koch (im Hintergrund, v. l.), Dr. Stefan Goedecke und Dario Dzamastagic sind vom Nutzen des Projektes überzeugt.

Die Bezirksvertreter in Gräfrath sprechen sich nach kontroverser Diskussion für ein neues Projekt, einen virtuellen Rundgang, aus.

Von Jutta Schreiber-Lenz und Manuel Böhnke

Solingen. Insta 2 Pro sieht ein bisschen aus wie ein Alien und hat entfernte Ähnlichkeit mit einer Star-Wars-Figur. Ben Koch und Gianna Graf von der Firma Excit3D waren gestern Morgen in und vor der Gräfrather Goedecke’sche Apotheke intensiv damit beschäftigt, die kugelrunde 360-Grad-Kamera zu bedienen. Die sechs Linsen des Apparats machen es möglich, Betrachter in einem 3-D-Modus über die Straße In der Freiheit zum Marktplatz und in die angrenzenden Gässchen mitzunehmen – und zudem in die Läden oder Lokale mit hineinzunehmen.

Nach Ohligs soll Gräfrath der nächste Solinger Stadtteil mit einem 360-Grad-Rundgang werden, der im Internet abrufbar ist. Dafür sprachen sich am Dienstagabend die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Gräfrath nach einer durchaus kontrovers geführten Diskussion einstimmig aus.

Grund für den Unmut war eine von Bezirksbürgermeister Peter Hanz (SPD) initiierte Videokonferenz zum Thema in der vergangenen Woche. Neben Sozialdemokraten waren dazu Vertreter der drei Gräfrather Museen, des Heimatvereins und zweier Gastronomiebetriebe eingeladen. Dies nahm der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jonathan Bürger (CDU) zum Anlass für eine „Manöverkritik“: „Dass zu diesem Termin vorab null Kommunikation stattgefunden hat, ist ärgerlich und wirft ein schlechtes Licht auf die BV.“ Auch Gräfrather Vereine fühlten sich auf den Schlips getreten, weil sie keine Einladung erhalten hatten, ergänzte Thomas Braun. Er ist der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der BV Gräfrath.

Andreas Zelljahn (FDP) nahm daran Anstoß, dass der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann bei besagter Veranstaltung erklärt hatte, die Idee für den 360-Grad-Rundgang durch Gräfrath stamme von den Sozialdemokraten. Bereits am 21. Januar habe Dario Dzamastagic, der FDP-Ortsvorsitzende in Gräfrath, beim Heimatverein für die Idee geworben – seinerzeit erfolglos.

Ich wollte niemanden ausschließen.

Peter Hanz (SPD), Gräfraths Bezirksbürgermeister

Von diesem Vorstoß habe er nicht gewusst, betonte Peter Hanz im Gespräch mit dem Tageblatt. Sein Ziel sei es, die Schönheit und Vielfalt des historischen Ortskerns auch im Netz zu präsentieren. Recht spontan habe er die Teilnehmer für die Videokonferenz zusammengetrommelt, um das Interesse an dem Projekt zu ermitteln. „Ich wollte niemanden ausschließen“, betont der Bezirksbürgermeister. In der Sitzung bat er um Entschuldigung, gelobte Besserung.

Solingen: Virtueller Rundgang in Gräfrath soll schnellstmöglich kommen

Es spreche für die konstruktive Zusammenarbeit in Gräfrath, dass sich die Bezirksvertreter dennoch einstimmig hinter das Projekt stellten. Wenngleich aus dem SPD-Antrag, einen virtuellen 360-Grad-Stadtrundgang für den historischen Ortskern einzurichten, ein Prüfauftrag geworden ist. Demnach soll die Verwaltung einerseits prüfen, ob sich in dem Angebot auch die Gräfrather Kirchen, Vereine und Ehrenamtler präsentieren können. Zum anderen steht die Frage der Finanzierung im Raum. Jonathan Bürger schlug vor, Mittel aus dem Budget des Stadtmarketings zu verwenden. Dieses habe OB Tim Kurzbach (SPD) „aufgeblasen wie einen Fesselballon.“

Perspektivisch muss auch die Frage geklärt werden, wer den 360-Grad-Rundgang verwirklicht. In Ohligs hat Excit3D das Projekt in Zusammenarbeit mit der dortigen Immobilien- und Standortgemeinschaft umgesetzt. Den Termin der Firma am Mittwoch mit Apotheker Dr. Stefan Goedecke hatte Dario Dzamastagic recht spontan eingefädelt. Der FDP-Politiker drückt aufs Tempo: „Wir wollten nun der Theorie schnellstmöglich eine praktische Umsetzung folgen lassen.“

Excit3D-Geschäftsführer Werner Koch ist vom Nutzen der virtuellen Rundgänge überzeugt. Digitalisierung bedeute mehr, als einen Onlineshop einzurichten. Er sehe in dem 360-Grad-Projekt für Solingen eine Verbindung zwischen den Angeboten vor Ort und im Internet: „Im Netz kann man sich informieren und dann die dort präsentierten Angebote vor Ort nutzen.“

Bezirksvertretung

In der BV-Sitzung am Dienstag wurde die Verwaltung auf Antrag von SPD, Grünen und Linken beauftragt, zu prüfen, wie eine gemeinsame Nutzung der Gräfrather Wälder von Spaziergängern und Mountainbikern durch die bessere Kennzeichnung von seit Jahren bestehenden „Trails“ möglich ist.

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