Temposünder

28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen

Die Radaranlage an der Kreuzung Werwolf „blitzt“ derzeit nur Fahrzeuge, die bei roter Ampel weiterfahren. Foto: Michael Schütz
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Die Radaranlage an der Kreuzung Werwolf „blitzt“ derzeit nur Fahrzeuge, die bei roter Ampel weiterfahren.

Neben Ampelverstößen wird bald wohl auch zu schnelles Fahren geahndet.

Solingen. Viele Autofahrer sind an der Kreuzung Werwolf zu schnell unterwegs. 6468 Fahrzeuge hatten vom Jahresbeginn bis zum 23. August 60 Stundenkilometer oder mehr auf dem Tacho. Das entspricht fast 28 Geschwindigkeitsverstößen pro Tag. Diese Zahlen präsentierte die Stadtverwaltung jetzt der Politik – mit der Empfehlung, an der Kreuzung künftig nicht nur Rotlichtverstöße zu ahnden, sondern auch Schnellfahrer zu „blitzen“. Zwei Jahre nachdem der Stadtrat dies abgelehnt hatte, zeichnet sich dafür in der Politik jetzt eine Mehrheit ab.

Die Kreuzung gilt als Unfallschwerpunkt. Als Ursache dafür gilt, dass viele Autofahrer bei Rot die Ampel passieren. Darum wurden dort Radaranlagen aufgestellt, mit deren Hilfe die Stadt diese Verstöße seitdem verfolgt. Seitdem ist die Zahl der Unfälle deutlich gesunken. Die angemieteten Anlagen sind technisch so ausgelegt, dass mit ihnen auch Raser „geblitzt“ werden können. Vor zwei Jahren scheiterte im Rat ein Antrag der Grünen, auch Tempoverstöße zu verfolgen, nur knapp.

Dies tat die Stadtverwaltung auch nicht. Sie hat aber die Geschwindigkeitsmessanlage aktiviert, ohne Ordnungs- oder Bußgelder zu verhängen. Dabei stellte das Rathaus fest, dass bis zu 1019 Kraftfahrer pro Monat deutlich zu schnell fuhren (60 oder mehr Stundenkilometer bei erlaubtem Tempo 50). Dieser Wert wurde im Juni erreicht.

Parteien sprechen sich für Tempo-Blitzen am Werwolf ein

Diese Zahlen haben bei bisherigen Gegnern eines Tempo-„Blitzers“ ein Umdenken bewirkt. „Bei 6400 Tempoverstößen im Umkreis von drei Schulen gibt es wenig Argumente, die gegen Geschwindigkeitskontrollen sprechen“, erklärt der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Daniel Flemm. Bei der FDP ist zwar noch keine Entscheidung gefallen. Die Zahlen liefern laut Fraktionschef Jürgen Albermann aber neue Argumente. Darum könne auch er sich vorstellen, für Tempokontrollen zu stimmen. Einer Zustimmung werde sich auch die BfS/ABI-Fraktion nicht verschließen, berichtet Vorsitzender Jan Michael Lange. Zuvor seien aber detailliertere Zahlen nötig – zum Beispiel über die genaue Geschwindigkeit der Autos, die Tageszeit der Verstöße und zum Gesamt-Verkehrsaufkommen.

Grüne und SPD sehen sich durch die Zahlen in ihrer bisherigen Haltung bestätigt. Sozialdemokratin Iris Preuß-Buchholz sieht keine andere Möglichkeit, als den Temposündern „ans Portemonnaie zu gehen“. Um Fußgänger und Radfahrer zu schützen, hält auch der Vorsitzende des städtischen Verkehrsausschusses, Thilo Schnor (Grüne), die Einführung von dauerhaften Geschwindigkeitskontrollen für „notwendig und konsequent“.

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