Buchprojekt

14 Geschichten ranken sich um die geheimnisvolle „Sylvia“

Bei einem Treffen im Wohnzimmer von Renate Eickenberg lernten sich die Schreiber und Schreiberinnen kennen und kamen miteinander ins Gespräch. Foto: Tim Oelbermann
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Bei einem Treffen im Wohnzimmer von Renate Eickenberg lernten sich die Schreiber und Schreiberinnen kennen und kamen miteinander ins Gespräch.

Baum-Inschrift war Auslöser für ein ungewöhnliches Buchprojekt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Buch ist fertig: Im Sommer hatte das Solinger Tageblatt bei seinen Lesern für die Idee von Renate Eickenberg geworben, zu einer geritzten Inschrift im Stamm einer mächtigen Rotbuche eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Bei einem Treffen im Wohnzimmer von Renate Eickenberg lernten sich jetzt alle Schreiber und Schreiberinnen kennen und kamen schnell miteinander ins Gespräch. Einige Geschichten zu der unbekannten „Sylvia“ entstanden offenbar „wie aus einem Guss“ innerhalb von einem Tag, andere „wuchsen“ peu à peu.

Die meisten haben eigene Erinnerungen, akribische Recherche und rege Fantasie mit Schreiblust verknüpft. Zwei konnten nicht dabei sein, dafür las Heidi Theunissen ihre Geschichte vor, die wegen einer Datenübermittlungspanne beim Abgabetermin nicht vorlag und somit nicht ins Buch aufgenommen werden konnte.

Renate Eickenberg, die als Moderatorin und Coach arbeitet, Seminare gibt und Bücher schreibt, hatte selbst „sofort eine Geschichte im Kopf“, wie sie sagt, als sie die Zeile „Ich will nur dich, Sylvia, 1941“ in großer Höhe in der Rinde einer Buche im Nacker Bachtal entdeckt hatte. „Aber mir war schnell klar, dass die Fantasie anderer Menschen vielleicht etwas ganz anderes erdenkt. Das zusammenzutragen, fand ich spannend.“

Mal ist Sylvia ein Mädchen, dann eine reife Frau

Das Ergebnis gibt ihr Recht: 14 Geschichten entstanden, die nun auf rund 120 Seiten vorliegen und zum Schmökern einladen. Immer geht es um die Liebe von Sylvia zu dem unbekannten „Baumritzer“, der in den Geschichten mal Jugendfreund ist, mal Wehrmachtssoldat, der zurück an der Front muss, mal heimlicher Seitensprung. Auch die Liebe zu einer Frau, damals streng verboten, ist vorstellbar.

Auch Sylvia wird in den Plots ganz unterschiedlich gezeichnet. Hier ist sie Jüdin und damals geächtet und verfolgt, dort Solinger Mädchen vom Katternberg oder Hossenhaus, einmal mal fast noch ein Kind, an anderes Mal eine reife Frau. Auch die Erzählperspektiven differieren. Jeanette Baden-Jaber zum Beispiel macht den Baum zum Erzähler. Bei Hélène Kettenbach-Frioux blickt eine alte Frau aus einem Seniorenheim wehmütig und immer noch rätselnd zurück auf den Tag, an dem die Inschrift entstand, weil ihre Freundin Sylvia danach für immer verschwand – mit der ganzen Familie. Die 87-jährige Margot Stamm hat zwei Jungs auf den Buchenbaum klettern lassen, um dort der großen Liebe des einen eine ewige Erinnerung zu schaffen.

Möglicherweise soll ein neues Projekt in Angriff genommen werden. Wieder eines, dass dem Motto: „Ein Satz – viele Geschichten“ folgt. Wieder wird Renate Eickenberg zwar selbst auch einen Beitrag beisteuern, aber zugleich Leiterin des Projekts sein und erneut lektorieren. „Am Tag danach“ ist das Motto, zu dem Geschichten gewünscht sind, „bewusst weiter gefasst, damit auch vermehrt die jüngere Generation mitmacht“, sagt sie. „Vielleicht kommt ja auch mal ein ganz anderes Genre, etwas in Richtung Science-Fiction oder so.“
Erhältlich ist „Ich will nur dich, Sylvia!“ für 7,95 Euro im Buchhandel.

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