Gespräch

125 Jahre Diakonie Bethanien: Interview mit Matthias Ruf

Matthias Ruf leitet als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Bethanien ein breit aufgestelltes diakonisches Unternehmen mit Hauptsitz in Aufderhöhe und 20 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Foto: Christian Beier
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Matthias Ruf leitet als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Bethanien ein breit aufgestelltes diakonisches Unternehmen mit Hauptsitz in Aufderhöhe und 20 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Matthias Ruf leitet als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Bethanien ein breit aufgestelltes diakonisches Unternehmen mit Hauptsitz in Aufderhöhe.

Das Gespräch führte Simone Theyßen-Speich

Die Jubiläumsfeier im Mitarbeiter-Kreis stand ebenso wie der Gottesdienst unter dem Motto „höchstpersönlich“. Inwiefern ist das auch das Motto Ihrer Arbeit?
Matthias Ruf: Eine große Feier war angesichts der Pandemie leider nicht möglich, deshalb haben wir einen ganzen Tag coronakonform in kleinen Gruppen gefeiert, von morgens 7 Uhr bis abends 20 Uhr, um alle Mitarbeiter zu erreichen. In den Einrichtungen im Siegerland, dem Ruhrgebiet und dem Märkischen Kreis stehen noch Jubiläumsfeiern an, im Siegerland etwa eine Sternwanderung. Die ursprüngliche Idee, alle 1900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie Bethanien mit Bussen nach Aufderhöhe einzuladen, wäre schön gewesen. Aber auch so konnten wir ein Dankeschön dafür vermitteln, dass unsere Mitarbeiter mit Kopf, Herz und Leidenschaft dabei sind. Jede einzelne Person ist zum Gelingen wichtig. Auch unsere zehn Diakonissen, die noch hier leben, sind die Seele und der Herzschlag von Bethanien.
War es in der Ausrichtung von Bethanien eine Veränderung, dass Sie als Betriebswirt in der Position des Vorstandsvorsitzenden Otto Imhof als Pastor gefolgt sind.
Ruf: Da möchte ich Oberbürgermeister Tim Kurzbach zitieren, der gesagt hat, Otto Imhof sei ein betriebswirtschaftlich versierter Theologe und ich ein theologisch versierter Betriebswirt. Auf jeden Fall verbinde ich meine persönliche Glaubenseinstellung sehr mit meinem Beruf. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass wir als Unternehmen nicht nur nachhaltig wachsen, sondern dass auch die seelsorgerischen und geistlichen Angebote gleichermaßen wachsen.
In der 125-jährigen Geschichte der Diakonie Bethanien waren 480 Diakonissen im Dienst, jetzt ist noch eine Schwester aktiv, neun weitere leben im Ruhestand hier. Was bedeutet das für den Geist des Hauses?
Ruf: Im Diakonissen-Mutterhaus wird der Geist der Diakonissen weitergetragen. In der Mutterhausgemeinschaft haben wir 80 Appartements vermietet, an Diakonissen, Verbandsangehörige, aber auch pensionierte Pastoren oder Missionare. Andachten und tägliche Abendgebete sind ein wichtiger Teil der Gemeinschaft. Dieser Geist überträgt sich auch auf unsere weiteren Einrichtungen.
In Ihrem Seniorenzentrum sind die Umbauten auf Einzelzimmer abgeschlossen. Welche Herausforderungen stehen jetzt da an?
Ruf: In den Häusern Eiche, Buche und Ahorn ist alles auf dem neuesten Stand, aus dem Haus Magnolie ist eine Senioren-WG entstanden. Ein großes Augenmerk legen wir jetzt auf die Pflege demenziell veränderter Bewohner. Deren Versorgung, Betreuung und Seelsorge ist eine ganz besondere Aufgabe. Auch im Krankenhaus und bei der ambulanten Pflege steht das Thema Demenz mehr im Mittelpunkt.
Das Lungenfachkrankenhaus Bethanien stand in den vergangenen Corona-Monaten im Fokus der medizinischen Versorgung. Was bedeutet das für die Zukunft des Hauses?
Ruf: Wir sind dankbar, dass wir mit der Klinik, Professor Randerath und seinem Team diese Versorgungsaufgabe übernehmen konnten. Wir haben natürlich begründete Hoffnung, dass die Wichtigkeit dieser Arbeit auch politisch erkannt und bei den Rahmenbedingungen berücksichtigt wird. Dazu stehen wir in Gesprächen mit der Politik, der Verwaltung und der kommunalen Stadtspitze. Wir sind überzeugt davon, dass es wichtig ist, solch ein Haus in der Region zu haben.
In der Krise wurde auch die Kooperation mit den anderen beiden Solinger Krankenhäusern gelobt. Hat das weiter Bestand?
Ruf: Es gab schon vorher eine gute Zusammenarbeit mit dem Städtischen Klinikum und der St. Lukas Klinik, die wurde in der Corona-Krise noch gestärkt, und ich hoffe sehr, dass es kooperativ weitergeht.
Welche großen Projekte stehen in Bethanien an?
Ruf: Wir haben immer fünf bis zehn neue Projekte in Planung. Aktuell wachsen wir außerhalb Solingens, so etwa im Bereich Familienhilfe. Die läuft schon in Iserlohn erfolgreich, jetzt wird in Lippstadt ein Mutter-Kind-Haus aufgebaut. In anderen Regionen geht es darum, unsere Angebote der Altenhilfe weiter zu vernetzen, wie es in Solingen zwischen Betreutem Wohnen, Seniorenzentrum, Senioren-WG und ambulanter Pflege schon erfolgreich läuft. Auch die Digitalisierung in der Altenhilfe ist ein großes Thema.
Gibt es auch konkrete Pläne in Aufderhöhe?
Ruf: Die angrenzenden Grundstücke des TSV Aufderhöhe haben wir gesichert für zukünftige Projekte. Bis zum Neubau und Umzug des Sportvereins bleibt der TSV aber erstmal dort, dann sehen wir weiter. Insgesamt sehe ich die Diakonie Bethanien sehr gut aufgestellt für die Zukunft.

Persönlich

Vorstand: Matthias Ruf ist 55 Jahre alt. Seit April 2018 ist er Vorstandsvorsitzender der Diakonie Bethanien.

Gründung: 1896 als Diakonissenwerk gegründet, hat Bethanien rund 1900 Mitarbeitende.

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