Prozess

Angeklagter schildert möglichen Totschlag als Unfall

Zu Prozessbeginn beriet sich der Angeklagte mit seinen Verteidigern Athanasios Antonakis und Jochen Ohliger (r.).
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Zu Prozessbeginn beriet sich der Angeklagte mit seinen Verteidigern Athanasios Antonakis und Jochen Ohliger (r.).

Solinger steht in Wuppertal vor Gericht – Frauenleiche wurde verbrannt im Schwarzwald gefunden.

Von Kristin Dowe

Solingen. Reinen Tisch machen – dies scheint zumindest die Strategie zu sein, auf die der 33-jährige Solinger setzt, der sich seit Freitag wegen des Vorwurfs des Totschlags vor dem Landgericht Wuppertal verantworten muss. So machte der Angeklagte in seiner Einlassung vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jochen Kötter am ersten Prozesstag umfangreiche Angaben zu dem mutmaßlichen Tatgeschehen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, seine damalige Lebensgefährtin im September 2021 durch „stumpfe und scharfe Gewalteinwirkung“ in der Wohnung des Paares in Solingen getötet, ihre Leiche in ein Planschbecken gewickelt und in ein Waldstück im Schwarzwald in der Nähe von Freudenberg gebracht zu haben. Dort soll er versucht haben, die Leiche zu verbrennen.

Die Ermittlungen in Süddeutschland gestalteten sich für die Polizei anfangs schwierig, da zunächst die Identität der toten Solingerin zu klären war. Die Anklage sieht in dem Tötungsdelikt kein Mordmerkmal, doch soll der Beschuldigte den Tod der zum Tatzeitpunkt 36-jährigen Mutter eines kleinen Sohnes zumindest „billigend in Kauf genommen haben“.

Zu seiner Version des Geschehens hatte der Angeklagte eine schriftliche Erklärung vorbereitet, die er der Kammer selbst vortrug. In der Beziehung des Paares hätten sich schon länger Spannungen abgezeichnet. Die junge Frau, so schilderte er, habe Drogenprobleme gehabt – vor allem sei sie mit dem Tod ihrer Mutter nicht zurechtgekommen und habe sich deshalb in therapeutischer Behandlung befunden. Im Zuge eines Trennungsgesprächs habe die 36-Jährige die gemeinsame Wohnung plötzlich verlassen wollen. Daraufhin habe er gedroht: „Wenn du jetzt gehst, lasse ich dich nicht mehr rein!“

Der Körper der Frau wies erhebliche Verletzungen auf

Daraufhin sei es zu einem Kampfgeschehen an der Haustür gekommen, als er versucht habe, seine Freundin am Verlassen der Wohnung zu hindern. Er habe sie ruckartig von der Klinke weggezogen, woraufhin sie gestürzt und plötzlich unter Atemnot blau angelaufen sei. Daraufhin will er noch Rettungsversuche unternommen haben: „Ich habe ihr eine Decke unter den Kopf gelegt und versucht, ihr Herz zu massieren. Aber das klappte nicht. Irgendwann wusste ich, dass sie tot ist.“

Immer wieder geriet der Angeklagte unter Tränen ins Stocken und bat schließlich um eine Pause. Er habe „panische Angst“ gehabt, dass der gemeinsame Sohn im Kleinkindalter aufwachen und seine tote Mutter im Wohnzimmer entdecken könnte.

So habe er die Leiche schließlich begraben wollen. „Ich habe mich daran erinnert, dass wir mal zusammen im Schwarzwald waren. Dort hatten wir eine gute Zeit.“ Mit dem Plan, die Leiche der Solingerin zu begraben, sei er mit seinem Sohn in Richtung Baden-Württemberg aufgebrochen. „Wir machen jetzt einen Ausflug“, sei die Erklärung gewesen, die er dafür seinem Sohn präsentiert habe.

Doch auch dieser Plan, so schilderte es der Beschuldigte, sei gescheitert. „Der Boden war einfach zu hart.“ Bei einem zweiten Beseitigungsversuch habe er die Leiche dann mit Benzin übergossen, um sie zu verbrennen.

Letzteren Teil dokumentieren Fotos, die der Kammer in der Verhandlung gezeigt wurden. Darauf zu sehen ist eine völlig verkohlte Frauenleiche – die Zähne des Opfers sind im Mundraum stark verschoben, wie auch am Modellabdruck ihres Kiefers sichtbar wird. Im Kopfbereich, so legen die Fotos außerdem nahe, wies der Körper der Frau erhebliche Verletzungen auf.

Die Ausführungen des Gerichtsmediziners lassen auf ein Würgegeschehen schließen. Zum Zeitpunkt des Brandes, so habe die Obduktion gezeigt, habe die Solingerin nicht mehr gelebt, da man in ihren Atemwegen kein Kohlenstoffmonoxid gefunden habe.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Unser Artikel vom 7. Oktober, 10.22 Uhr

Solingen. Wegen Totschlags muss sich heute ein 33-jähriger Solinger vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Laut Anklage wird ihm vorgeworfen, im September 2021 seine damalige Partnerin durch Gewalteinwirkung mit einem stumpfen oder scharfen Gegenstand getötet zu haben.

Im Zuge eines Streits, so wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, soll er die Leiche der Frau in seinem Fahrzeug in ein Waldstück nahe Freudenstadt gebracht und dort versucht haben, sie zu verbrennen. Ihren Körper hatte er zuvor in die Folie eines Planschbeckens gewickelt.

Der Angeklagte ließ sich heute Morgen bereits unter Tränen zu den Vorwürfen ein und zeichnete das Bild einer außer Kontrolle geratenen Streitsituation, als er versucht habe, seine Lebensgefährtin daran zu hindern, die Wohnung zu verlassen.

Die Verteidigung sieht in dem Tatgeschehen lediglich eine Körperverletzung mit Todesfolge.

Wir berichten weiter. KDow

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